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Freilaufende Hunde und abseits der Wege: Verbote am Werbeliner See greifen nicht

Naturschutz Freilaufende Hunde und abseits der Wege: Verbote am Werbeliner See greifen nicht

Mit der Sicherstellung von 1260 Hektar Land im Bereich des Werbeliner Sees gelten strengere Regeln für das Betreten des Gebiets, das zum Naturschutzgebiet eingestuft werden soll. Doch ein gelbes Schild mit Eule reicht offenbar nicht aus, um davon die Leute in Kenntnis zu setzen. Stärkere Kontrollen sollen es jetzt richten.

Verboten: abseits der Wege am Ufer des Werbeliner Sees unterwegs.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Delitzsch. Über 1260 Hektar Land am Werbeliner See stehen kurz davor, als Naturschutzgebiet eingestuft zu werden. Ein Vogelschutzgebiet der Europäisches Union ist es bereits seit gut zehn Jahren. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Nordsachsen verschärfte im vergangenen Jahr mit der einstweiligen Sicherstellung die Sanktionsmöglichkeiten gegen jene, die sich nicht an die Verbote, die in einem Naturschutzgebiet gelten, halten. Die LVZ machte eine Stippvisite an den Werbeliner See. Die Momentaufnahme ergab folgendes Bild:

Die 1800 Meter lange Zufahrtsstraße von der B 184 zum Werbeliner See, im Mai 2015 feierlich übergeben, führt ungehindert zu den 169 entstandenen Parkplätzen. Das Gesamtprojekt kostete damals 1,5 Millionen Euro. Genutzt wurden die Stellflächen am Tag der Stippvisite lediglich von einem Caravan. Die Flächen schienen kürzlich gereinigt geworden zu sein, es gab kaum Abfall.

Vom Parkplatz an sich sollte eine Zufahrt zu den Wegen direkt am Werbeliner See nicht möglich sein. Eine Schrankenanlage sollte das eigentlich verhindern. Die gibt es aber nur noch als Relikt. Ein Schrankenbalken wurde abgebrochen. Ein Ergebnis von Zerstörungswut. Auch Hinweis- und Verkehrsschilder weisen Spuren von Vandalismus auf. Regelmäßig patrouillieren deshalb hier Mitarbeiter des Delitzscher Ordnungsamtes, doch sie können nur registrieren, was passiert ist. Die Stadt Delitzsch wollte die Schranke instandsetzen.

Geht man weiter, trifft man direkt auf dem Rundweg einen überdachten Picknickplatz und sieht sofort das knallgelbe Schild mit der Eule und dem Wort „Naturschutzgebiet“. Erläuterungen zum Eulenzeichen fehlen, stattdessen macht die LMBV auf die Nutzung der Bergbaufolgelandschaft aufmerksam. „Wir werden die unkorrekten Hinweise auf den LMBV-Tafeln in Kürze korrigieren“, kündigte Umweltdezernent Ulrich Fiedler an. Nicht gestattet ist zum Beispiel die Wege zu verlassen. Doch genau das tut dann ein Pärchen – Mann und Frau mit Hund. Der Hund läuft frei, obwohl er angeleint sein müsste. Vögel scheucht er diesmal nicht auf. Die sind zumeist auf der anderen Seite des Sees oder auf dem Wasser. Tiere zu fangen oder gar zu töten, ist verboten. Schon sie zu beunruhigen, ist bereits ein Verstoß. Das Landrastsamt will Ranger für die Kontrollen im Gebiet einstellen. „Derzeit prüfen wir die Finanzierung“, teilte Fiedler mit. Er habe im Übrigen die Erfahrung gemacht, dass „die Leute viel Verständnis zeigen“, wenn ihnen erläutert werde, warum dies und jenes nicht tun dürften. Sie reagierten in der Regel vernünftig und verlassen den Platz. Was an diesem Tag nicht zu beobachten ist, sind Angler am Ufer. „Für 500 Angler, zumeist Ortsansässige, gibt es eine extra erteilte und eingetragene Genehmigung“, erklärte Friedrich Richter, Geschäftsführer des Angelverbandes Leipzig. Die Petrijünger dürften mit zeitlichen und räumlichen Einschränkungen den Fischen nachstellen. Vor allem der Nordbereich, ausschließlich des Bordauer Zinkens, könne uneingeschränkt genutzt werden. „Für das gesamte Ostufer ist Angeln nur in der Zeit vom 1. August bis 28. Februar und auch nur mit Sondergenehmigung möglich“, erklärte der Geschäftsführer. Er sei schon froh, wenigstens diese Regelung erreicht zu haben. Der See sei den Anglern von der LMBV zur Bewirtschaftung übertragen worden. „Aber wir werden darin schon arg beschnitten“, betonte Richter.

Im gesamten See ist das Befahren mit einem Boot verboten. Dass die Angler mit dem Pkw bis ans Ufer fahren würden, könne er sich nicht vorstellen. „Das geht auch nicht.“ Lediglich zu Fuß und mit Ausrüstung dürften sie die Uferzone betreten. Kontrollen hätten aber ergeben, dass dies eben nicht alle Angler so tun. Friedrich Richter findet es vor allem traurig, dass jene Menschen, die einst vom Braunkohleabbau beeinträchtigt waren, jetzt nicht den See so nutzen könnten, wie es eigentlich wünschenswert wäre.

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Von Ditmar Wohlgemuth

Delitzsch 51.525574 12.3380993
Delitzsch
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