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Gellert - gestrichen, geblasen, gelesen

Gellert - gestrichen, geblasen, gelesen

Die Gellert-Abende 2014 gingen am vergangenen Wochenende über die Bühne der Kirche ohne Dach. Der Verein Patronatskirche Wölkau Kunst und Kultur feierte am Samstag mit gut 70 Besuchern Teil I der 20. Auflage der beliebten Veranstaltungsreihe zu Ehren Christian Fürchtegott Gellerts.

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Alle Künstler vereint. Die Musiker des Starke-Quartetts aus Halle und das Publikum lauschen den Worten von Gellertdarsteller Jörg Maaß und von Sprecherin Sara Fromm, die "Die Fahrt auf der Landkutsche" vortragen. Fotos: Frank Pfütze

Quelle: Frank Pfütze

Wölkau. Der Dichter und Moralphilosoph der Aufklärung war zwischen 1758 und 1766 regelmäßig zu Gast auf dem Landsitz der Familie Vitzthum, dem Barockschloss Schönwölkau.

Empfangen wurden die Besucher von Vereinsmitgliedern in barocken Gewändern aus der Zeit Gellerts und dem Fundus des Dübener Kostümverleihs Schilling. Am Sonnabend verwöhnte das Starke-Quartett aus Halle mit Gestrichenem und Geblasenem die Ohren in den gut gefüllten Besucherreihen, mit Musik aus der Feder Mozarts. Denn der junge Mozart stand im regen Briefwechsel mit Gellerts Vater Leopold, der begeisterter Fan des Musikers war. So klein ist die Welt. Mit 17 Jahren schuf dieser sein Streichquartett C-Dur, mit dem die Hallenser den Abend eröffneten. Sogar die Sonne strahlte kurzzeitig vor Begeisterung.

Gewohnt launig, wortgewandt und kompetent nahm Moderator Reiner Mlynaczyk das Publikum mit durch das Programm. Sara Fromm als Caroline Lucius und Jörg Maaß als Gellert trugen einen Briefwechsel vor. Der war damals für Caroline Lucius wichtig, gab er ihr doch die Möglichkeit, aus ihrer sozialen Vereinsamung auszubrechen. Für ein Mädchen des 18. Jahrhunderts völlig untypisch schrieb sie in ihrem ersten Brief an Gellert offenherzig: "Ich bin zu Hause und allein. Ich habe wenig Bekanntschaft. Ich muss mich satt schreiben, und den einzigen Weg ergreifen, den ich vor mir sehe, um Ihnen zu zeigen, dass auch ich in der Welt bin."

Als Petrus vor Begeisterung weinte, gingen die Regenschirme auf und die Musiker mit ihren Instrumenten kurzzeitig in Deckung. Jörg Maaß jedoch lief unter dem Schirm zur Höchstform auf, sprang sogar auf den wackeligen Tisch, als er "Die Fahrt in der Landkutsche" zum Besten gab. Der auf Schloss Wölkau verkehrende Fabeldichter klagte: "Dass mal auf einer Landkutsche gefahren - und nimmer wieder. Den linken Arm trage ich in einer Binde und ich wäre glücklich, wenn ich den Kopf auch in einer tragen könnte, so zerschlagen ist er mir. Binnen acht Tagen noch nicht ein einziges vernünftiges Wort denken können und wer weiß, ob ich es jemals wieder lerne." Dafür sorgte vor allem ein mitreisender Scharfrichter, der seine Enthauptungen zum Besten gab. Gellert lernte unfreiwillig und angewidert, dass kurze Hälse eine Herausforderung darstellen. Mit reichlich Geklatschtem bedankte sich das Publikum.

Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (CDU), der die Schirmherrschaft über die Veranstaltungen im Landkreis zum Gellert-Jahr 2015 (300. Geburtstag) übernommen hat, bedankte sich bei Vereinschefin Sabine Sprechert und ihrem Team für die hervorragende Vorbereitung dieser Veranstaltungen. "Der Verein Patronatskirche Kunst und Kultur Wölkau hat den damals erteilten Auftrag, der Kirche kulturelles Leben einzuhauchen, in hervorragender Weise erfüllt", so Czupalla.

Über 100 Besuchern kamen gestern. Das Programm gestalteten das Ensemble Conquista der Kreismusikschule und Gellert-Grundschüler aus Wölkau.

© Kommentar/Seiten 30/31

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.06.2014
Frank Pfütze

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