Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Ex-NPD-Mann Maik Scheffler fehlt unentschuldigt im Stadtrat
Region Delitzsch Ex-NPD-Mann Maik Scheffler fehlt unentschuldigt im Stadtrat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:38 28.04.2018
Maik Scheffler Quelle: privat
Anzeige
Delitzsch

Dass ein Platz im Delitzscher Stadtrat leer bleibt, kommt immer mal vor. Manche der älteren Herren hat man ewig nicht gesehen. Dass der Stuhl von Maik Scheffler aber immer wieder leer bleibt, fällt negativ auf und könnte bald auch Folgen haben. Der 1974 geborene Maik Scheffler fehlte zuletzt zu oft unentschuldigt bei den Sitzungen. Und das hat anscheinend auch mit seiner Vergangenheit zu tun.

2018 noch nie im Stadtrat gewesen

Der Delitzscher, der für die NPD bei der letzten Kommunalwahl 2014 in den Stadtrat einzog, hatte vor gut drei Jahren seinen Austritt aus der rechtsradikalen Partei verkündet und mit ihr abgerechnet. Aus dem NPD-Führungskader Maik Scheffler wurde der „Aussteiger“, der mittlerweile Schülern von seinem Wandel erzählt und als ein „Parteiloser“ im Delitzscher Entscheidungsgremium sitzt. Doch wie ernst nimmt er dieses Amt? In diesem Jahr war Maik Scheffler noch bei keiner der bisher drei Stadtratssitzungen, fehlte jedes Mal unentschuldigt. Auch im Oktober und November, den letzten beiden Sitzungen des Jahres 2017, war er nicht da – fehlte da allerdings entschuldigt. Zuvor besuchte er im September den Stadtrat, wie so oft gab es auch da allerdings keine Wortmeldung von ihm zu einem Thema. Eine formale Entschuldigung müsse man als Stadtverwaltung grundsätzlich akzeptieren, betont Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). So gibt es derzeit unter den 30 Stadträten auch zwei Langzeiterkrankte, die die Sitzungen nicht wahrnehmen können. Auch andere Stadträte sind terminlich immer mal verhindert oder kommen verspätet zu Sitzungen. Sollte Maik Scheffler allerdings auch am Donnerstag wieder unentschuldigt fehlen, gibt es ganz offiziell eine Ermahnung. Das Sitzungsgeld in Höhe von 25 Euro bei dreistündigen Sitzungen und maximal 35 Euro bekommt er für die versäumten Termine übrigens nicht, die monatliche Aufwandsentschädigung von 50 Euro dagegen schon.

Maik Scheffler berichtete auch an der Oberschule Krostitz schon aus seinem Aussteigerleben. Quelle: Thomas Steingen

Scheffler hat keine Zeit

Scheffler hat offenbar Terminschwierigkeiten, die in der Regel für den letzten Donnerstag des Monats um 17 Uhr angesetzte Beratung wahrzunehmen: „Infolge meines Ausstieges aus dem Rechtsextremismus seit 2015 hat sich mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Dazu gehören meine berufliche und gesellschaftliche Neuordnung“, so Maik Scheffler auf Anfrage, „neben meiner Arbeit stelle ich auch verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten in den Vordergrund, was es mir leider oft verunmöglicht, an den Sitzungen des Stadtrates teilzunehmen.“ Zudem pendle er arbeitsbedingt oft zwischen Delitzsch und Berlin. Zudem macht die NPD-Vergangenheit was aus: „Was mein Mandat betrifft, so befinde ich mich tatsächlich oft im Zwiespalt“, so der Politiker. Zum einen fühle er sich „selbstverständlich“ seiner Stadt und ihren politischen Prozessen verpflichtet und möchte mitgestalten. „Zum anderen aber habe ich dieses Mandat über eine Partei und Weltanschauung errungen, welche ich heute, nach dreijährigem Ausstiegsprozess, vollumfänglich ablehne. Ich kann dieses Mandat demnach lediglich als Person aber nicht mehr als politischer Vertreter ausüben. Das hierfür die Möglichkeiten einer Mitwirkung nahezu unwirksam geworden sind, liegt auf der Hand.“ Für die verbleibende Legislaturperiode wolle er den Sitzungen selbstverständlich nach Möglichkeit zur Verfügung stehen. Im Mai 2019 ist wieder Kommunalwahl.

Von Christine Jacob

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Einst war er freischaffender Artist, heute ist er an den Rollstuhl gefesselt: René Rumberger aus Seelitz bei Mügeln leidet an Borreliose. Dass es soweit kam, dafür macht er die Ärzte verantwortlich. Doch auch nach der Diagnose wurde es für ihn nicht einfacher.

28.04.2018

Es dreht sich alles im Clowns am Delitzscher Markt. Dort gibt es jetzt eine neue Ausstellung zu sehen. Die zeigt vor allem auch, dass Clowns mehr als nur Zirkus sind.

24.04.2018

Damit hat wohl niemand gerechnet: Nur vier Stunden nach seiner Wahl zum Chef der nordsächsischen SPD tritt Rüdiger Kleinke von dem Amt zurück. Hier erklärt er die Gründe dafür.

30.04.2018
Anzeige