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Delitzsch Frühe Besiedlung mit Feuersteinen bewiesen
Region Delitzsch Frühe Besiedlung mit Feuersteinen bewiesen
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00:18 24.10.2016
Archäologe Thomas Westphalen zeigt an der Tafel die damalige Grabungsstätte, rechts Nordsachsens Umweltdezernent Ulrich Fiedler. Quelle: Foto: Ditmar Wohlgemuth
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Zwochau

Am Grabschützer See befindet sich eine der ältesten Siedlungsplätze in ganz Sachsen. Bereits vor 280 000 Jahren muss sich der Neanderthaler in der damals hier vorhandenen lockeren Waldlandschaft niedergelassen haben. Diese und viele andere archäologische Erkenntnisse sind jetzt auf einer Informationstafel zusammengefasst worden. Sie steht seit dieser Woche am Naturlehrpfad am Grabschützer See. Damit werden Besuchern neben den Informationen über Flora und Fauna auch Fakten über die Besiedlung in allgemein verständlicher Form präsentiert. Entwickelt und finanziert wurde die Info-Tafel in enger Zusammenarbeit der Sächsischen Stiftung Natur und Umwelt (Lanu) mit dem Naturschutzfonds und dem Landesamt für Archäologie.

Die Sächsische Stiftung hatte das Areal des Ex-Tagebaues nördlich von Zwochau mit einer Größe von etwa 400 Hektar im Jahr 2002 erworben. Das einstige Dorf Grabschütz, eine von acht Ortschaften im Altkreis Delitzsch, die dem Kohleabbau zum Opfer fielen, gibt dem jetzigen See seinen Namen. Um ihn herum führt ein befestigter Weg mit einer Gesamtlänge von sieben Kilometern. 17 Stationen wurden entlang des Lehrpfades errichtet. An der Station 15 mit dem Thema Grabschütz vor 23 Millionen Jahren ist jetzt die neue Tafel zusätzlich aufgestellt worden. „Die Idee entstand bereits vor geraumer Zeit“, erklärte Stiftungsdirektor Bernd Dietmar Kammerschen. Im Januar 2014 habe er sich mit Thomas Westphalen vom Landesamt für Archäologie am Platz einer ehemaligen Grabungsstätte im Ex-Tagebaugebiet getroffen. Westphalen berichtete ihm unter anderem von den Fundstücken aus den Jahren 1986, die eine sehr zeitige Besiedlung belegen. „Diese Informationen wollten wir der Öffentlichkeit nicht vorenthalten“, sagte Kammerschen. Umweltdezernent Ulrich Fiedler begrüßte die Tafel-Aktion ausdrücklich und konnte sich auch an die damaligen Grabungsarbeiten erinnern. „Die jetzigen Informationen ergänzen den Naturlehrpfad auf besondere Weise.“

Thomas Westphalen beschrieb nochmals die damaligen Funde, mit denen die Plätze der Siedlung eindeutig charakterisiert werden können. Exemplarisch hatte er auch zwei Feuersteine mitgebracht. Sie zeigten eindeutige Bearbeitungsspuren. „Sie sind bis heute noch sehr scharfkantig. Bearbeitet wurden sie damals, also vor 280 000 Jahren, mit anderen Steinen oder mit Knochen“, sagte er. Gefunden wurden die Feuersteine zehn Meter unter der jetzigen Geländehöhe. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um Abfall, der bei der Bearbeitung entstand. Fest stehe damit auch, dass der Fundort nicht gleichzeitig auch der Lagerplatz der Eiszeitmenschen war. Der sei bislang nicht gefunden worden, hieß es. „Die gesammelten Erkenntnis haben über Sachsen hinaus für Aufsehen gesorgt“, erinnert sich der Archäologe. Knochen der frühen Menschen wurden allerdings nicht gefunden. Die vorhandene Bodenchemie habe eine solange Lagerung nicht möglich gemacht. In dem Zusammenhang erinnerte Westphalen auch an den Fund eines Steinzeitbrunnens im Gebiet des jetzigen Brodauer Ableiters. „Damals war es der dritte überhaupt in Sachsen, jetzt sind wir schon bei 17.“

Die Initiatoren der Info-Tafel äußerten allerdings auch ihre Sorgen. Immer wieder gebe es Schäden durch Vandalismus. Naturschützer Joachim Schruth (Nabu Sachsen) bestätigte dies mit jüngsten Beispielen.

Von Ditmar Wohlgemuth

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