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Delitzsch Gemeinsam gegen die nächste Jahrhundertflut
Region Delitzsch Gemeinsam gegen die nächste Jahrhundertflut
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16:36 19.05.2015
14. Juni: Der Lober-Leine-Kanal am Nordufer des Seelhausener Sees, wo die Deiche auf beiden Seiten gebrochen sind. Zu erkennen sind die von Hubschraubern abgeworfenen Big Bags. Sie reduzierten die durch den Döberner Forst zum Großen Goitzschesee überströmenden Wassermengen. Die Bäume links und die Kiesbänke vermitteln einen Eindruck von der Gewalt, mit der das Wasser zeitweise abfloss. Quelle: Andreas Berkner

Das Anliegen habe bundesweite Tragweite und könne nur bei einvernehmlicher Herangehensweise der Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt und mit Unterstützung der politischen Spitzen auf Landes- und Bundesebene gelingen. Der Regionale Planungsverband Leipzig-Westsachsen, dessen Leiter Berkner ist, arbeitet seit 1992 an den Planungen zur Tagebau-Sanierung im Leipziger Neuseenland. Das Juni-Hochwasser hat die Bemühungen aktualisiert und beschleunigt.

Der Durchbruch der Mulde in den Seelhausener See hat nun abermals eine grundsätzliche Prüfung der Rahmenbedingungen zur Konsequenz. Im Verlauf des Ereignisses kam es ausgehend von einem Deichbruch bei Roitzschjora wiederum zu einem Muldeeinbruch in den Seelhausener See exakt an der gleichen Stelle wie 2002. Zeitweise strömten zirka 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde mit erheblicher Energie in den Seelhausener See, der am 5. Juni seinen Maximalwasserstand von 84,29 Meter erreichte. Im Maximum hielt das Standgewässer damit eine Menge von rund 40 Millionen Kubikmeter Wasser zurück.

Am 7. Juni wurden die Folgen eines Dammbruchs am Lober-Leine-Kanal oberhalb des Döberner Waldes akut, als bis zu 60 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zum Großen Goitzschesee abströmten und damit ein Wasserspiegelniveau von mindestens 76,5 Meter (Normalwert 75 Meter) bewirkten. Die Durchbruchsstellen konnten bekanntlich erst im Verlauf des 8. Juni durch einen massiven Hubschraubereinsatz so weit geschlossen werden, dass keine akute Durchbruchgefahr des Seelhausener Sees zur Goitzsche mehr bestand (wir berichteten).

"Die Ereignisse führten mit Nachdruck vor Augen, dass das Gewässersystem zwischen Mulde, Lober-Leine-Kanal, Seelhausener See und Großem Goitzschesee in seinem derzeitigen Zustand bei extremen Hochwasserereignissen grundhaft versagen kann, dann keinerlei geordnete Steuerungsmöglichkeiten mehr aufweist und für Gefährdungen beziehungsweise Zerstörungen sowohl in der näheren Umgebung als auch flussabwärts sorgt", so Andreas Berkner

Da die Durchbrüche 2002 und 2013 jeweils bereits vor dem Erreichen der Scheiteldurchflüsse am Pegel Bad Düben auftraten, sei zu vermuten, dass ein Systemversagen bereits ab einem Durchfluss ab zirka 1500 Kubikmeter pro Sekunde in Bad Düben eintreten kann. Auch nach Fertigstellung von Poldern bei Löbnitz und Rösa verbleibt ein Restrisiko.

Abgesehen von der provisorischen Rohrverbindung zur Wasserableitung vom Seelhausener See zur Goitzsche bestehen derzeit keine geordneten Wasserableitungsmöglichkeiten, stellt der Experte fest. Er empfiehlt als Sofortmaßnahmen die Schließung der Durchbruchstellen am Lober-Leine-Kanal sowie eine Überschusswasserableitung zur Goitzsche. Berkner gibt zudem einige Denkanstöße und empfiehlt weiterhin:

An der Mulde Polder wie vorgesehen und zügig einrichten und Deiche zwischen Roitzschjora und dem Einlauf in den Muldestausee verstärken, verbunden mit einem regulierbaren Abschlagbauwerk im Bereich Roitzschjora.

Die dauerhafte wasserbauliche Ausgestaltung eines Hochflutbetts zwischen Abschlagbauwerk und Einmündung in den Seelhausener See zur Ableitung von Hochwasserspitzen in das Standgewässer.

Die Ertüchtigung des Seelhausener Sees für eine geordnete Nutzung als Hochwasserspeicher.

Die Herstellung eines regulierbaren Überlaufs zum Großen Goitzschesee,

Die Neuordnung des Lober-Leine-Kanals mit den Varianten Einbindung über den Leine-Altlauf bei Sausedlitz oder unmittelbar nördlich des Laueschen Berges in den Seelhausener See.

Die Prüfung einer Ertüchtigung des Großen Goitzschesees und der anliegenden Nutzungen auf einen Höchstwasserspiegel von 76,5 Meter und damit Schaffung eines weiteren Hochwasserschutzraumes.

Die Prüfung einer regulierbaren Wasserabführungsmöglichkeit zur Mulde zur Entlastung über die Leine hinaus im Bereich des ehemaligen Flutungsbauwerks am Pegelturm.

Mit der Schaffung einer geordneten Rückhaltekapazität von 50 bis 70 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde erwartet Berkner eine wirksame Hochwasserentlastung für den Unterlauf der Mulde. Für ein Hochwasserereignis in den Dimensionen vom Juni könne dies ausreichen, um den Hochwasserscheitel auf ein Durchflussniveau von zirka 1300 Kubikmeter pro Sekunde zu kappen und damit eine erneute Katastrophe zu verhindern.

Die Verbandsversammlung des Regionalen Planungsverbandes wird sich in ihrer nächsten Sitzung am 5. Juli mit der Problematik befassen. Darüber hinaus regt Berkner eine zeitnahe gemeinsame Sitzung der Sanierungsbeiräte Westsachsen/Thüringen und Sachsen-Anhalt an.

© Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.06.2013

Frank Pfütze

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