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Delitzsch "Habe so meinen Frust abgebaut"
Region Delitzsch "Habe so meinen Frust abgebaut"
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15:10 19.05.2015

, Jahrgang 1991 und wohnhaft in Delitzsch, vor dem Landgericht Leipzig verantworten. Er ist geständig, in der Nacht zum 19. April im Behindertenzentrum in der Tischlerei, gegen 23 Uhr Feuer gelegt zu haben.

Trotz des schnellen Einsatzes von Feuerwehrkameraden aus Delitzsch, Zschepen, Schenkenberg, Benndorf und Selben brannte der moderne Bau aus und es entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 150 000 Euro. Der Täter saß zu diesem Zeitpunkt verbittert und teilnahmslos im angrenzenden Wohnheim. "Ich hatte Stress mit Kollegen in der Werkstatt und habe so meinen Frust abgebaut", bekannte der Feuerteufel vor Gericht. Im Außenbereich des Zentrums, wo Sägespäne abgefüllt in einer Gitterbox lagern, hatte er mit der Brandstiftung leichtes Spiel. Zum Glück entdeckte eine Polizeistreife zufällig den entstehenden Brand und leitete die Löschmaßnahmen ein. Die Gefahr für Leben und Gesundheit von unbeteiligten Personen sowie der Schaden an den Gebäuden hätte durchaus noch höher sein können.

Doch ist diese Brandstiftung nur eine von insgesamt sieben Straftaten, die dem jungen Mann zur Last gelegt werden. So gehen auch mehrere Mülltonnen- und Papiercontainerbrände in der Richard-Wagner-Straße und der Eilenburger Chaussee auf sein Konto, wobei die Flammen Schäden in Höhe von mehreren Tausend Euro anrichteten. Alles aus Frust, wie er sagt. Und nur wenige Minuten vor dem Anschlag auf das Behindertenzentrum hatte der Angeklagte einen ausrangierten Opel Corsa auf der Freifläche eines Autohauses in der Richard-Wagner-Straße in Brand gesetzt. Sachschaden: 350 Euro.

Der von den bestellten Betreuern nicht zu kontrollierende Einzelgänger, der 2011 aus einem Kinderheim in das Betreuungssystem des Delitzscher Zentrums kam, war abends oft allein und mit einem Rucksack voller Bierflaschen auf einem Fahrrad in der Gegend unterwegs. Für Alkohol gab er sein Taschengeld vor allem aus. Mindestens zehn Flaschen Bier, so seine Aussage vor Gericht, trank er fast täglich nach Feierabend, um den ungeliebten Job in den Abteilungen Wäscherei und später in der Verpackung zu vergessen.

"Er hatte kein gutes Wort für die Behindertenwerkstatt, versuchte sogar, andere Beschäftigte gegen die Einrichtung aufzubringen", sagten Zeugen aus. "Und er akzeptierte keine Normen, hat sich nie an Regeln gehalten. Schnell wurde er aggressiv, mit Worten, aber außerhalb der Werkstatt auch schon mal mit Fäusten." Geistig behindert sei der junge Mann nicht, versicherten die Betreuerinnen. "Aber wahrscheinlich steigerte seinen Frust noch die Tatsache, dass es abgelehnt werden musste, ihn in einer eigenen Wohnung unterzubringen. Er wäre mit den einfachen Dingen des Lebens wie Waschen, Zähneputzen oder Wäschewechseln nicht zurecht gekommen."

Durch Videoaufnahmen am betroffenen Autohaus, Zeitungsberichte und letztendlich auch durch unbeherrschte und unbedachte Äußerungen wie "diesen Laden müsste man in die Luft sprengen oder anzünden" machte er sich schnell verdächtig, bei Vernehmungen durch die Polizei gestand er nach anfänglicher Verweigerung schließlich die Taten. Seit Anfang Juni sitzt Sven A. in Untersuchungshaft. Die Verhandlung gegen den Brandstifter wird am Dienstag fortgesetzt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..
Hellmut Mauersberger

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