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Delitzsch Funkstille in Wölkau – Seniorin vom Netz abgeschnitten
Region Delitzsch Funkstille in Wölkau – Seniorin vom Netz abgeschnitten
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17:05 05.07.2016
Mit einem Blumenstrauß hat sich Vodafone entschuldigt. Quelle: Christine Jacob
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WÖLKAU

Funkstille. Was viele ersehnen, ist für Ruth R.* „Horror“ wie die alte Dame sagt. Sie kann nicht telefonieren. Seit Wochen. „Kein Anschluss unter dieser Nummer“, „Nummer nicht verfügbar“, das Besetztzeichen – das ist alles, was aus dem technisch einwandfreien Apparat zu hören ist. Der Vodafone-Anschluss, der nach Angaben der Familie drei Jahre einwandfrei funktionierte, wird nicht mehr bedient. Die 82-Jährige ist in keiner guten Verfassung, wohnt allein in der Gemeinde Schönwölkau und ist oft auf Hilfe angewiesen – ihre Tochter in Delitzsch kann sie nicht erreichen. Und die wiederum kann sie nicht erreichen.

„Unmut, Enttäuschung und Unverständnis“ herrschen bei ihr, umschreibt die Tochter ihre Gefühlslage. Es sei unverantwortlich von Vodafone, die Mutter so im Stich zu lassen. Und im Stich gelassen fühlt sie sich. Manchmal schon sei sie so verzweifelt gewesen, dass sie zu den Nachbarn ging, um die Familie zu erreichen. Der Sohn wohnt im Westen, die Tochter in Delitzsch und ist arbeiten – es kann nicht ständig jemand bei ihr sein, das Telefon ist wichtigstes Kontaktmittel. Gespräche mit Kundenbetreuern führten auch nicht zu erhellenden Ergebnissen, es hieß der Tochter gegenüber schlicht, das Unternehmen sei nicht mehr in der Lage, das vertraglich vereinbarte Netz zur Verfügung zu stellen.

Vodafone kann sich nur entschuldigen

Entschieden hatte sich die Seniorin dazu, weil das Angebot günstig war und die Werbung beziehungsweise der Mann mit dem Angebot nett, erinnert sie sich. Von der Telekom wechselte der Anschluss zu Vodafone und dem Festnetz über Mobilfunk. Lange habe das gut funktioniert und Ende Juni kam plötzlich die Funkstille. Eine für die sich Vodafone nach einer LVZ-Anfrage und eine Beschwerdemail der Tochter inzwischen bei der Rentnerin entschuldigt hat. Das Unternehmen schickte einen großen Blumenstrauß, nahm Kontakt mit der Tochter auf, die die Beschwerde für die 82-Jährige führt. Allerdings, so heißt es aus der Pressestelle des Unternehmens, könne man nichts weiter machen. Die Ursachenforschung des Unternehmens hat ergeben, dass die Funkwellen die Wohnung von Ruth R. nicht mehr erreichen können. Eine Versorgung sei nicht mehr möglich, was dem Unternehmen sehr leid tue. Genau zwischen der Basistation – nach Angaben des Unternehmens rund zehn Kilometer vom Anschluss entfernt – und dem Wohnsitz blockiere etwas den Funk. Es sei ein Neubau genau zwischen Anlage und Anschluss entstanden. Die Gegend sei so schon nicht optimal mit Netz versorgt, nun sei es nicht mehr möglich den Festnetz-Anschluss per Funkwellen zu bedienen. Betroffen davon sei als Festnetzkundin aber nur die Seniorin. Damit ist wohl klar, dass aus ökonomischen Gründen ein Versetzen des Basisstation oder weitere Mühe sich nicht rechnen. Die Nummer der Seniorin will Vodafone nun freigeben und den Wechsel zu einem anderen Anbieter, der Telekom mit Festnetz über die klassische Leitung, „zeitnah“ ermöglichen.

Notruf würde funktionieren

Allerdings: Einen Notruf, erinnert der Sprecher, kann man absetzen. Wer wirklich dringend Hilfe braucht und den Notruf wählt, wird diesen auch erreichen. Um die 112 zu wählen, wird immer das stärkste Netz gesucht. Das Prinzip, dass der Notruf oberste Priorität hat, kennen zum Beispiel auch Smartphone-Nutzer – selbst wenn das Handy gesperrt ist und man den Code nicht hat, kann man einen Notruf absetzen.

* Vollständiger Name ist der Redaktion bekannt.

Von Christine Jacob

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