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Flüchtlingsproblem schlägt in Zschortau hohe Wellen

Flüchtlingsproblem schlägt in Zschortau hohe Wellen

Zwei große Themen beschäftigt derzeit die Menschen im Rackwitzer Ortsteil Zschortau: Das Interimsquartier für die Schüler und Lehrer, weil die Grundschule ab Juli umfassend saniert und erweitert wird, und die Unterbringung von 54 Flüchtlingen.

Zschortau. Nachdem die Pläne, beide Einrichtungen nur wenige Meter voneinander entfernt im ehemaligen Rittergut unterzubringen, in den Medien die Runde machten, sind im Ort die Diskussionen heiß entfacht. Das spiegelte sich auch in der Informationsveranstaltung am Donnerstagabend in der Zschortauer Sporthalle wider, zu der der Rackwitzer Bürgermeister Manfred Freigang (UWR) eingeladen hatte. In dieser wollten er und Vertreter des Landratsamts über die beabsichtigte Unterbringung von Asylsuchenden im Rittergut informieren und Fragen der Bürger beantworten.

Eine Atmosphäre, die von blanker Ablehnung, Unsicherheit, Angst und dem Gefühl, mit den Sorgen alleingelassen und vom Entscheidungsprozess ausgeschlossen zu sein, geschwängert war, ließ kaum einen sachlichen Dialog zu. Schon die Anmoderation schaffte Pfarrer Daniel Senf nicht, ohne von lauten Zwischenrufen unterbrochen zu werden. Ähnlich erging es Landratsamts-Dezernentin Angelika Stoye, als sie die Pläne für das Rittergut vorstellte. Demnach sollen zwei separate, voneinander getrennte Bereiche entstehen. Im ehemaligen Herrenhaus wird die Grundschule ihr Ausweichquartier finden und das ehemalige Internatsgebäude des Bildungszentrums der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit wird zur Wohnanlage für ausgewählte Flüchtlinge, die bereits auf verschiedene Weise integriert sind. "Es wird keine Gemeinschaftsunterkunft wie in Spröda", so die Dezernentin. Noch seien einige Umbauten nötig, sodass am Ende 54 Plätze für asylsuchende, alleinreisende Männer geschaffen würden. Das DRK in Delitzsch wird das Projekt mit sieben Mitarbeitern und einem Sozialpädagogen betreiben und betreuen.

Weil so viele, ausschließlich männliche Flüchtlinge in Zschortau untergebracht werden sollen, schürte vor allem Ängste. Viele sehen Gefahren auf sich zukommen. "Die Relation stimmt nicht", sagte ein Besucher. Und wie soll ein rund 1600 Einwohner zählendes Dorf 54 alleinstehende Männer integrieren? Das war eine von vielen Fragen, die an diesem Abend offen blieben. Andererseits ließ die aufgeheizte Atmosphäre diesbezügliche Erfahrungsberichte aus Rackwitz nicht zu.

Sie sei geschockt und schäme sich für die Fremdenfeindlichkeit im Raum, meldete sich eine Mutter von drei Kinder nach langem Zögern zu Wort. Sie fand es unerträglich, dass man Menschen, die man gar nicht kennt, vorverurteilt und als kriminell und faul diskriminiert. "Wenn wir sie so empfangen, machen wir es nicht besser. Lasst uns lieber ein Konzept erarbeiten, wie wir auf die Flüchtlinge zugehen wollen", argumentierte sie. Gemeinderat Klaus Mehlhose (parteilos) resümierte: "Ich bin traurig, dass einige Zschortauer kein gutes Gesicht gezeigt und das einige Ortsfremde das Podium zu rechter Polemik missbraucht haben." © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.05.2015
Thomas Steingen

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