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Ganz ehrlich, jetzt ist Schluss: Rackwitzer Bürgermeister räumt das Feld

Ganz ehrlich, jetzt ist Schluss: Rackwitzer Bürgermeister räumt das Feld

Manchmal gab es Zoff in der Ratssitzung. Wenn sich Anwohner oder Gemeinderäte an Reizthemen rieben, wenn es mal wieder um die Schulen ging oder den Lkw-Verkehr. Dann konnte Manfred Freigang (UWR) auch barsch werden.

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Der Händedruck besiegelt Beginn und Ende einer Ära: Steffen Brzoska (links) übernimmt das Rathaus Rackwitz, Manfred Freigang geht in den Ruhestand.

Quelle: Kay Würker

Rackwitz. Und mit nachdrücklichen Worten seine Position markieren. Ein Mann geschwungener Sätze im Dienste behutsamer Diplomatie - das war er nie. Wollte es auch nie sein. "Anderen Menschen ehrlich entgegentreten, das hat mir mein Vater beigebracht", sagt er. Dass er damit gelegentlich aneckt, ist ihm bewusst. Wohlgefühlt hat er sich im Rathaus dennoch. "Ich habe den Rückhalt in der Gemeindeverwaltung immer geschätzt. Über die Jahre merkt man, wo die individuellen Stärken der Mitarbeiter liegen."

Nach fast genau 14 Jahren als Bürgermeister nimmt Manfred Freigang Abschied. Heute läuft die Klagefrist aus, mit der die Wahl seines Nachfolgers noch einmal hätte angefochten werden können. Morgen soll Steffen Brzoska (parteilos) offiziell seinen Amtsantritt erklären. "Ich habe meine Dinge hier geordnet, also muss ich nicht mit weinendem Auge zurückschauen", sagt der 66-Jährige. Den Treppenaufgang zum Rathaus hat er kürzlich noch mal auf Vordermann bringen lassen, das war ihm wichtig. Der Tiefbauingenieur, der das Bauen zu seinen liebsten Hobbys zählt, wollte keinen optisch angeschlagenen Haupteingang hinterlassen.

Bauaufträge ausgelöst hat Manfred Freigang während der zwei Wahlperioden des Öfteren. Jedes Jahr eine Straßensanierung, lautete sein Credo. Und nicht nur das: "In meiner Zeit als Bürgermeister wurden 29 Millionen Euro in der Gemeinde verbaut - einschließlich Fördermittel, ohne die das nicht möglich gewesen wäre."

Besonders stolz ist Freigang auf die gelungene Erschließung des Industriegebietes "Ehemaliges Leichtmetallwerk" gleich zu Beginn seiner Amtszeit 2001. Bis heute kennt er genau die Zahlen dieses 17-Millionen-Projektes, erinnert sich, wie nach und nach alle ansässigen Firmen ins Boot geholt werden konnten, wie auch die Anschlussbahn revitalisiert wurde. Das Gebiet beschert der Kommune Jahr für Jahr Steuereinnahmen, die wiederum andere Baumaßnahmen ermöglichten. "Die Gestaltung des Sportstrandes am Schladitzer See plus Betreibervertrag, der Stadtumbau im Neubaugebiet, der Zusammenschluss von Rackwitz und Zschortau 2004 und all die Infrastruktur-Projekte, das waren für mich die wichtigsten Aufgaben. Außerdem die Grundschule Zschortau - das einzige Vorhaben in meiner Amtszeit, das mich nachts um den Schlaf gebracht hat."

Und nun? Manfred Freigang baut weiter. Zu Hause. Vieles sei liegengeblieben in den vergangenen Jahren. Außerdem sind da ja noch die zwei Töchter und fünf Enkel, die 100-jährige Mutter und Ehefrau Christine. Insbesondere die Gattin freut sich, dass der Terminkalender ihres Mannes luftiger wird. "Wir werden uns nicht langweilen. Wir sind beide Arbeitstiere und ein gutes Team", sagt sie. 1970 haben sich die beiden kennengelernt. "Meine erste große Liebe. Ich wusste sofort: Er ist es", erzählt Christine Freigang. "Er ist sachlich und strukturiert." Das schätze sie so an ihm. "Sie hat mir den Rücken freigehalten, ich habe ihr viel zu verdanken", erwidert er.

Warme Worte fand auch Zschortaus Ex-Bürgermeister Sieghart Handke. Es sei ein konstruktives Arbeiten gewesen mit Manfred Freigang. Die Fusion von Zschortau und Rackwitz, um die es viel Aufregung gab, habe der Gesamtgemeinde gut getan. Vize-Bürgermeister Lutz Mehnert überreichte als Abschiedsgeschenk einen Miniatur-Liegestuhl unter Schirmchen. Manfred Freigang wird den wohl so schnell nicht brauchen. Zumal er weiterhin Kreisrat bleibt und damit politisch aktiv. Ungefragt im Rathaus Ratschläge geben will er aber nicht. "Ich halte mich jetzt raus, versprochen." Ein unehrlicher Abschied würde nicht passen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.08.2015
Kay Würker

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