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Delitzsch Gefälschter Fahrschein: Delitzscher zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt
Region Delitzsch Gefälschter Fahrschein: Delitzscher zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt
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16:58 12.08.2016
Das Eilenburger Amtsgericht. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch/Eilenburg

Jonny G. ist Scheitern gewohnt. Sein Lebenslauf liest sich wie ein fortwährender Aufbruch ohne Zieleinlauf. Schon die erste Klasse musste er wiederholen. Nach der Lernförderschule wechselte er ans Berufliche Schulzentrum Delitzsch, doch das Berufsvorbereitende Jahr schlug wegen Verhaltensauffälligkeiten fehl. Ein Ausbildungsangebot in Eilenburg lehnte er ab – zu weit weg. Seine kriminelle Energie allerdings brachte Jonny G. auch nicht ans Ziel: Sein gefälschter Fahrschein fiel auf, noch bevor der 20-jährige die gewünschte S-Bahn-Haltestelle erreicht hatte.

Langeweile vor Gericht

Dafür musste sich der Delitzscher nun vorm Amtsgericht Eilenburg verantworten. Betrug in Tateinheit mit Urkundenfälschung, so der Vorwurf. Jonny G. hatte bei der Kontrolle in der Bahn ein bereits mehrfach abgestempeltes Ticket vorgezeigt, das er durch Radierungen immer wieder bereinigt hatte. „Es gibt so viele Tricks, wie man das machen kann. Aber die bleiben mein Geheimnis“, verkündete G. im Gerichtssaal grinsend. Die Staatsanwaltschaft beeindruckte das wenig – die kennt die Tricks auch. Und sie wusste zudem über das geschwungene Hakenkreuz Bescheid, das G. im Juni 2014 auf sein Facebook-Profil gestellt hatte, bis es dort anderthalb Jahre später jemandem unangenehm auffiel. Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, lautete hier die Anklage.

Jonny G. bestritt weder das eine noch das andere, gab sich vor Gericht allerdings gelangweilt. Eigentlich hatte er am Verhandlungstag gar nicht vor, Justitia zu besuchen. Die Polizei musste ihn in Delitzsch abholen und vorführen. Mehrere Versuche des Gerichts, ihm eine Ladung zuzustellen, waren fehlgeschlagen – wohl auch, weil er sich mit Mutter und Schwester völlig zerstritten hat und Zuflucht bei einem Kumpel suchte. „Jonny kam schon jung in die Obhut des Jugendamtes, weil die alleinerziehende Mutter mit den sechs Kindern überfordert war“, schilderte die Jugendgerichtshilfe. Bereits mit 16 wurde er wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch straffällig.

Chance in Delitzscher Baubetrieb

Das Amtsgericht verurteilte den 20-Jährigen nun zu 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit, abzuleisten binnen drei Monaten. Weigert er sich, droht Arrest. Die Zeit darf aber auch in schulische Nachhilfestunden fließen. Immerhin: Jonny G. macht inzwischen eine Ausbildung zum Hochbaufacharbeiter – ein Delitzscher Baubetrieb gab ihm eine Chance. Er wolle nicht noch einmal scheitern, versicherte der junge Mann auf der Anklagebank. Im Dezember ist Prüfung. Die Wiederholung. Beim ersten Versuch im Frühjahr ist er durchgerasselt.

Von Kay Würker

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