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Flut-Opfer unter Zeitdruck

Flut-Opfer unter Zeitdruck

In den vom Juni-Hochwasser betroffenen Ortschaften entlang der Mulde stehen die Einwohner unter Zeitdruck: Der Winter und damit die kalte Jahreszeit naht. Viele Häuser, die unter Wasser standen, mussten beziehungsweise müssen immer noch getrocknet werden.

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Nach dem Hochwasser muss alles raus, nicht nur in Gruna.

Kreisgebiet. Bis dahin konnten und können keine neuen Heizungen eingebaut werden. Zudem herrscht bei den Firmen Hochbetrieb.

Wer dieser Tage durch das 200-Seelen-Dorf Gruna in der Gemeinde Laußig fährt, sieht nicht selten Kleintransporter von Heizungs- und Sanitärfirmen in den Einfahrten stehen. Wer die Handwerker im Haus hat, ist froh. Denn für viele Hochwasseropfer ist es jetzt oberste Priorität, bis zum Beginn der Frostperiode ein warmes Haus zu haben. "Wir haben erheblichen Bedarf an Leistungen im Sanitär- und Heizungsbaubereich", sagt Laußigs Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos). Die Firmen steckten "bis zum Kopf in Arbeit". Oftmals könnten Aufträge nicht sofort ausgeführt werden. "Ich höre da schon Klagen", so der Gemeindechef. "Die wollen schließlich alle rechtzeitig vor dem Winter warme Stuben haben." In Gruna haben etwa 85 Prozent der Einwohner eine Gasheizung. Der übrige Teil heizt mit Elektroenergie. Lediglich zwei Grundstücke nutzen noch Öl. Die würden jetzt umgerüstet. Der Großteil hat auf diesen Energieträger bereits nach der Flut 2002 verzichtet. Bei den meisten sind die Heizungen erneut zerstört worden. Die Einwohner versuchen jetzt so zu bauen, dass bei künftigen Hochwassersituationen der Schaden begrenzt wird. Dafür würden auch verbesserte Baustoffe eingesetzt.

Auf den ersten Blick sieht es in Glaucha, dem in der Gemeinde Zschepplin ebenfalls fast komplett betroffenen Flutdorf, wieder recht aufgeräumt aus. "Doch hinter den Türen leben viele noch in Provisorien", weiß Thomas Hartmann von der örtlichen Bürgerinitiative, die bekanntlich vehement für einen besseren Hochwasserschutz kämpft. Es gäbe auch einzelne Härtefälle, darunter zwei Familien, die wahrscheinlich ihr Haus abreißen müssen. Viele könnten ihre Wohnungen zwar wieder heizen und hätten wenigstens eine trockene Baustelle. "Aber es gibt auch Personen, die immer noch woanders leben." In Zschepplin, war von Ortsvorsteher Ullrich Pertzsch zu erfahren, seien die sechs betroffenen Grundstücke mit Heizungen versorgt, auch wenn hier zum Teil noch getrocknet werde. Ähnlich die Situation in Hohenprießnitz, wo etwa zehn Häuser betroffen waren und eine Frau darum ringt, so Ortsvorsteher Erhard Naumann, dass sie das Geld für den Abriss aufbringt, um weiter oben bauen zu können.

Im Jesewitzer Ortsteil Kossen - hier waren zwölf Gebäude betroffen - ist zu sehen, dass auch dort ein Haus abgerissen wurde und die Fläche für den Neubau planiert wird. Der Kalksandsteinbau war nach seiner zweiten Jahrhundertflut irreparabel geschädigt. Der Gemeinderat hatte in seiner vorigen Sitzung über den Bauantrag positiv entschieden. Der Sache sollte in den Entscheidungen Priorität eingeräumt werden, informierte Bürgermeister Ralf Tauchnitz (WV). Der Eigentümer wolle - trotz des dieser Tage fertig werdenden Flügeldeichs - höher und ohne Keller bauen. Ansonsten sind die Häuser nutzbar, so eine Anwohnerin vor Ort. Ein Nachbar mit gesundheitlichen Problemen allerdings warte die Entscheidungen über Fördermittel im Pflegeheim ab. "Die Versicherungen haben jetzt alle gezahlt, aber nun warten alle auf das Geld von der Sächsischen Aufbaubank." Da mussten auch für die Schäden unter 20 000 Euro am Ende noch Gutachten eingereicht werden. Da komme der Fachmann kurz vorbei, guckt sich die neue Heizung an, und stellt dann eine Rechnung in Höhe von 350 Euro. "Das wird zwar bei der Förderung angerechnet, aber 20 Prozent hat man auch in diesem Fall - wie von allem anderen - selbst zu zahlen", erklärt die Seniorin achselzuckend.

In der Gemeinde Löbnitz läuft das Leben nach dem Hochwasser ebenfalls wieder in halbwegs geordneten Bahnen, der Wiederaufbau ist im vollen Gange, örtliche Firmen sind gefragt. "Viele Bürger sind aus ihren Behelfsquartieren raus, stehen kurz vor dem Wiedereinzug in ihre Häuser oder sind schon dort", berichtet Bürgermeister Axel Wohlschläger (CDU). Allerdings seien ihm auch noch einige Fälle bekannt, wo es "noch lange nicht" weit genug für den Wiedereinzug sei. "Die Feuchtigkeit im Mauerwerk ist bei manchen noch zu hoch", sagt Wohlschläger, "aber die meisten haben das Ziel, bis zum Jahresende oder Weihnachten wieder zu Hause zu sein." Doch auch die Löbnitzer, die jetzt schon wieder in den eigenen vier Wänden leben können, tun dies unter spartanischen Bedingungen. Das Leben nach dem Hochwasser ist und bleibt dann ein Leben auf der Baustelle.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.10.2013
nf/kr/lis/cj

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