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Delitzsch Für den Delitzscher Wallgraben wird’s langsam eng
Region Delitzsch Für den Delitzscher Wallgraben wird’s langsam eng
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06:00 09.08.2016
Schau mal, was hier alles wächst: Lucas (6) und sein Vater Ralf Wachsmuth, als Spaziergänger vor Ort, bedauern den Zustand des Wallgrabens. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch

Er ist für Touristen und Einheimische eines der beliebtesten Fotomotive in Delitzsch: der Wallgraben am Rande der Altstadt. Doch die Schönheit leidet zusehends. Das Gewässer, Bestandteil der historischen Wehranlage, wird mehr und mehr von üppiger Flora erobert. Zudem hat sich auf dem Boden eine dicke Schicht organischer Sedimente abgelagert, sinkt nun auch noch der Wasserstand. Die ersehnte Lösung zur Rettung des Grabens war Ende Juli schon zum Greifen nah. Doch erneut gab es einen Rückschlag.

„Der LMBV-Koordinierungskreis hat auf seiner jüngsten Sitzung noch keine abschließende Entscheidung getroffen“, teilt Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos) auf Nachfrage mit. Es gebe noch Klärungsbedarf. Das Gremium trifft beim Bergbausanierer die Finanzentscheidungen. Behördenvertreter beraten dort über die Freigabe von Geldern des Bundes und des Landes im Rahmen des sogenannten Braunkohle-Verwaltungsabkommens. Die Stadt Delitzsch erhofft sich eine nennenswerte Fördersumme, da der aktuelle Zustand des Wallgrabens mit der Bergbausanierung in Zusammenhang stehe. Schließlich fällt der Wasserstand erst seit dem Loberausbau. Das Flüsschen, keine hundert Meter vom Graben entfernt, hat dank des Ausbaus eine verbesserte Entwässerungsfunktion, entlastet umliegende Gebiete vom zuletzt bedrohlich gestiegenen Grundwasser. Doch auch die alte Wehranlage wird dadurch entwässert. Die Pumpen, die ursprünglich nur in bescheidenem Maße Loberwasser in den Graben leiten sollten, laufen auf Hochtouren. „Nur eine Abdichtung der Grabensohle kann uns hier helfen“, erklärt Schöne.

Der LMBV-Koordinierungskreis allerdings hat Zweifel an dieser These. „Es gab noch einmal Nachfragen hinsichtlich Ursache und Wirkung. Die unmittelbare Abhängigkeit der beiden Gewässer zueinander konnte noch nicht überzeugend vermittelt werden. Wir werden diese Beziehung in den kommenden zwei, drei Wochen weiter herausarbeiten und das Ergebnis dem Ausschuss erneut vorlegen“, kündigt Schöne an.

Bootsverleih gerät ins Rudern

Währenddessen wird es am Wallgraben immer ungemütlicher. „Es ist noch nicht lange her, da war hier im Sommer viel los, auch dank der Touristen, die gern mal eine Runde gedreht haben“, erzählt José Tondera vom Schalom-Begegnungszentrum in der Mauergasse, das vor Ort einen Bootsverleih betreibt. „Doch Ungeübte, insbesondere Familien mit Kindern, kommen hier mit dem Boot nicht mehr durch.“ Neben dem gesunkenen Wasserstand bereitet vor allem die wuchernde Vegetation aus Schilf und Teichrosen Probleme. „Wir haben schon selbst versucht, Schilf zu beseitigen, aber das kommt sofort wieder nach.“ Unschön sei außerdem der Gestank des Wassers: „Wenn man damit in Berührung kommt, riecht man recht unangenehm“, schildert Tondera.

Auch Passanten stören sich am Zustand des Grabens, wünschen sich einen Eingriff. „Man könnte doch wenigstens mal anfangen, zum Beispiel mit dem Entschlämmen“, sagt ein Spaziergänger. Doch genau darin sieht die Stadtverwaltung Gefahren: „Wenn wir die Sedimentschicht beseitigen, könnte sich der Wasserverlust noch verstärken. Die Grabensanierung hat nur Erfolg, wenn die Sohle abgedichtet wird“, unterstreicht Schöne.

Förderphasen enden 2017

Fürs Entschlämmen und Entkrauten hat die Stadt übrigens einen Zuschuss aus dem Topf Städtebaulicher Denkmalschutz in Aussicht. Allerdings währt die derzeitige Förderphase nur bis 2017 – das Danach ist ungewiss. Und auch das aktuelle Braunkohle-Verwaltungsabkommen läuft im nächsten Jahr aus.

Von Kay Würker

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