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Frau zeigt Noch-Ehemann wegen Körperverletzung an: Prozess in Eilenburg

Justiz Frau zeigt Noch-Ehemann wegen Körperverletzung an: Prozess in Eilenburg

Es war nicht die erste Eskalation zwischen den getrennt lebenden Eltern. Im Strafprozess vor dem Eilenburger Amtsgericht wurde klar, dass eine Seite nicht die Wahrheit über jene Ereignisse sagte, die zur Anklage wegen Körperverletzung führten.

Öffentliche Verhandlung.

Quelle: dpa

Eilenburg/Krostitz. Das ging dem Leipziger Oberstaatsanwalt Gerald Weigel dann doch wirklich zu weit und er sprach aus, was er dachte: „Sie hauen uns hier die Hucke voll. Einer von Ihnen schwindelt uns dreist an“, sagte der Mann, der die Anklage im Eilenburger Amtsgericht vertrat. Und er fügte hinzu: „Sie wollen von uns hier und heute eine weise Entscheidung. Das geht so aber nicht!“

Einspruch gegen Strafbefehl

Einem 57-jährigen Mann aus dem Großraum Krostitz wurde vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen. Er soll seine von ihm getrennt lebende Noch-Ehefrau gewürgt und geschlagen haben. Zunächst war ein Strafbefehl erlassen worden. Gegen den ging der Angeklagte aber in Einspruch, daraufhin wurde eine Hauptverhandlung angesetzt. Bei der ließ sich der Angeklagte dann von einem Rechtsanwalt vertreten. Zunächst äußerte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen.

Handgreiflichkeiten

Das Gericht hörte sich die Ausführungen der Geschädigten an, die als Zeugin aussagte. Ihrer Darstellung nach sei es an einem Freitagnachmittag zu einer Konfrontation mit ihren Ex-Mann auf dessen Grundstück gekommen, weil der 57-Jährige den gemeinsamen Sohn unberechtigt vom Hort abgeholt haben soll. Es kam zu Handgreiflichkeiten zwischen den beiden Erwachsenen. Weil der Mann ihr zu nahe kam, habe sie ihn reflexartig mit beiden Armen weggestoßen. Daraufhin sei es zum Würgen am Hals und zu Schlägen im Brustbereich und im Unterleib gekommen. Nach Darstellung der Frau sei das nicht der erste Vorfall dieser Art gewesen.

Angeklagter redet doch

Als der Angeklagte die Aussage seiner Ex-Frau, mit der er zwei Kinder hat, hörte, entschloss er sich dann doch zu reden. Er berichtete, dass kein Umgangsrecht mit seinen Kindern vereinbart sei, er mit seinem Rechtsanwalt seit gut ein Jahr aber darum kämpfe. Die Noch-Ehefrau erklärte dagegen, es gebe ein sogenanntes Wechselmodell schon.

Den Jungen habe er vom Hort abgeholt, weil sein Rechtsanwalt mit dem Jungen reden wollte. Der Rechtsanwalt vertritt den Angeklagten auch in einer Sorgerechtsangelegenheit. Dass er den Jungen gegen 18 Uhr wieder bei seiner Mutter vorbeibringen würde, hatte er ihr per SMS mitgeteilt. Die Mutter sei dennoch erschien, um den Jungen zu holen. Dabei sei es zum Gerangel gekommen, die Frau habe sich mit Wucht gegen die Eingangstür gedrängt, um Einlass zu erhalten. Dabei sei der Mann und der hinter ihm stehende Junge gestürzt. Obgleich der Junge weinte, habe ihn seine Mutter am Arm aus der Wohnung gezogen. Die Schreie des Kindes seien in der Straße zu hören gewesen, Nachbarn hätten sich umgedreht.

Familiärer Rechtsstreit

Warum die Frau so etwas mache? Der Angeklagte hatte eine Erklärung. Im Sorgerechtsstreit wolle sich die Mutter durch die Anzeigen eine bessere Position verschaffen.

„Für mich ist das hier eigentlich ein familiärer Rechtsstreit“, erklärte Amtsrichterin Carmen Grell und regte eine Einstellung des Verfahrens ohne Auflagen an. Oberstaatsanwalt Weigel stimmte zu und gab dem Angeklagten mit auf den Weg, sich „einfach zurückzunehmen“. Was anderes könne er ihm nicht raten. Die Noch-Eheleute kommunizieren derzeit nur noch über ihre Anwälte.

Von Ditmar Wohlgemuth

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