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Gigantischer Schlackeberg an Delitzscher Biomassekraftwerk

Umweltfrevel in Fabrikstraße Gigantischer Schlackeberg an Delitzscher Biomassekraftwerk

Am südlichen Stadtrand von Delitzsch hat sich ein gewaltiges Umweltproblem aufgehäuft. Ein Berg aus Schlacke und Asche – Rückstände aus dem Betrieb des Biomassekraftwerkes an der Fabrikstraße. Das Umweltamt ist seit Längerem alarmiert. Der Berg soll entsorgt werden, so schnell wie möglich. Doch das könnte den neuen Eigentümer Milllionen kosten.

Der in die Breite gezogene Schlackeberg rechts neben den Kraftwerksbauten ist weithin zu sehen.

Quelle: Kay Würker

Delitzsch. Am südlichen Stadtrand von Delitzsch hat sich ein gewaltiges Umweltproblem aufgehäuft. Ein Berg aus Schlacke und Asche – Rückstände aus dem Betrieb des Biomassekraftwerkes an der Fabrikstraße. Das Umweltamt ist seit Längerem alarmiert. Und steht nun in Kontakt mit dem neuen Eigentümer des Kraftwerkes. Der Berg soll entsorgt werden, so schnell wie möglich. Doch das wird teuer.

Laut Dokumenten, die der LVZ vorliegen, handelt es sich um etwa 50 000 bis 60 000 Tonnen im Nordwest-Teil des mehrere Hektar großen Kraftwerksgeländes. Wie gefährlich das Material ist, können nur genaue Analysen ergeben, die dem Vernehmen nach nicht vorliegen. Die Umweltbehörde im Landratsamt teilt mit, es handele sich um Stoffe der Abfallschlüsselnummer 10 01 01: Rost- und Kesselasche, Schlacken und Kesselstaub. Dies sei als nicht gefährlicher Abfall einzustufen. Vorausgesetzt wird dabei, dass das Kraftwerk in den vergangenen Jahren ausschließlich genehmigungskonform betrieben wurde. In der Anlage dürfen nur Althölzer der Kategorien I und II verbrannt und verstromt werden – die deutlich stärker schadstoffbelasteten Kategorien III und IV sind tabu. In der Vergangenheit gab es in Delitzsch immer wieder Diskussionen darüber, ob diese Vorgabe tatsächlich eingehalten wurde.

Fakt ist, dass sich die Ablagerungen wenigstens zum Teil auf unbefestigter Fläche, also ohne Absperrung zum Erdreich befinden. Auch eine Abdeckung ist nicht vorhanden. Durch Niederschlagswasser könnten Schwermetalle in den Boden oder in die Kanalisation geschwemmt werden. „Nach derzeitigem Kenntnisstand geht von der gelagerten Asche und Schlacke keine unmittelbare Gefahr für Mensch und Umwelt aus“, schreibt das Landratsamt auf LVZ-Nachfrage. Eine Auswaschung von Schwermetallen durch Regen sei zwar möglich, aber nicht grundsätzlich gegeben, weil bestimmte Voraussetzungen, wie etwa ein niedriger pH-Wert, vorliegen müssten.

Wie es überhaupt zu diesem Umweltfrevel kommen konnte, ist im Detail noch nicht geklärt. Eine Genehmigung für die Lagerung sei nie erteilt worden, so das Landratsamt. Nach LVZ-Recherchen war das Problem noch nicht vorhanden, als die GOAZ Energy GmbH im Juli 2012 das Kraftwerk aus der Insolvenz übernahm. Inzwischen ist der langgestreckte, meterhohe Berg von der Straße aus zu sehen, trotz eines Erdwalls als Sichtbarriere. Die Umweltbehörde, die nach eigenem Bekunden regelmäßige Kontrollen im Objekt durchführte, verweist auf eine Beräumungs-Anordnung gegenüber GOAZ vom 23. September 2014. Augenscheinlich ohne Erfolg. GOAZ agierte nach der Anordnung vor Ort noch gut ein weiteres halbes Jahr, bis das Kraftwerk im Mai 2015 erneut in ein Insolvenzverfahren rutschte. Im August erwarb die Knock on Wood GmbH die Anlage. „Der neue Betreiber ist in alle Rechte und Pflichten des vormaligen Betreibers eingetreten“, teilt das Umweltamt mit. Auch der Beräumungsbescheid sei bestandskräftig.

Nach LVZ-Informationen kann die Entsorgung – je nach Schadstoffmix – mehr als hundert Euro pro Tonne kosten. Im schlimmsten Fall ist ein Millionenbetrag fällig, zu zahlen vom neuen Eigentümer aus Niedersachsen. Wann und wie Maßnahmen ergriffen werden, dazu wollten sich auf Nachfrage weder Eigner noch Behörde äußern. Allerdings ist auch GOAZ noch nicht raus aus der Nummer: Laut Insolvenzverwalter bestehen gegen die Ex-Betreiber noch offene Forderungen. Kommentar

Von Kay Würker

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