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Forschungsprojekt Energieeffiziente Stadt droht das Aus

Stadtverwaltung Forschungsprojekt Energieeffiziente Stadt droht das Aus

Gut vier Monate vor dem Auslaufen des millionenschweren Forschungsprogramms „Energieeffiziente Stadt Delitzsch“ ist noch unklar, wie es weitergeht. Die Bewerbungen um ein Anschlussprojekt liefen bisher offenbar ins Leere. Nach gegenwärtigem Stand der Dinge ist Ende Mai Schluss. Es steht einiges auf dem Spiel.

Delitzsch zählte im Vorjahr 2281 Sonnenstunden, ist damit eine der solarenergiereichsten Städte Deutschlands.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Gut vier Monate vor dem Auslaufen des millionenschweren Forschungsprogramms „Energieeffiziente Stadt Delitzsch“ ist noch unklar, wie es weitergeht. Die Bewerbungen um ein Anschlussprojekt liefen bisher offenbar ins Leere. Nach gegenwärtigem Stand der Dinge ist Ende Mai Schluss. Auf dem Spiel steht die intensive Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und Wissenschaftlern der Universität Leipzig sowie das Energieeffizienzmanagement von Tillman Bruns.

Immerhin: Die Stadt steht nicht mit leeren Händen da. Rund fünf Jahre, nachdem Delitzsch im Zuge eines Wettbewerbs des Bundesforschungsministeriums als eine von fünf deutschen Modellkommunen ausgewählt wurde, liegen nennenswerte Ergebnisse vor. In Kooperation mit der Forschungsstelle Kommunale Energiewirtschaft der Uni sowie weiteren Partnern machten sich die Delitzscher vor allem Gedanken um passgenaue Gebäudesanierungen. Dabei entstand ein Masterplan, der recht detailgenau den Zustand kommunaler und privater Immobilien im Stadtgebiet analysiert. Die Erkenntnisse wurden in Zusammenhang gestellt – mit Fördermöglichkeiten, Einsparpotenzialen und der mutmaßlichen Bereitschaft bestimmter Bevölkerungsgruppen, in moderne Dämmungen, Fenster oder Heizungen zu investieren. Der Masterplan selbst ist aus Datenschutzgründen nicht öffentlich, bei Nachbarschaftstreffs und in der Beratungsstelle in der Beerendorfer Straße wurden Infos jedoch individuell weitergegeben. Zudem profitierte die Stadtverwaltung bei eigenen Bauvorhaben.

Erfolge, an die Stadt und Uni nun anknüpfen wollen. Im Herbst ging ein Antrag auf Verlängerung in die Post. „Wir möchten in einem Anschlussprojekt unsere Erkenntnisse aus anderer Perspektive weiter vertiefen“, erklärt Mart Verhoog, Leiter der Uni-Forschungsstelle. Im Fokus stehe die Wärme, nachdem sich die bundesweite Energiewende bislang vor allem um Strom gedreht hat. Gerade in sonnigen Mittagsstunden, in denen der Strompreis wegen massiver Einspeisungen derart abfalle, dass Elektrizität quasi verschenkt werde, komme eine Umwandlung in Wärme in Betracht. Der Anschlussantrag, den auch die Stadtwerke unterzeichneten, nimmt darauf Bezug.

Die Antwort des Ministeriums, zunächst nur telefonisch, war abschlägig. Eine schriftliche Ablehnung allerdings liegt aktuell nicht vor. Bundesministerium, Stadt und Uni befinden sich weiter im Gespräch, heißt es. Ausgelotet werden dabei auch alternative Fördermöglichkeiten im Bereich Energieeffizienz. Bereits im Frühjahr vergangenen Jahres bewarb sich Delitzsch im Wettbewerb „Zukunftsstadt“ des Bundesforschungsministeriums. Es ging um innovative Ideen zur nachhaltigen Stadtentwicklung (wir berichteten). Schon da waren die Hoffnungen auf eine passende Fortsetzung des Forschungsmodells groß, sollten auch Kreiswerke und Wohnungsgesellschaft ins Boot geholt werden. Doch die Zusage blieb aus.

Nach gegenwärtigem Stand der Dinge gehen am 31. Mai in der Beerendorfer Straße 1 die Lichter aus – dort, wo Energieeffizienzmanager Tillman Bruns derzeit noch Einstiegsberatungen für Bau- und Modernisierungswillige anbietet. Seine Personalstelle samt Büro sind zu 100 Prozent über das Forschungsprogramm finanziert. „Es wäre schade, wenn damit etwas ausläuft, was gerade so richtig ins Rollen gekommen ist“, sagt Bruns, „ Aber der Schlussstrich ist noch nicht gezogen.“

Von Kay Würker

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