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Förster in Nordsachsen schwören auf die Winterlinde – Baum des Jahres 2016

Natur & Umwelt Förster in Nordsachsen schwören auf die Winterlinde – Baum des Jahres 2016

Sie ist der Baum des Jahres 2016 – die Winterlinde. Und sie findet auch in Nordsachsen ihre Plätze. Mit Förster Jan Schmidt, der ein Revier in Pressel in der Dübener Heide betreut, waren wir auf Streifzug. Dabei gab Schmidt Wissenswertes über den Baum des Jahres preis.

Regelmäßig kontrolliert Revierförster Jan Schmidt den Winterlindenbestand in seinem Revier Wartha bei Pressel. Rund vier Hektar Fläche sind dort mit dieser Baumart bepflanzt.

Quelle: Steffen Brost

Pressel. Die Winterlinde ist der Baum des Jahres. Kaum ein anderer ist in deutschen Straßen und Parks so oft anzutreffen wie diese Baumart. Denn sie ist relativ anspruchslos, was ihren Lebensraum betrifft. „Linden haben besonders gutes Holz. Deswegen wollen wir unsere Reviere mit dieser Baumart gut bestücken. In Spröda bei Delitzsch wurde deswegen auf rund vier Hektar Fläche ein sogenannter Saatgutbestand angepflanzt. In unseren Wäldern sind zudem überall vereinzelte Winterlinden anzutreffen“, sagt Jan Schmidt, Leiter des Forstreviers Wartha bei Pressel.

Dabei ist Linde aber nicht gleich Linde. Als Straßen- und Stadtbäume werden neben den beiden heimischen Arten Sommer- und Winterlinde auch sogenannte Holländische Linden angepflanzt, das sind Kreuzungen aus Sommer- und Winterlinde. Ebenfalls weit verbreitet ist die Krimlinde, eine Kreuzung aus Winterlinde und Kaukasischer Linde. Die Winterlinde, die bis zu 25 Meter hoch wird und ein Alter von 1000 Jahren erreichen kann, blüht etwas später als ihre Schwester, die Sommerlinde, die bereits 1991 zum Baum des Jahres gekürt wurde.

Baumart, die spät blüht

„Wir wollen die Winterlinde überall dort anbauen, wo es Sinn macht. Denn diese Baumart ist eine sogenannte dienende Baumart. Mit der Winterlinde werden Eschen und Eichen sozusagen ummantelt, damit beide Sorten gut gedeihen können“, erzählt Schmidt. Die Linde sorge dafür, dass bei Eschen und Eichen keine sogenannten Wasserreißer, das bedeutet Astbildung, im Stammbereich ausbricht. „Als Folge gibt es hochwertiges Stammholz zur Verarbeitung in der Holzindustrie.“

Doch die Winterlinde ist unter ihres gleichen nur schwer auszumachen. Zur Unterscheidung lohnt sich ein Blick auf die Blattunterseiten. Diese sind bei der Winterlinde kahl und mit einigen rotbraunen Härchenbüscheln versehen. Bei der Sommerlinde sind sie dagegen weiß. Die Blüten der Winterlinde erscheinen erst ab Ende Juni und damit fast zwei Wochen später als die der Sommerlinde. Sie blüht am spätesten von allen heimischen Baumarten.

„In unseren Beständen haben wir derzeit rund zehn Hektar Linden. Diese sollen mit helfen, eine neue Waldgeneration zu bilden“, blickt Schmidt optimistisch in die Zukunft. Gekürt wird der Baum des Jahres von der gleichnamigen Stiftung, in dessen Kuratorium auch der Naturschutzbund vertreten ist.

Winterlinde als Apotheke

Seit vielen Jahrhunderten dient die Winterlinde dem Menschen auch als Apotheke: Lindenblüten werden als Tee und Arzneimittel zum Beispiel bei Erkältungskrankheiten verwendet. Außerdem sind die Blüten wichtige Nahrungsquellen für Bienen, entsprechend beliebt ist der süße Lindenblütenhonig. Der kulinarische Einfluss geht sogar noch weiter. „Zur Linde“ sei der häufigste Gasthausname in Deutschland. Dorflinden, Gerichtslinden, Kirchlinden, Tanzlinden und Hoflinden ebenso wie Sagen und Ortsnamen zeugten von einer jahrhundertelangen Bedeutung.

Der Titel „Baum des Jahres“ wird übrigens seit 1989 an einheimische Bäume vergeben. Ziel ist es, das Wissen über Bäume zu vertiefen und auf seltene oder bedrohte Baumarten hinzuweisen.

Von Steffen Brost

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