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Delitzsch „GegenWind“ für jugendliche Hitzköpfe
Region Delitzsch „GegenWind“ für jugendliche Hitzköpfe
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13:00 19.04.2017
Jugendarbeit mobil und vor Ort: Diana Hein (links) und Yvonne Eichler sorgen für das Diakonische Werk für Gegenwind. Quelle: Manuel Niemann
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Delitzsch/ Eilenburg

Mitunter sind es Bagatellen, die Jugendliche in die Eilenburger Schreckerstraße 30 führen. Zumindest beim ersten Mal. Die Klischees sind der Lippenstift, der die Drogerie unbezahlt verlassen sollte oder wiederholtes Schwarzfahren. Ein Jugendrichter erteilt dann die Weisung, dass die straffällig gewordenen Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren an einem sozialen Trainingskurs teilnehmen oder betreut werden sollen. Die Mehrheit der Fälle, die sie beim Jugendarbeit-Projekt GegenWind bearbeiten, haben aber „relativ konstant mehr im Gepäck“, sagt Diplom-Sozialpädagogin Yvonne Eichler.

Tippel-Tappel-Tour ins Erwachsenensein

Oft sind Eichler und ihre Kollegin, die Erziehungswissenschaftlerin Diana Hein, ein Anker, der den fehlenden Halt und das Vorbild im Elterhaus ersetzt. Zum Teil sei dies eine Tippel-Tappel-Tour, die in das Erwachsenensein begleitet. Angefangen beim Finden einer Notunterkunft, wenn die Jugendlichen aus dem Elternhaus fliegen oder raus wollen, bis hin zum Schreiben von Bewerbungen. Manchmal bügeln sie auch Hemden. Jugendliche, die aus dem Jugendarrest zurückkehren, begleiten sie in den ungewohnten Alltag, genau wie Schulabbrecher, die nicht wissen, wie es im Leben weitergeht. Dabei sind sie in stetem Kontakt mit der Jugendgerichtshilfe, aber auch mit Jugendrichtern, der Suchtberatung, dem Arbeitsamt oder dem Jugendmigrationsdienst, um Jugendliche auf den Weg in ein eigenverantwortliches Leben mit festen Strukturen zu bringen.

Anstoß zur Verhaltensänderung

„Wir stoßen nur an“, sagt Eichler jedoch, von heute auf morgen könnten auch sie nicht ändern, was mitunter 16 Jahre mitgetragen wurde. Soziale Trainings- oder auch Diebstahlkurse vermitteln bis zu acht Teilnehmern, dass Taten, die oft aus der Gruppendynamik, Frust und Langeweile entstehen, Folgen haben. Wirtschaftliche, die die Berufsbiografien anderer Menschen betreffen, im Falle von fehlender Impulskontrolle auch gesundheitliche. Dafür gibt es Anti-Gewalt-Kurse, wo die Jugendlichen mit einem Kampfsportlehrer lernen, mit ihrer meist geringen Aggressionsschwelle umzugehen. Oft kommt dort auch die Videokamera zum Einsatz, um die Situation zu analysieren, wie diese eskalieren konnte und wie es einfacher gewesen wäre, sich dieser zu entziehen.

Weitere Informationen unter: www.diakonie-delitzsch.de/jugend_gegenwind.php Beratungs- und Schlichtungsräume hat das Projekt GegenWind im Delitzscher „Regenbogenhaus“ (Gellertstraße 26 a), in Eilenburg (Schreckerstraße 30) und Bad Düben (Gustav-Adolf-Straße 36).

Von Manuel Niemann

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