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Delitzsch Frischfisch, geeist
Region Delitzsch Frischfisch, geeist
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16:34 28.10.2012
Dick einpacken: Fürs Abfischen bei eisigen Temperaturen muss man(n) knallhart sein. Quelle: Julia Wick
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Lindenhayn

Dort fand wie jedes Jahr am letzten Oktoberwochenende das Abfischen statt: Dick in die Wind- und Regenjacke und die winterfesten Schuhe eingemummelt stehen Vanessa Eckert, Mutter Yvonne Eckert, Vater Jan Negraßus sowie Opa Norbert Eckert am Ufer und schauen auf den See an der B2. In der Mitte ein Boot, rechts und links davon etliche Männer, die durch den Schlamm des abgelassenen Teiches waten und das große Netz in ihren Händen Stück für Stück näher an das Ufer und die Schleuse ziehen. Eine im teilweise leicht zugefrorenen Teichwasser mühsame Arbeit, die Fingerspitzengefühl abverlangt.

Lindenhayn. Eisige Temperaturen, der erste Schneefall und immer wieder kalte Windstöße – perfektes Wetter um sich Zuhause in eine warme Decke zu hüllen und einen warmen Tee am Kamin zu trinken? Von wegen! Getreu dem Motto, dass es kein schlechtes Wetter, sondern lediglich schlechte Kleidung gibt, tingelten Hunderte Schaulustige und Fischliebhaber am vergangenen Wochenende schon in den frühen Morgenstunden zum Schadebachteich bei Lindenhayn.

Es ist 8.30 Uhr und noch ziemlich dunkel, das Thermometer zeigt zwei Grad und dennoch, so finden die Eckerts, haben sie alles richtig gemacht: „Also, wenn man schon zum Abfischen fährt, muss man doch auch das morgendliche Prozedere erleben. Jetzt können wir wenigstens zukünftig immer mitreden.“ Denn nun seien sie ja einmal live dabei, wenn Hunderte von Fischen, darunter pizzatellergroße Karpfen, im Auffangbecken landen, nach Art und Größe sortiert und anschließend für den Frischfisch-Verkauf fertiggestellt werden.

Doch während sich Dutzende Feinschmecker in einer langen Schlange beim Verkauf anstellen, gönnen sich die vier Delitzscher erst einmal ein Heißgetränk bei Cornelia Wenzel am Stand. Seit über sieben Jahren ist die Löbnitzerin bereits beim Abfischen am Schadebachteich dabei und war noch nie so froh, den Posten am Glühwein-Stand besetzen zu können. „Der Pott ist heute mein Handwärmer“, lacht die 35-Jährige, der letztlich gar nicht viel Zeit zum Wärmen blieb, da der Wintereinbruch ihr und dem Stand Hochkonjunktur beschert. „Ist doch schön, dass die Leute sich vom Wetter nicht stören lassen, viele haben den Termin ja auch schon monatelang im Kalender stehen.“

Genau wie Familie Eckert/Nagraßus, die sich später noch frischen Fisch holt, diesen aber auf keinen Fall schon am selben Tag zum Mittag will: „Der würde doch dann noch schlammig schmecken. Der muss erst einmal zwei Tage in frischem Wasser in der Badewanne schwimmen.“ „Alles Quatsch“, sagen Norman Rolfes und Siglinde Wohlschläger. Mit ihrem Live-Kochen, neudeutsch „Front-Cooking“ genannt, wollen sie die Besucher des Abfischens vom Gegenteil überzeugen. „Wichtig ist allein, dass die Kiemen gut entfernt werden, da die nämlich diesen leicht modrigen Geschmack mit sich bringen“, erklären die Köche. Zudem kann Fisch, vor allem Karpfen, weitaus vielfältiger zubereitet werden als nur als „Karpfen blau“. Deshalb hatten die Gäste die Möglichkeit unter anderem in den Genuss von Karpfengulasch oder Fischsuppe zu kommen. Letztere muss freilich schön heiß sein, unter anderem auch, damit sie dem Koch selber, der kurzärmlich zu Werke ging, wärmt. „Das ist wirklich das erste Mal seit ich denken kann, dass es beim Abfischen schneit, verrückt“, schüttelt Rolfes lachend den Kopf.

Auch Hubert Hentsch hat ein solches Wetter in den mittlerweile 21 Jahren, die er mit seiner Fischerei das Abfischen veranstaltet, noch nicht erlebt. Zwar waren der Fischermeister und seine Frau Christiane froh, trotzdem auf den Einsatz der helfenden Männer und den Besuch der treuen Gäste zählen zu können, doch vergleichbar seien die Besucherzahlen mit denen der vergangenen Jahre nicht.

Julia Wick

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