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Ferienjobber in Nordsachsen

Taschengeld aufbessern Ferienjobber in Nordsachsen

Ferienarbeit ist bei einigen Schüler beliebt. Wir haben fünf junge Leute getroffen, die mit Eifer bei der Sache sind und etwas Geld in den Ferien verdienen. Michéle serviert auf dem Freisitz, Paul versucht sich als Landwirt, Yannick mag es technisch, Paul aus Düben schleift für ein eigenes Auto und Dominic versucht sich als Klempner.

Auf dem Freisitz von Hofmanns Hütte am Altmarkt in Oschatz serviert Michéle Kretzschmar Hermes Schade einen Hot Dog mit Pommes.

Quelle: Christian Kunze

Nordsachsen. Bei Hofmanns Hütte auf dem Altmarkt in Oschatz herrscht in den heißen Sommermonaten stets Hochbetrieb. Damit keiner der Gäste auf dem Freisitz lange auf sein Essen warten muss, sind Ferienkräfte in der Saison unverzichtbar. Seit einigen Jahren kann sich Inhaberin Birgit Hofmann schon auf Michéle Kretzschmar verlassen. Sie ist im vorletzten Jahr ihrer Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin – und hilft im Imbiss regelmäßig aus, wenn keine Schule oder Praxislektionen anstehen. Während der Ferienzeit in der Ausbildung gehört die junge Frau in der besucherstarken Mittagszeit zum Team. Und sie ist durch ihren kontinuierlichen Einsatz auch für die Kunden zu einem vertrauten Gesicht geworden. „Die Stammgäste kennen mich inzwischen. Nur wenn ich mal eine neue Frisur oder Haarfarbe habe, muss mancher zwei Mal hinschauen“, sagt sie. Alles fing an, als die junge Oschatzerin selbst noch zur Schule ging. „Da war ich nach dem Unterricht immer hier mit meinen Klassenkameraden essen. Und eines Tages sprach mich die Frau Hofmann an, weil sie in der bevorstehenden Urlaubszeit dringend eine Vertretung für eine ihrer festen Mitarbeiterinnen brauchte“, erinnert sie sich. Für Michéle war das der Moment, die Seite des Tresens zu wechseln. Zwar gibt es noch weitere gastronomische Einrichtungen, in denen die 20-Jährige in Oschatz von Zeit zu Zeit aushilft – aber nirgends so kontinuierlich wie am Altmarkt. Für Birgit Hofmann ist Michéle Kretzschmar ein echter Glücksgriff. „Sie gehört zu denen, die über mehrere Jahre da sind und die man nicht immer neu einarbeiten muss. Über die Jahre ist aus unserer losen Bekanntschaft auch eine persönliche Freundschaft geworden“, sagt sie.

 

Arbeiten an der frischen Luft

Für den 15-jährigen Paul ist es das erste Mal, dass er arbeiten geht. „So habe ich mir das ungefähr vorgestellt – nicht so toll“, sagt er trocken über diese Erfahrung. Was auch daran liegt, dass seine Arbeit der Schönwetterlogik eines Jugendlichen widerspricht: Immer genau dann, wenn schönes Wetter ist und die anderen sich vielleicht am See vergnügen, muss er ran. „Und wenn schlechtes Wetter ist und ich eh zuhause sitzen würde, sitze ich auch zuhause“, sagt er. Paul arbeitet in den Ferien in der Landhandels GmbH Glesien und unterstützt dort die Ernte, die sich nach den Schönwettertagen richtet. Mit einer Art Staubsauger entnimmt er von einem Podest aus kleine Proben von den Ladeflächen der einfahrenden Traktoren. Diese gibt er anschließend in ein Gerät, dass die Proben nach Feuchte, Proteingehalt

Paul Nowakowski (15) aus Zwochau arbeitet in diesen Ferien bei der Landhandels GmbH Glesien

Paul Nowakowski (15) aus Zwochau arbeitet in diesen Ferien bei der Landhandels GmbH Glesien.

Quelle: Manuel Niemann

oder dem Hektolitergewicht auswertet. Das klingt kompliziert, aber er habe innerhalb von nur einer halben Stunde gelernt, mit der Waage umzugehen. Zu seinem ersten Job kam der Zwochauer über seine Cousine. Ina Holschowsky kümmert sich bei der Landhandels GmbH um das Personal. Auch seinen Bruder hat sie schon beschäftigt, dieses Mal ist Paul dran. Der Lohn sei in Ordnung, sagt er. Zudem könne er ab und zu ausschlafen und werde erst gerufen, wenn viel im Betrieb los sei. Um die 30 Mitarbeiter wuseln dann auf dem Lagergelände für Raps, Weizen oder Gerste um ihn herum. Genaue Vorstellungen, was er mit dem Geld machen will, hat er noch nicht. „Erst einmal sparen“, sagt er. Dafür hat er schon Pläne für die Zukunft, er kommt zwar erst in die zehnte Klasse am Christian-Gottfried-Ehrenberg-Gymnasium, aber nach der Schule zieht es ihn nicht in die Landwirtschaft, sondern er möchte studieren.

 

Schleifen bei Profiroll

Anderthalb Wochen arbeitet Oberschüler Paul Bergmann aus Schnaditz (15) als Ferienjobber bei Profiroll in Bad Düben und verdient sich etwas Taschengeld dazu. Sein großer Wunsch ist es, für das erste eigene Auto zu sparen. Bis dahin ist es für den 15-Järigen zwar noch eine Weile hin, doch in zwei Jahren will er erstmal seinen Führerschein dafür machen.

Der Bad Dübener Oberschüler Paul Bergmann bei Arbeiten in der Verzahnungschleiferei bei Profiroll

Der Bad Dübener Oberschüler Paul Bergmann bei Arbeiten in der Verzahnungschleiferei bei Profiroll.

Quelle: Fotos: Steffen Brost

„Ich mache in diesen Ferien zum ersten Mal einen Ferienjob. Profiroll in Bad Düben habe ich mir deswegen ausgesucht, weil ich hier schon zu einem Schülerpraktikum war und es mir auf Anhieb gefallen hat. Außerdem will ich mich in einem Jahr, nach Abschluss der zehnten Klasse, hier für eine Ausbildung zum Zerspanungsmechniker bewerben“, sagte der Schnaditzer. Bei seinem Ferienjob ist der Teenager in der Verzahnungsschleiferei eingesetzt und erledigt Hilfsarbeiten bei der Endbearbeitung für Werkzeuge. „In diesem Unternehmen herrscht ein gutes Klima und ich verstehe mich mit den Kollegen sehr gut. Und Spaß macht es außerdem noch“, so der 15-Jährige.

 

Gastarbeiter bei Stora Enso

Insgesamt 30 Schüler sind in der Eilenburger Papierfabrik Stora Enso in den Sommerferien 2017 für jeweils eine Woche Gastarbeiter. Einer von ihnen ist Yannick Sittner. „Anfangs wollte ich einfach nur zwei Tage ein Praktikum machen. Aber es geht nur eine Woche. Und das Geld, das es dafür gibt, kann ich natürlich auf alle Fälle brauchen“, stellt der 15-Jährige fest. In erster Linie wollte er sehen, was Mechatroniker zu tun haben, um sich für seine Berufswahl zu orientieren, denn nach den Ferien wird er in die 10. Klasse der Oberschule gehen. Selbst aktiv werden kann er, wenn in der Werkstatt aufzuräumen ist. Aber er konnte auch schon mit, als der Auszubildende an der großen Papiermaschine zu tun hatte. Im Werk hat er sogar einen Bekannten, Janne Krellig, aus dem Handball-Training getroffen. Für den 16-Jährigen ist es der zweite Ferien-Einsatz in der Papierfabrik.

Yannick Sittner (15) stellt die Endausschläge am Umschaltventilrichter ein

Yannick Sittner (15) stellt die Endausschläge am Umschaltventilrichter ein. Prozessleit-Elektroniker Marcel Zerbs schaut, ob er’s richtig macht.

Quelle: Heike Liesaus

Er hatte auch schon voriges Jahr das Ziel, „etwas dazu zu verdienen“. Da war er im werkeigenem Kraftwerk eingesetzt und hat vor allem Geländer und Gerüste gestrichen. Diesmal ist er in der Buchhaltung gelandet. Nun hat er gerade mit Reisekostenabrechnungen zu tun, trägt Beträge in Tabellen ein. „Das mit den Zahlen und Rechnungen macht mir eigentlich mehr Spaß, als ich dachte“, sagt er nach einigen Tagen Erfahrung. Hauptsächlich aber werden bei Stora Enso in Eilenburg technische Richtungen für die Ferienjobs angeboten. „Da wird jeweils eine Runde gebildet und geschaut, wer denn Aufgaben anzubieten hat“, erklärt Simone Höge, Leiterin für Personalentwicklung, die auch die Einsätze der Ferienjobber koordiniert.

 

 

 

 

Von lvz

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