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Delitzsch Gericht verurteilt Afghanen wegen Sachbeschädigung in Zschortau
Region Delitzsch Gericht verurteilt Afghanen wegen Sachbeschädigung in Zschortau
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00:18 28.06.2017
Das Amtsgericht Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
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Eilenburg

Mit einer Klage wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung musste sich jetzt das Eilenburger Amtsgericht beschäftigen. Es war bereits der zweite Anlauf, um das Verfahren abzuschließen. Zum ersten Termin war der Angeklagte, ein 18-jähriger Afghane, nicht erschienen. Er habe ihn vergessen, antwortet der junge Mann auf die Frage von Richter Ruben Franzen, warum er nicht im Gericht gewesen sei. Damit dies nicht noch einmal passiert, ließ der Richter den Mann von der Polizei vorführen.

Gegen Schrank getreten

Vor Gericht ging es um zwei Taten – eine ereignete sich in Zschortau, eine in Leipzig. So warf Staatsanwältin Franziska Goldbeck dem schmächtig wirkenden Angeklagten zunächst vor, im Mai vergangenen Jahres in der Erstaufnahmeeinrichtung in Leipzig gegen einen Schrank, in dem Feuerlöscher aufbewahrt werden, getreten zu haben. Gleiches tat er auch mit einer Glasscheibe, die daraufhin splitterte. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von 200 Euro. Der Angeklagte verletzte sich an der Hand und am Kopf. Die Polizei wurde gerufen, Anzeige erstattet, Anklage erhoben. Der Afghane wurde im Krankenhaus ambulant behandelt.

An die Familie gedacht und getrunken

Der 18-Jährige, der weitestgehend auf die Hilfe der Dolmetscherin verzichten konnte, räumte seine Schuld ein. Natürlich fragte die Staatsanwältin nach dem Grund des Ausrasters. Aus Verzweiflung habe er mit drei Kumpels Schnaps mit Saft getrunken. Er habe viel und immer wieder an seine Familie – Tante, Onkel, Bruder – denken müssen, die allerdings nicht in Leipzig, sondern im Westen Deutschlands leben. Seit zwei Jahren versuche er, zu ihnen zu gelangen. Hinbekommen habe er es bislang nicht. Auch die zweite Straftat, die er Mitte Januar in der Asylunterkunft in Zschortau beging, wobei eine Glastür im Wert von 3000 Euro zu Bruch ging, hatte offenbar mit dieser Sehnsucht und dem Frust zu tun, doch nichts unternehmen zu können. Auch bei dieser Aktion verletzte sich der junge Mann an der Hand.

Kann nicht zur Schule gehen

„Ich möchte gern zur Schule gehen“, erklärte der Angeklagte dem Richter. Er sei jung und wolle es unbedingt. Doch nach seinen eigenen Angaben gebe es das nicht für ihn. Er bekomme hier nicht die Möglichkeit. Dass sei für ihn besonders frustrierend, weil er in Afghanistan auch nicht zur Schule gehen durfte. Dort habe er noch zwei kleinere Brüder, zwei Schwestern, auch seine Mutter lebe noch dort. Seinen Vater hätten die Taliban erschossen, daraufhin sei er mit seinem Bruder in den Iran geflohen und dann nach Deutschland gelangt. Der Bruder, 22 Jahre alt, lebe in Passau, Tanten in Hamburg, der Onkel in Frankfurt/Main. Er dürfe aber nicht zu ihnen ziehen. „Keiner hilft mir!“, beklagte der junge Mann.

Weitere Verfahren anhängig

Richter und Staatsanwältin hörten sich die Schilderungen an und erfuhren von der Jugendgerichtshilfe, dass weitere zwei Strafverfahren wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung in Leipzig anhängig sind. Auch wegen Leistungserschleichens wurde von der Staatsanwaltschaft Leipzig bereits gegen den Afghanen ermittelt, das Verfahren aber eingestellt.

Franziska Goldbeck sah beide Anklagepunkte als erwiesen an, sprach aber auch von einer seelischen Ausnahmesituation, in der sich der Angeklagte befand. Sie forderte mindestens 50 Arbeitsstunden und die Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs. „Ich werde viel arbeiten, mindestens drei bis fünf Stunden am Tag, aber nicht an jedem“, erzählte der Angeklagte. Das verblüffte nicht nur die Staatsanwältin. Sie fragte nach, warum nicht. Der Angeklagte boxe dreimal in der Woche, da könne er nicht arbeiten.

Alkohol nicht alleinige Ursache

Richter Franzen verurteilte den Afghanen schließlich zu 50 Arbeitsstunden und machte ihm unmissverständlich klar, dass Gemeinschaftseinrichtungen nicht kaputt gemachten werden dürften. Der Alkoholgenuss sei für ihn allein Ursache für diese Taten. Mit den 50 Stunden, die in zwei Monaten zu erledigen seien, solle er 300 Euro verdienen und einen Teil des Schadens wiedergutmachen.

Von Ditmar Wohlgemuth

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