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Gemeinde Krostitz steht vor einer schwierigen Entscheidung

Seniorenwohnstätte Gemeinde Krostitz steht vor einer schwierigen Entscheidung

Die Idee, für eine Seniorenwohnstätte mit Pflegebetreuung in Krostitz hat Bürgermeister Wolfgang Frauendorf schon lange. Bisher fehlte noch ein Investor, der diese Ideen verwirklicht. Jetzt liegen der Gemeinde zwei Projekte vor, die am 29. September im Gemeinderat vorgestellt und diskutiert werden sollen.

Diese unbebaute Fläche am Wohngebiet Dorfmark böte sich für den Bau eines Seniorenwohnheimes an.

Quelle: Thomas Steingen

Krostitz. Für ein Dorf dieser Größe kann Krostitz mit einer nahezu perfekten Infrastruktur punkten. Es gibt nicht nur Einkaufsmöglichkeiten wie Bäcker, Fleischer und Discountmarkt, sondern auch Arztpraxen, Apotheke, Gäststätten, Gewerbe, Grund- und Oberschule sowie Kindergarten und Hort. Noch nicht gelungen ist es, eine Wohnstätte für Senioren mit Hilfs- und Pflegeangeboten zu etablieren. Mehrere Ideen und Projektentwürfe schwebten schon im Raum, wurden aber nie spruchreif. Das der Bedarf an altersgerechten Wohnformen mit und ohne Pflege in Nordsachsen vorhanden ist und steigen wird, davon geht die „Machbarkeitsstudie zur Umsetzung des seniorenbezogenen Gesamtkonzeptes des Landkreises aus.

Beratung hinter verschlossener Tür

Im Frühjahr ließ die in Krostitz lebende selbstständige Unternehmensberaterin Gabriele Horster aufhorchen, als sie Mitstreiter für ein genossenschaftlich organisiertes Wohnbauprojekt für künftige Senioren suchte. In einer erweiterten, nicht öffentlichen Hauptausschusssitzung hatte sie kürzlich Gelegenheit, ihr Projekt den Krostitzer Gemeinderäten vorzustellen. Und wie die LVZ erfuhr, gibt es jetzt offensichtlich noch einen weiteren Investor, der sein Projekt ebenfalls im Ausschuss vorgestellt hat. Über dieses sagte Bürgermeister Wolfgang Frauendorf CDU) wegen der Nichtöffentlichkeit der Beratung nur so viel, dass es sich um eine klassische Senioreneinrichtung handle. Beide Konzepte sollen am 29. September ein Thema der nächsten öffentlichen Ratssitzung werden.

Genossenschaftliches Wohnbauprojekt

Über Horsters Vorhaben ist bereits etwas mehr bekannt. Wie die LVZ berichtete, möchte sie 2017 ein genossenschaftliches Wohnbauprojekt für 40 Bewohner der Generation über 60 Jahre errichten, verbunden mit 12 Tagespflegeplätzen und 4 Kurzzeitpflegezimmern. Des Weiteren sollen ein ehrenamtlich betriebenes öffentliche Bürgercafé und Begegnungsraum für Senioren sowie Schüler, die dem Hortalter entwachsen sind, eingebunden werden. Der eingeschossige Gebäudekomplex soll aus fünf Häusern bestehen, die sich harmonisch in die dörfliche Bebauung einfügen.

Die Meinung der Senioren ist gefragt

„Wir stehen vor einer schwierigen Entscheidung“, blickt Frauendorf auf die bevorstehende Diskussion. Einerseits bezeichnet er das Genossenschaftswohnprojekt als eine Top-Idee. Andererseits wünscht er sich in seiner Gemeinde eine Seniorenwohnform, die auch Altenpflege anbietet, denn ein Pflegeheim gibt es in Krostitz nicht. Zudem hat er Bedenken, wie ein solches Angebot angenommen wird. „Gerade auf dem Lande gehen die meisten betroffenen Menschen erst in ein Pflegeheim, wenn es zu Hause im gewohnten Umfeld gar nicht mehr geht“, weiß der Bürgermeister aus Erfahrung. Deshalb will er über dieses Thema in einer der nächsten Veranstaltungen des Seniorenvereins sprechen. Denn die Meinung der älteren Bürger sei ihm dazu wichtig, sagt er und hofft, dass sich auch Bürger in der Ratssitzung positionieren.

Gesprächsrunde mit Sozialministerin

Durch die Berichterstattung der LVZ ist auch das sächsische Sozialministerium auf das Vorhaben von Gabriele Horster aufmerksam geworden. Morgen hat Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) die Krostitzerin zu einem Runden Tisch ins Eilenburger Bürgerhaus eingeladen. Die Gesprächsrunde steht unter dem Thema „Gutes Leben im Alter“. „Ich möchte mit ihnen über Dinge ins Gespräch kommen, die aus ihrer Sicht dazu relevant sind“, heißt es in der Einladung. Gabriele Horster hat zugesagt und will in dem Gespräch vor allem auf den Unterschied zwischen einem Renditeobjekt und einem genossenschaftlich sozialen Vorhaben und die Schwierigkeiten bei dessen Umsetzung aufmerksam machen.

Von Thomas Steingen

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