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Delitzsch Feuerwehr Delitzsch rückt mehr als 300 Mal aus
Region Delitzsch Feuerwehr Delitzsch rückt mehr als 300 Mal aus
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06:01 26.02.2018
Die Feuerwehr braucht dringend neue Mitglieder. Quelle: Christine Jacob
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Delitzsch

50 Leute arbeiten zum Wohle aller: Mehr als 300 Mal haben sie gelöscht, gerettet, geborgen und geschützt. Die aktiven Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Delitzsch haben am Freitagabend Bilanz eines bewegten Jahres gezogen. Und Wehrleiter Andreas Pradel hält dabei nichts von Schönrederei.

Wenig Zuspruch in der Bevölkerung

Zu 329 Einsätzen musste die Delitzscher Ortswehr 2017 ausrücken, im Jahr zuvor waren es „nur“ 233. Von der Türöffnung für den Rettungsdienst über den Brand bis zum schweren Unfall war auch 2017 wieder alles dabei – „normales“ Pensum für eine Freiwillige Feuerwehr.

Einsatzbilanz der Feuerwehr

Im Jahr 2017 absolvierten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Delitzsch 329 Einsätze. 2016 waren es 233, im Jahre 2015 236. Allein 79 der 329 Einsätze im vergangenen Jahr gingen auf das Konto der beiden Herbststürme Xavier und Herwart im Oktober. Weiterhin gab es: 13 Türöffnungen für den Rettungsdienst, 41 ausgelöste Brandmeldeanlagen, 27 zu beseitigende Ölspuren und 23 Tragehilfen für den Rettungsdienst beziehungsweise Krankentransport. Damit entfallen noch 146 Einsätze auf Brände aller Art (von der Mülltonne bis zum Dachstuhl) und technische Hilfeleistungen nach Unfällen. Insgesamt wurden etwa 7800 Einsatzstunden absolviert, dies entspricht einem volkswirtschaftlichen Mehrwert von über 400 000 Euro.

Aber ihr Einsatz wird mehr und mehr selbstverständlich genommen, das Wort freiwillig rückt in den Hintergrund, manch einer in Delitzsch weiß nicht einmal, dass es sich eben nicht um eine Berufsfeuerwehr handelt. Es mangele an Wertschätzung, kritisiert der im Sommer neu gewählte Wehrleiter Andreas Pradel. Ob nun aus der Bevölkerung oder der Politik fehle es einfach an Anerkennung.

Andreas Pradel Quelle: Christine Jacob

„7800 Einsatzstunden im vergangenen Jahr. Zeit, die der Erholung und der Familie fehlt, soll durch ein Schulterklopfen abgegolten werden?“, hinterfragt der 45-Jährige. „Ja, wir haben uns zum ehrenamtlichen Engagement verpflichtet, und machen die Arbeit eines Profis als Zweitjob. Wir sind uns alle einig, dass die Arbeit der Kameraden eine außergewöhnliche Belastung darstellt. Warum ist es nicht möglich ehrenamtlich tätigen Bürgern, die Pflichtaufgabe des Staates übernehmen, durch eine bundesweite einheitliche Regelung im Einkommenssteuergesetz einen Freibetrag in Form von außergewöhnlichen Belastungen zu gewähren?“

Wehrleitung sucht neue Leute

Die Akzeptanz von Hilfskräften in der Bevölkerung sinke erschreckend, warnt Pradel: „Da werden Rettungsgassen nicht gebildet, einsatztaktisches Vorgehen mit Kommentaren ,wie doof ist das denn …’ bewertet. Den schlimmsten Kommentar in der Facebookgruppe ,Du bist ein echter Delitzscher wenn ...’ habe ich lesen müssen, als der tragische Suizid eines Minderjährigen wie folgt kommentiert wurde: ,Schade, dass es nicht die Merkel war’“, ärgert sich der Wehrleiter über die verrohende Gesellschaft. An solchen Kommentaren könne man erkennen, dass dieses Ehrenamt als Selbstverständlichkeit abgetan wird.

Immer weniger Menschen sind bereit, sich den Helm aufzusetzen. Quelle: Christine Jacob

Die Bereitschaft der Leute, selbst aktiv zu werden ist immer geringer. Die Feuerwehr Delitzsch steuert dagegen, etwa mit Doppelmitgliedschaften von Kameraden anderer Wehren, die in Delitzsch arbeiten. „Als Wehrleitung sind wir ständig auf der Suche nach neuen Kameraden. Wird bekannt, dass es einen Zuzug von einem Feuerwehrkameraden gab, wird dieser angesprochen, vielleicht kann künftig schon bei der Ummeldung im Einwohnermeldeamt nach ehrenamtlichen Tätigkeiten gefragt werden“, appelliert Pradel.

Zu 329 Einsätzen wurde die Feuerwehr Delitzsch im Jahr 2017 alarmiert. In den folgenden Bildern lassen wir ein paar davon und Übungen Revue passieren.

Der Blick in die Zukunft fällt zunehmend düster aus. „Mit aktuell 50 aktiven Kameradinnen und Kameraden können wir die Einsatzbereitschaft zu jeder Tageszeit sicherstellen – theoretisch“, sagt der Feuerwehrchef, „an dieser Stelle müssen wir aufhören uns die Situation der Einsatzbereitschaft schönzureden. Nein, auch wir haben zunehmend Probleme, die laut Alarm- und Ausrückeordnung notwendigen Fahrzeuge tagsüber zu besetzen.“ Nur etwa ein Drittel der aktiven Kameraden arbeitet in Delitzsch und ist tagsüber überhaupt verfügbar für Einsätze. „Umso unverständlicher ist es für mich, dass es immer wieder Diskussionen gibt, wenn es um die gesetzlich verpflichtende Freistellung zu Einsätzen geht“, kritisiert Andreas Pradel die Arbeitgeber. Die Delitzscher Wehrleitung arbeitet nun auch an diesem Problem – zum Wohle aller.

Von Christine Jacob

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