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Gottfried Jähner - ein Flüchtlingspate der ersten Stunde

Gottfried Jähner - ein Flüchtlingspate der ersten Stunde

DELITZSCH. Er war schon Flüchtlingspate, da tüftelten andere vermutlich noch an dieser Begrifflichkeit: "Wenn ich etwas anfange, dann ziehe ich das auch durch", erklärt Gottfried Jähner, warum er sich so intensiv um eine vierköpfige Familie aus Dagestan im Kaukasus kümmert - er hat ihnen eben gesagt, dass er helfen wird, wirklich in Deutschland anzukommen.

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Ingrid Beckmeier (links) gibt ihren Garten an Salman Sayarsanov und seine Frau Dschennet Juschaeva ab. Gottfried Jähner (rechts) hat das "eingefädelt".

Quelle: Christine Jacob

utschland anzukommen. Der 78-Jährige ist einer, der nicht nur redet, sondern macht - ein Flüchtlingspate der ersten Stunde.

Angefangen hat alles als Geschichte übern Gartenzaun, eines schönen Tages im vergangenen Jahr. "Ich habe noch ein Stück Grabeland am jüdischen Friedhof und da waren sie eben plötzlich", schildert der Rentner. Sie, das sind Salman Sayarsanov, seine Frau Dschennet Juschaeva und die beiden Kinder, heute 16 und 18 Jahre alt. Aus ihrer Heimat zunächst bis Belgien geflohen, wo sie nach fast fünf Jahren kein Asyl bekamen und seit zwei Jahren in Deutschland. Ein nettes Lächeln, ein paar Worte in gebrochenem Deutsch, so entstand Freundschaft. Und um seine Freunde kümmert er sich, sagt Gottfried Jähner, das sei Ehrensache. Große Worte haben bei ihm noch Bedeutung - Ehrensache ist Ehrensache. Er will, dass die Familie - vor allem die Kinder - hier in Deutschland eine Zukunft haben.

"Im Moment sind sie geduldet, sie standen aber schon auf der Abschiebeliste", erzählt der einstige Lokführer. Blutige Konflikte, Entführungen am hellichten Tag, Polizeiverhöre, Terror und Terroristen, für die Angehörige wahrlich bluten müssen - alles, was Jähner über Dagestan erfuhr, machte ihm Angst. Jemanden dorthin zurück zu schicken, das gehe nicht. Denn wann immer er mit seinem Bruder in der Heimat telefonieren könne, erzähle der ihm nur von Angst und Schrecken, berichtet Salman. Gottfried Jähner sei wie ein großer Bruder für ihn und ein wichtiger Halt, meint der 61-Jährige. Und: "Nicht alle sind so wie Gottfried", sagt die 58-jährige Dschennet. Er sei immer freundlich zu allen Menschen, ganz unabhängig von Herkunft und Stand.

Mit Begrifflichkeiten mag der Rentner mit den munteren Augen, dem zackigen Mundwerk und dem niemals ruhenden Geist nicht um sich werfen. Er ist Praktiker, lebt die Integration, engagiert sich, bisweilen sei er dabei auch mal drastisch in seiner Ausdrucksweise. So warf er dem Landratsamt vor, nichts anderes zu machen, als sich selbst zu verwalten. Er will, dass die Familie hier eine Zukunft bekommt und da müsse man hartnäckig sein und um Direktheit nicht verlegen. Der 16 Jahre alte Sohn der Familie und die 18 Jahre alte Tochter besuchen die Artur-Becker-Oberschule, sie leben sich immer besser ein. Für den Junior hat Gottfried Jähner bereits eine Lehrstelle in Aussicht, die Tochter will an einer Fachschule studieren. Salman und Dschennet haben es noch schwerer. So wird er wieder und wieder im Landratsamt und anderen Behörden vorstellig, schickte Salman und Dschennet in einen Deutsch-Kurs in die Volkshochschule. Wer könnte einen, der hartnäckig mit konstruktiven Vorschlägen auf der Matte steht, auch abwehren? "Beim Deutschlernen sollte die Politik mal ansetzen, da schläft sie bislang", findet Jähner, "es gibt genug Interessenten, genug Lehrer, aber kaum Kurse und kein Geld dafür." Denn bei einem Probearbeiten in einem Altenheim habe sich die gelernte Krankenschwester Dschennet sehr gut angestellt, nur die Deutschkenntnisse würden noch nicht reichen. Und auch Krankenpfleger Salman werde hier in Zeiten des Fachkräftemangels vielleicht noch gebraucht.

Beschäftigung und eine Aufgabe bräuchten sie. Weil die Augen immer so leuchteten, wenn es Gartenarbeit gibt, hat er ihnen eine eigene Scholle in der Dr.-Schreber-Sparte besorgt. Da ist Jähner seit fünf Jahrzehnten aktiv, im Vorstand und als Fachberater. Als die 77-Jährige Ingrid Beckmeier an die Aufgabe ihrer Parzelle dachte, machte Jähner wieder mal Nägel mit Köpfen - nun haben Salman und Dschennet wieder ein Stück Land. Gottfried Jähner lotet schon die nächste große Aufgabe für sich aus: Aufenthaltsstatus und Bleiberecht wünscht er sich für seine Freunde.

© Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.03.2015
Christine Jacob

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