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Grundschüler und Flüchtlinge ziehen ins Obergut Zschortau

Grundschüler und Flüchtlinge ziehen ins Obergut Zschortau

In der langen Geschichte des historischen Zschortauer Obergutes wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Das herrschaftliche Gutshaus wird zur Grundschule, in der Nachbar-Immobilie wächst ein Wohnprojekt für Asylsuchende.

Zschortau. In der Flüchtlingsunterkunft sind bereits am Montag die ersten Bewohner eingezogen (wir berichteten), die zweite Hälfte der Belegung steht in Kürze an. In der Schule startet der Unterricht nächste Woche. Die Kinder und Lehrer nutzen das Obergut als Ausweichquartier, weil das eigentliche Schulhaus bis 2017 umfassend saniert und umgebaut wird.

Eine Lösung auf Zeit also - sowohl für die Steppkes aus dem Ort als auch für die Migranten. Und zugleich ein glücklicher Umstand: Der Gutspark an der Lindenstraße ist ein Idyll und die Häuser sind dank des Vornutzers in gutem Zustand. Bis dieses Jahr residierte vor Ort die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), unterhielt eine Lehrstätte für ausländische Ingenieure samt Unterkunft. Das ehemalige Internats- und Seminargebäude ist entsprechend ausgestattet. Für die Asylsuchenden stehen 47 Einzel-, zwei Doppel- und ein Dreibettzimmer zur Verfügung. Jedes hat die nötige funktionelle Möblierung: Schränke, Bett, Stuhl, Schreibtisch, sogar ein abschließbarer Safe. Dazu jeweils eine Nasszelle mit Toilette und Dusche. "Die GIZ hat uns die Ausstattung freundlicherweise überlassen", sagt Nordsachsens Ordnungsamtsleiter Sven Keyselt. Das Objekt selbst gehört dem Freistaat, der es an den Landkreis vermietet hat. "Wir mussten für die Zimmer nur noch Kühlschränke anschaffen und den Brandschutz nachbessern." Überall im Haus prangen nun Hinweise in deutscher, englischer und arabischer Sprache, auch der Gebetsraum ist ausgeschildert. Investiert wurde zudem in die Gemeinschaftsküche im Parterre - die Flüchtlinge bekochen sich dort selbst. Wer will, kann sich im Speiseraum im ersten Obergeschoss niederlassen.

Ein weiterer Raum für Geselligkeit findet sich in der zweiten Etage. Im Moment steht dort nur ein Tischkicker und ein Fernseher. Doch das muss nicht so bleiben. "Die Bewohner sind ja gerade erst dabei, mental anzukommen, sich kennenzulernen", sagt Sozialarbeiter Alexander Dornberg. 25 Syrer wohnen seit dieser Woche in dem Haus, waren zuvor in Spröda und Oschatz untergebracht. Das Zschortauer Wohnprojekt soll den Männern die Integration erleichtern. Betrieben wird es vom Roten Kreuz. Zwölf Mitarbeiter, von der Heimleitung bis zu den Hausmeistern, kümmern sich um die Abläufe. Bereits diese Woche, so wird berichtet, seien aus der Anwohnerschaft Spenden, unter anderem Küchenutensilien. DRK-Kreisverbands-Chef Christian Wolff bittet aber, auf konkrete Spendenaufrufe zu warten. "Wir müssen erst mal sondieren, was wir brauchen."

Für die Syrer gilt es zunächst, Deutsch zu lernen. Im September geht's los. "Drei Lehrerinnen aus unserem Haus übernehmen diese Aufgabe in ihrer Freizeit", erzählt Eleonore Waldau, die Leiterin der Grundschule. Eine erste Nachbarschaftshilfe auf kurzem Wege.

Und sicher nicht die letzte. Schule und Landratsamt stehen in engem Kontakt. Dass jetzt noch das Schulgelände mit Pfählen und Ketten umfriedet wird, soll die Nachbarn nicht trennen, sondern nur die Kinder im Zaum halten. "Wir würden in dem großen Park die Übersicht verlieren", erklärt die Schulleiterin. Die Freude über das märchenhafte Gelände mit fast 300 Jahre alten Buchen und Eichen ist trotzdem groß. Erst recht über das Haus. Die denkmalgerecht sanierte Immobilie bietet reichlich Platz, die Klassenzimmer im Erdgeschoss sind modern und freundlich. Klasse zwei kommt gar im einstigen Konferenzraum unter. Die GIZ ließ auch im Gutshaus viel nützliches Mobiliar zurück. Am Montag soll dann auch die Bushaltestelle "Zschortau - Park" direkt vor der Tür in Nutzung gehen. Und Eleonore Waldau zeigt sich zufrieden: "Besser hätten wir es nicht treffen können." © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.08.2015
Kay Würker

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