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Flüchtlinge packen in Rackwitz mit an

Flüchtlinge packen in Rackwitz mit an

Wenn es um die Integration von Asylsuchenden geht, bleibt die Gemeinde Rackwitz am Ball. Im Wortsinn. Wo vor Ort der Ball rollt oder fliegt, sind seit wenigen Wochen zunehmend Eritreer, Somalier und Syrer zugegen.

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Asylsuchende in Rackwitz richten fürs TSV-Fest den Beachplatz wieder her. Beim Jubiläumsturnier soll es wenigstens eine afrikanische Mannschaft geben.

Quelle: Wolfgang Sens

Rackwitz. Sportvereine wie der TSV Rackwitz und die SG Podelwitz haben sie zum regelmäßigen Training eingeladen. Auch die Kirchgemeinde Podelwitz-Wiederitzsch und der kommunale Betriebshof unterbreiten Angebote. Bei der Kommune geht es um einfache Verschönerungsarbeiten auf öffentlichen Flächen - ab Mai jeden Dienstag und Donnerstag.

Das gelebte Miteinander ist das erste Ergebnis der Willkommensveranstaltung im März. Wie berichtet, trafen sich damals Migranten, Vereinsleute sowie Vertreter verschiedener Behörden zum formlosen Kennenlernen. Hemmschwellen abbauen, auf beiden Seiten, darum ging es. Das Treffen fand wieder in einer Turnhalle statt, so wie im August 2013, als mehrere Hundert Bürger Informationen zu der damals in Rede stehenden Gemeinschaftsunterkunft im Ex-Lehrlingswohnheim einforderten. Rackwitz war daraufhin überregional in negativen Schlagzeilen - zahlreiche Einwohner wehrten sich gegen den Rassismusverdacht von außen. Und tun bis heute einiges dafür, das Bild geradezurücken.

Olaf Uhlmann ist einer dieser Engagierten. Der Tischlermeister ist leidenschaftlicher Volleyballer und Teamchef bei der SG Podelwitz. Dreimal wöchentlich nimmt er sich abends Zeit, um Asylsuchende zu trainieren. Mit großer Resonanz: "Es kommen in der Regel um die 20 Leute, um mitzuspielen", so der 47-Jährige. "Man sieht schon sportliche Fortschritte." Trainiert wird auf dem Gelände des TSV vis-à-vis zum Bahnhof, nicht weit weg vom Wohnprojekt, wo 40 Migranten in Hotel-Apartments leben.

Um die 20 Mitstreiter waren auch vor wenigen Tagen dabei, als es um die Herrichtung des TSV-Beachplatzes ging. Das Areal - ein bisschen zugewachsen - wurde von Unkraut befreit und mit neuem Sand versehen. Das Material stellte die Gemeindeverwaltung. Der Einsatz diente den Jubiläumsvorbereitungen beim TSV: Der Verein feiert am letzten Juni-Wochenende seinen 65., plant Turniere. Gut möglich, dass afrikanische Mannschaften den Festtag bereichern. Beim TSV trainieren seit Kurzem die Fußballbegeisterten unter den Migranten.

Der Einbezug von Geflüchteten in den gesellschaftlichen Alltag gewinnt in Rackwitz zunehmend Struktur. Nicht ohne Diskussionen freilich. Der Umgang mit immer neuen Zugereisten erzeugt kritische Fragen, Skepsis, nicht alles gelingt reibungslos. Auch Grenzen des multikulturellen Miteinanders werden deutlich - spätestens, seit sich für den Ortsteil Zschortau weitere 50 bis 60 Migranten ankündigen. "Die Politik sollte diese Grenzen zur Kenntnis nehmen", betont Olaf Uhlmann, zugleich Gemeinderatsmitglied. "Im Moment lässt sich die Situation in der Gemeinde gut vermitteln und ehrenamtlich gestalten. Eine mögliche Wiederbelebung des Lehrlingswohnheims mit 120 Flüchtlingen würde nicht funktionieren."

Wie aufwendig die Integration ist, zeigt die Gründung der Netzwerkgruppe Asyl, die im Mai erstmals zusammenkommt. Eine eigens geschaffene Plattform, um das Handeln der diversen Akteure abzustimmen. Monatlich treffen sich künftig Quartiersmanager, Flüchtlingssozialarbeiter, Sportvereinsleute, Kirchenvertreter und Verwaltung. Unter anderem geht es ums Einwerben von Spenden. Denn die scheinbare Unbeschwertheit, mit der sich Somalier und Eritreer über den Sportplatz bewegen, trügt. So mancher muss mangels passender Schuhe noch barfuß trainieren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.04.2015

Kay Würker

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