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Für Dorie Timan beginnt ihr Austauschjahr mit einem Schock

Für Dorie Timan beginnt ihr Austauschjahr mit einem Schock

Das Fazit braucht nur drei Worte: "Deutschland ist cool." Das findet jedenfalls die 16-jährige Dorie Timan aus einer 4000 Einwohner zählenden Kleinstadt im US-Bundesstaat Indiana.

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Tilman Pleger, der in Reibitz zu Besuch weilende Austauschschüler Mitchell Slauson, Reiner Hartmann und Ines Pleger (hinten von links) mit Dorie Timan. Sie hält ihren Charlie ins Foto. Ihre Gasteltern zeigen zudem ein von Dorie gemaltes Bild aus ihr Heimat mit dem Michigansee, das sie ihnen zu Weihnachten schenkte.

Quelle: Ilka Fischer

Reibitz. Seit 9. August ist sie im Löbnitzer Ortsteil Reibitz bei der Familie von Ines Pleger und Reiner Hartmann als Austauschschülerin des Rotary Clubs Familienmitglied.

Als sie in Deutschland landete, hatte sie bereits zwei Jahre Deutschunterricht gehabt, "der mir aber nicht wirklich was gebracht hat", so die hübsche zierliche Blondine. Inzwischen klappt die Verständigung ganz gut, auch wenn ihr im Gespräch noch die eine oder andere englische Vokabel durchrutscht. Geholfen hat dabei neben dem leider erst im Dezember möglichen Unterricht im Studienkreis auch der Besuch der Klasse 10/3 im Ehrenberg-Gymnasium, die sie im Übrigen gemeinsam mit ihrem 15-jährigen Gastbruder Tilman Pleger besucht.

"Der erste Schultag war für Dorie allerdings ein Schock", schätzt Gastmama Ines Pleger ein. Der Grund: In einem US-College ist es einfach undenkbar, dass Mädchen mit lackierten Fingernägeln oder in Leggins, geschweige denn in Tops mit Spaghettiträgern und kurzen Höschen in die Schule kommen. Dennoch leuchten Doris Augen noch immer beim Erzählen vom ersten Schultag: "Anna hat mich da im perfekten Englisch gefragt, ob sie mir ihre Schule zeigen kann." Heute nennt sie Anna Anochin ihre beste Freundin. Gemeinsam mit ihr und ihrer Freundin Nina Müller habe sie unter anderem im künstlerischen Profil ein Werbeplakat für eine Brille entworfen. "Ich liebe Kunst", schwärmt Dorie knapp, um im gleichen Atemzug im Brustton der Überzeugung ebenfalls kurz und schmerzlos zu verkünden: "Und ich hasse Mathe." Sie, die am liebsten Grafikdesignerin werden will, schätzt ein, dass der Matheunterricht in Amerika einen niedrigeren Level hat. Verstehen tue sie nicht wirklich was. Physik falle ihr etwas leichter. Doch auch der Chemieunterricht "mit Deutschworten" sei sehr schwierig. Auch dass sie in Deutschland 14 Fächer habe, empfindet sie "als ein bisschen zu viel", umschreibt sie diplomatisch. Dafür lobt sie, die zum ersten Mal in Europa ist, "dass sich hier die Regierung verantwortlicher für die Mitmenschen fühlt". Und Deutschland sei auch kleiner, "man kann schneller von A nach B kommen", hebt sie hervor, obwohl sie damit so ihre eigenen Erfahrungen hat. Denn für sie war es eine echte Herausforderung, allein mit dem Zug zum Rotary-Treffen nach Regensburg zu reisen. "Da bin ich zunächst in Dessau gelandet", kann sie heute darüber schmunzeln.

"Dorie ist viel behüteter als die meisten deutschen Kinder aufgewachsen", so Ines Pleger. Und während ihre Töchter beispielsweise das gemeinsame Stollenbacken schon mit 12 oder 13 Jahren abgewählt haben, hätte Dorie das genossen. Stolz zeigt Dorie auch ihren Kater Charlie, für den sie in Deutschland ihre ersten Euro ausgegeben hat.

Tilman lag jedenfalls in der Vorstellung, dass er mit seiner Gastschwester auf Parties gehen kann, richtig falsch. "Ich mag sie", schiebt er nach. "Doch ihr Lebensstil weicht schon von unserem ab." Dorie, die eine 18-jährige Schwester hat, ging in ihrer Heimat höchstens mal zu einer kleinen HausParty, und zögert auch hier, mal einfach so nach Leipzig zu fahren. Dafür singt sie nicht nur im Schulchor, sondern auch im Löbnitzer Kirchenchor mit. "Und ich habe Heiligabend den Engel gespielt", ist sie stolz. Dennoch habe sie Weihnachten schon ein bisschen Heimweh gehabt, selbst wenn ihr die Weihnachtsmärkte in Bad Düben und Leipzig wie die Oper Hänsel und Gretel im von der Familie zu Weihnachten geschenkten Theater-Outfit gefallen haben. Silvester fuhr sie mit ihren Gasteltern und Mitchell Slouson, ebenfalls amerikanischer Rotary-Austauschschüler, via Weimar zu einer Familienparty nach Frankfurt/Main. Und versprochen ist auch, zu ihrem 17. Geburtstag am 21. Januar, feiert sie mit den Kindern von Reiner in der Moritzbastei. Denn wenigstens eine richtige Party müsse sie einfach in Deutschland mitmachen. Es wird das vorerst letzte gemeinsame Event sein. Denn obwohl es sich weder Dorie noch Plegers wünschen: Der Rotary-Austausch sieht einen Wechsel vor. Und so wird Dorie ab 1. Februar bei einer Markkleeberger Familie wohnen. Und auch wenn Besuche schon fest eingeplant sind, zum Abschied wird Dorie dann noch einmal im unvergleichlichen amerikanischen Slang den Gastpapa umgarnenden Spruch "Oach Reiner" hauchen. Denn auch ihn hat sie lieb gewonnen, selbst wenn er Dorie gleich beim Ostseeurlaub im August mit dem FKK-Baden ungewollt geschockt hat. Das ist zwar nicht vergessen, doch verarbeitet. Denn wie war das doch gleich? "Deutschland ist cool." Und an FKK-Strand oder in die Sauna muss sie ja nicht mit.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.01.2014
Ilka Fischer

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