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Delitzsch Gut Göritz will Demenzkranken das Leben mit tiergestützten Therapien erleichtern
Region Delitzsch Gut Göritz will Demenzkranken das Leben mit tiergestützten Therapien erleichtern
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06:00 03.09.2016
Christina Barofke und ihr Sohn Tobias vor dem Gebäude des zukünftigen Pflegeheims. Die Therapiepferde Nina (rechts) und der kleine Gigant sollen künftig bei der Behandlung vom Demenzkranken helfen. Quelle: Wolfgang Sens
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Göritz

Im kleinen Schönwölkauer Ortsteil Göritz verwirklicht Christina Barofke ihren Traum. Nach hektischen und turbulenten Jahren als Inhaberin einer Kommunikationsagentur, die unter anderem das Logo für den Nationalpark Sächsische Schweiz entwickelt und das Jubiläum 600 Jahre Universität Leipzig begleitet hat, betreibt sie in Göritz (Gemeinde Schönwölkau) mit ihrer Familie und fünf Angestellten umweltgerechte Landwirtschaft, artgerechte Pferdehaltung sowie Umweltentwicklung.

Steiniger Weg

Viel hat sie bisher erreicht, vieles gibt es aber auch noch zu tun. Das jüngste Projekt ist ein Pflegeheim für Alzheimer-Patienten und Demenzkranke, das am 1. Dezember eröffnet werden soll. Hinter der Diplom-Agraringenieurin, die für die CDU im Gemeinderat von Schönwölkau sitzt, liegt ein steiniger Weg. Zwar war das Gut in Göritz 1992 relativ schnell gefunden, doch die Abwicklung der Kaufmodalitäten mit Treuhand und ihrem Nachfolger BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH zogen sich lange hin. Erst Mitte 1999 seien Grundstücksteilungen und -zusammenführungen sowie die Einträge ins Grundbuch abgeschlossen worden, so die Eigentümerin. Zwischenzeitlich war sie mit ihrer Agentur und den ersten Pferden auf Mietbasis aufs Gut gezogen. Weil sich der Grundstückskauf aber solange hinzog, waren fast alle Förderprogramme zur Sanierung und zum Wiedeaufbau des maroden Gutes abgelaufen. „Glücklicherweise sind wir noch in das Dorfentwicklungsprogramm reingerutscht“, erzählt die Landwirtin.

Christina Barofke (Mitte) führt die CDU-Landtagsdelegation unter Führung von Christian Piwarz, 1. Stellvertretender des Fraktionsvorsitzenden, durch das künftige Pflegeheim. Quelle: Thomas Steingen

Artgerechte Pferdehaltung

Heute ist das ehemalige Gutshaus zum Bürogebäude mit zwei Fremdenzimmern, in denen Lehrgangsteilnehmer nächtigen können, ausgebaut und auch das Wohngebäude bezogen. 2010 stellte sie die landwirtschaftliche Tätigkeit vom Neben- zum Haupterwerb um. Bewirtschaftet werden 70 Hektar Grünland, wovon 32 Hektar erst wieder eingesät werden mussten. 50 Hektar der Grünfläche stehen den 50 bis 60 Pferden als Koppeln zur Verfügung. Die Pferdeställe sind artgerecht umgebaut worden, sodass die Tiere dort in Gruppen leben können. Barofke, die auch Pferdewirtschaftsmeister ist, betreibt in Göritz außerdem eine Pferdepension, eine Reitschule und eine kleine Pferdezucht mit drei Stuten und fünf Nachwuchstieren. Das auf dem Grundstück wachsende Wildobst soll künftig zu Saft und Marmelade/Gelee verarbeitet und direkt vermarktet werden. „Darum soll sich einmal mein Sohn Tobias nach seinem Landwirtschaftstudium kümmern“, blickt die Gutschefin in die Zukunft.

Landleben

Zunächst steht jedoch die Fertigstellung des Pflegeheims, das in einer 70 Meter langen ehemaligen Lehmscheune entsteht, im Vordergrund. Derzeit läuft der Innenausbau. Dieses Projekt hat Barofke mit Tino Worschech und Daniel Mehner von der Haus im Rosengarten GmbH in Leipzig entwickelt. Die Gesellschaft wird das Heim mit 38 Plätzen betreiben. Das Besondere an dem Haus ist, dass dessen Bewohner am Landleben teilhaben sollen. „Das kann ein Heim in der Stadt nicht leisten. Wir setzen bewusst auf eine tiergestützte Therapie“, erklärt die 52-Jährige. „Demenzkranke Menschen sollen sich hier wohlfühlen und die Chance erhalten, den Verlauf ihre Krankheit etwas zu mildern.“

Besuch aus dem Landtag

All das schien der CDU-Landtagsfraktionsspitze unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden Christian Piwarz interessant für einen Besuch zu sein. Dabei entwickelte sich ein reger Gedankenaustausch. Diesen nutzte die „Gutsherrin“, um Dinge anzusprechen, die ihr in der sächsischen Politik nicht gefallen. So war die Förderpraxis für Landwirtschaft im Zusammenhang mit Naturschutz ein Thema.

Von Thomas Steingen

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