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Grund zum Optimismus in Torgau - Entspannung in Bitterfeld-Wolfen

Grund zum Optimismus in Torgau - Entspannung in Bitterfeld-Wolfen

Kreisgebiet. Die Regionen Torgau und Bitterfeld-Wolfen bildeten gestern die Hochwasserschwerpunkte außerhalb der Katastrophengebiete.

Der Elbepegel steigt nach wie vor und die Goitzsche war randvoll, die Überflutung von Bitterfeld-Wolfen drohte. Gestern Vormittag überschlugen sich die Meldungen, war von einer weiteren Sprengung die Rede, um die Goitzsche zu entlasten. Offensichtlich blieb auch nach der Sprengung am Mittwoch der erhoffte Effekt aus.

Es floss zwar Wasser ab, aber die Sprengung hatte eine Art Maulwurfhügel produziert, der einen massiven Abfluss der Wassermassen in das ursprüngliche Flussbett der Mulde in Richtung Stausee verhinderte. Die in die Luft gesprengte Erde hatte sich aufgetürmt. In der Region Bitterfeld-Wolfen sorgte das für Beunruhigung. Denn die Situation stellte sich gestern Nachmittag sehr kritisch dar. Die Goitzsche stieg, die Angst in Bitterfeld wuchs von Stunde zu Stunde. Am Morgen hatte der See eine Höhe von 75,86 Meter, möglich sind laut Krisenstab 78,50 Meter. Am Stadthafen stand das Wasser schon sehr hoch. Insgesamt schätzten Experten des Krisenstabes die Lage als bedrohlich ein. Der Sandsackdamm ab dem Fritz-Heinrich-Stadion wurde weiter erhöht. Zudem wurden Dämme an der Leine verstärkt. Und eine dritte Sprengung am Deich bei Löbnitz war wie erwähnt im Gespräch - doch Nordsachsen verweigerte die Genehmigung.

"Ich war gegen die Sprengung und habe sie verhindert, weil sie zu nah an den Ortschaften Löbnitz und Sausedlitz geplant war. Die Experten in unserem Krisenstab, mit denen ich mich natürlich vorher verständigt habe, plädierten für eine Durchspülung des Deiches. Auch Talsperrenchef Axel Bobbe und Polizeichef Bernd Merbitz haben die Aktion unterstützt. Wir konnten letztendlich auch Sachsen-Anhalt überzeugen. Der Krisenstab dort hat die Entscheidung mitgetragen. Nun ist ja Gott sei Dank alles in Ordnung", so Czupalla nach der erfolgreichen Aktion. Mit einer Hochdruckpumpe hatten Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus Löbnitz, Delitzsch und Pouch den "Maulwurfhügel" zuvor weggespült. Der Abfluss vom Seelhausener See in die Mulde war nun vergrößert, das Wasser floss danach besser ab. In Bitterfeld-Wolfen war die Euphorie nicht ganz so groß wie auf nordsächsischer Seite, dort richteten sich auch am Abend immer noch besorgte Blicke in Richtung Seelhausener See und Goitzsche, wo noch immer gewaltige Wassermassen auf die Dämme drückten.

Die Evakuierung der Gemeinden Löbnitz und Sausedlitz wurde bereits am Morgen aufgehoben. Nach Auswertung der Daten aus einer Befliegung des Gebietes um den Seelhausener See und nach Erklärung der Landestal-sperrenverwaltung, dass keine geologischen Bedenken mehr vorliegen, hat der Krisenstab des Landkreises Nordsachsen entschieden, die Evakuierung der Gemeinden aufzuheben. Die Einwohner konnten zurück in Ihre Wohnungen und der Rücktransport aus den Notquartieren wurde organisiert. Es gab weitere gute Nachrichten: "Wir konnten heute 790 000 Euro als Soforthilfe über die betroffenen Kommunen an die Bürger verteilen", informierte der Landrat am Abend.

Torgau wartet auf den Hochwasserscheitel. Das Maximalhochwasser wird in den heutigen Morgenstunden erwartet. Jedoch nicht so schlimm, wie befürchtet. "Sämtliche Prognosen lassen auf einen Scheitel weit unter 9,40 Meter schließen. Das bedeutet weit unter dem Hochwasserscheitel im Jahr 2002. Optimistisch betrachtet, kommt auch Torgau mit einem, vielleicht sogar ohne blaues Auge davon. Evakuierungen oder Sperrungen sind vorerst nicht geplant. Wir gehen davon aus, dass das Wasser relativ problemlos durchläuft", sagte Rayk Bergner, Sprecher des Landratsamtes Nordsachsen. Es wird jedoch damit gerechnet, dass der Pegel nicht schnell wieder fällt und das Wasser ziemlich lange auf hohem Stand fließt. Frank Pfütze

@Weitere Informationen und Fotos unter www.lvz-online.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.06.2013

Frank Pfütze

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