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Gebirge statt Tieflandsbucht: Familie Heimrich verabschiedet sich

Gebirge statt Tieflandsbucht: Familie Heimrich verabschiedet sich

Sie gehört – gefühlt – zu den bekanntesten Familien in der Region. Vor allem unter Musikfreunden, Polizisten und Christen haben sich Christine und Gregor Heimrich einen Namen gemacht – sie als Kantorin der evangelischen Kirchgemeinde Delitzsch sowie langjährige Kreiskantorin im Kirchenkreis Torgau-Delitzsch, er als Pfarrer im Kirchspiel Zschortau und Polizeipfarrer in Westsachsen.

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Um den Auszug aus dem Pfarrhaus in Zschortau vorzubereiten, packt derzeit die ganze Familie an: Gregor, Titus, Valentin, Thekla und Christine Heimrich (von links).

Quelle: Kay W

Delitzsch/Zschortau. Dennoch haben sie sich entschlossen, noch einmal neu zu beginnen, das Liebgewonnene zu verlassen. Zum Monatsende tauschen sie den flachen Landstrich gegen den Harz.

Gerade sind sie aus dem Urlaub zurück. Zwei Wochen Erholung mitten im Umzugstrubel. Und zugleich ein Vorgeschmack auf das, was kommt. Die Auszeit – man ahnt es fast – führte in den Harz. Nur ein Zufall, betonen Christine und Gregor Heimrich unisono. „Wir hatten das schon vergangenes Jahr gebucht, weil wir in ein ganz bestimmtes Ferienhaus wollten. Da wussten wir noch nicht, dass wir uns auch beruflich im Harz niederlassen.“

Der Entschluss, von der Tieflandsbucht ins Mittelgebirge zu ziehen, ist erst seit Mai besiegelt. Da gaben Gemeinde- und Kreiskirchenrat ihre Zustimmung. „Es ist keine Entscheidung gegen Delitzsch oder Zschortau, sondern für einen Wechsel, den wir beide für wichtig halten“, erklärt Gregor Heimrich. „Es wird für Kirchenmitarbeiter empfohlen, alle zehn Jahre eine neue Stelle anzutreten. Jeder hat in seiner Arbeit Schwerpunkte und Schwächen. Da ist ein regelmäßiger Wechsel für das Gemeindeleben von Vorteil.“

Schwerpunkte hatten auch die Heimrichs –  gewollt wie unfreiwillig. Der Zschortauer Pfarrer etwa sieht sich rückblickend als Bauherr. An einer ganzen Reihe von Kirchsanierungen wirkte er mit: in Selben, Wolteritz, Brodau und Beerendorf, in kleinerem Maß in Kreuma, sehr viel in Zschortau, wo gerade ein weiterer Abschnitt zum Erhalt des Gotteshauses abgeschlossen werden konnte (wir berichteten). „Das lag nicht daran, dass ich großen Spaß am Bauen habe, sondern es musste eben passieren.“

Viel Zeit investierte der 40-Jährige zudem in seine Aufgabe als Pfarrer für die Polizeidirektion Westsachsen. Oft waren es intensive Gespräche, die er mit Polizisten oder Kriminalitätsopfern führte. Tiefgehende, vertrauliche Begegnungen. Gregor Heimrich spricht nicht darüber. „Das Staatskirchenrecht berechtigt und verpflichtet mich zum Schweigen.“

Auch seine Frau Christine setzte Schwerpunkte. Vor allem in der Erwachsenen- und Kinderchorarbeit sowie bei den Bläsern fühlt sie sich in ihrem Element. Ob musikalische Andachten oder Weihnachtsoratorien, ob Kindermusical oder Kinderbibeltage – viele beliebte Veranstaltungen trugen ihre Handschrift. Bläser und Chöre, darauf legte sie Wert, sollten jeweils wenigstens einmal im Monat den Gottesdienst der evangelischen Delitzscher Kirchgemeinde mitgestalten. Christine Heimrich gründete ehrenamtlich zudem den Zschortauer Posaunenchor. Und sie rief die Capella Juventa ins Leben – einen Zusammenschluss junger Musiker aus ganz Nordsachsen mit verschiedenen Instrumenten, der jährlich auf Konzertreise geht. Am Sonntag beginnt die letzte Tour unter der Leitung der 40-Jährigen: Vier Auftritte im Raum Friedrichroda im Thüringer Wald stehen auf dem Plan, den Abschluss bildet ein Konzert am Freitag, den 19. August, ab 19 Uhr in der Albanikirche in Schkeuditz.

Wenig später, am 28. August um 14 Uhr in der Delitzscher Stadtkirche, soll Christine Heimrich aus der Gemeinde verabschiedet werden. Ihr Mann hat an diesem Tag seinen letzten Gottesdienst in Zschortau, nimmt offiziell bereits ein Wochenende eher feierlich Abschied. Viele Gäste und liebe Worte sind beiden gewiss.

Unzählige Gottesdienste und kirchliche Zeremonien haben sie gestaltet – jeder auf seine Weise. In Ilfeld bei Nordhausen wollen sie daran anknüpfen. Das Ehepaar Heimrich, seit 18 Jahren verheiratet, schlägt eine neue Richtung ein auf dem gemeinsamen Weg, der die beiden Bernburger zunächst nach Halle, dann nacheinander in die Region nördlich von Leipzig führte. Drei der vier Kinder ziehen mit, eins ist bereits aus dem Haus. Die Kinder gaben auch den Ausschlag für die Wahl der neuen Wirkungsstätte. „Wir haben uns für Ilfeld entschieden, weil es ein Gymnasium am Ort gibt und eine Bahnverbindung“, sagt die Mutter. Titus, Thekla und Valentin sollen nicht auf den Fahrdienst der Eltern angewiesen sein.

Wichtig auch: Sowohl Gregor als auch Christine Heimrich erhalten eine Anstellung. Er übernimmt einen Pfarrbereich mit vier Kirchen in drei Gemeinden, sie kümmert sich künftig um die Kirchenmusik in zwei nahe gelegenen Gebieten. Für zwei Jahre steht zudem die Vertretung der Ilfelder Kantorin während der Elternzeit an.

Die Familie freut sich aufs neue Zuhause. Und nutzte natürlich auch den jüngsten Urlaub für eine Stippvisite. „Wir haben uns das Pfarrhaus angeschaut, das für uns renoviert und im Dachgeschoss ausgebaut wurde“, erzählt Gregor Heimrich. Auch ein Garten gehört dazu. Dort wollen sie demnächst den Rosenstock pflanzen, den ihnen die Grundschule Zschortau als Abschiedsgeschenk mitgab. Ein Stück blühende Erinnerung.

„Die Zeit in Delitzsch und Zschortau war für uns ein wichtiger Lebensabschnitt“, betont Gregor Heimrich. 14 Jahre war seine Frau vor Ort, seit acht Jahren hatten sie gemeinsam im Raum Delitzsch Amt und Einkommen. „Für uns war das eine ganz wunderbare Etappe im Leben. Vielleicht sage ich am Ende meiner Berufslaufbahn, dass es die schönste war.“

Kay Würker

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