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Delitzsch Händler im Delitzscher Osten fühlen sich vernachlässigt
Region Delitzsch Händler im Delitzscher Osten fühlen sich vernachlässigt
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07:00 25.01.2018
Nadine Becher vor dem Blumenladen in der Johannes-R.-Becher-Straße. Quelle: Christine Jacob
Delitzsch

Vielleicht wäre Mario Becher schon gegangen, wenn das nicht sein Grundstück wäre. Seit 1970 betreiben die Bechers einen Blumenladen in der Johannes-R.-Becher-Straße, 2009 hat er das Geschäft übernommen. Er macht das gerne. Aber es gibt so Tage, da könnte der Blumenhändler und offizielle Pflanzendoktor alles hinschmeißen. Immer trister, so sein Eindruck, wird der einst florierende Handelsstandort im Delitzscher Osten. Ist der Stadtteil abgehängt?

Delitzscher Osten: Leute gefrustet

„Die Stadt scheint sich auf das Zentrum zu konzentrieren“, lautet der Vorwurf. Auch um seinen Blumenladen herum darben die Händler, schütteln mit dem Kopf geht es um die einst lebendige Einkaufsstraße. Die Optikerin wenige Meter weiter sah sich zur Geschäftsaufgabe gezwungen, als der Supermarkt seine Pforten schloss. Fleischer, Bäcker und der Obstladen sind schon lange dicht, die Umsätze wurden kleiner. Nun hat auch die Sparkasse ihren Standort geschlossen. „Das war die Krönung. Die Menschen hier sind sehr frustriert“, haben Nadine und Mario Becher beobachtet. Es werde immer schwerer, die Läden zu halten. Inzwischen ist Mario Becher bei einer Firma in einer gänzlich anderen Branche in Vollzeit angestellt, „sonst könnte ich den Laden gar nicht halten“, sagt er. Seine Frau steht hinter der Theke, die Öffnungszeiten mussten sie verkürzen. Und als Pflanzendoktor engagiert sich Mario Becher noch. Seit zehn Jahren hat er den vom Freistaat verliehenen aber leider nicht geschützten Titel inne, berät zu Schädlingsbekämpfung, Spritzungen und Krankheiten. Es sind alles Bausteine in einer schwierigen Lage. „Will die Stadt, dass das alles den Bach runtergeht?“, fragen die Händler.

OBM sieht Stadtteil nicht abgehängt

„Definitiv nicht“, entgegnet Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). Gegen die Schließungspläne der Sparkasse hat er sich unter anderem mit einem offenen Brief gewehrt, sich mehrfach an das Unternehmen gewandt. „Ich verurteile das Vorgehen der Sparkasse“, betont Manfred Wilde. Bei den meisten anderen Fragen allerdings steht auch eine Stadtverwaltung weitgehend chancenlos da. So gibt es nach wie vor keine Nachnutzung für den einstigen Edeka-Standort, in dem zuletzt Aldi während des Umbaus untergebracht war. „Es sind wirtschaftliche Gründe, die wir als Stadt auch nicht beeinflussen können“, erinnert Wilde. Auch für das Rathaus würde es nur sehr spärliche Informationen zu etwaigen Plänen geben. Dabei hätte die Stadt das Areal des alten Marktes gerne entwickelt, der Eigentümer allerdings ist sie nicht und so sind die Hände gebunden.

Viel passiert im Delitzscher Osten

Ansonsten sei städtebaulich gerade im Osten sehr viel passiert. Die Blöcke haben Balkonanbauten bekommen, der zumeist älteren Bevölkerung wurde mit Extras wie Rollatoren-Boxen Rechnung getragen, die Wohnbauten seien saniert. Investitionen in Größenordnungen seien auch in die Sanierung der Beerendorfer Straße, die Kita Freundschaft und die Sporthalle geflossen. An der Grundschule entsteht ein Hort-Neubau, das Areal um die Oberschule ist ebenfalls bereits Thema weiterer städtebaulicher Entwicklungen. Und schon dieses Jahr soll der einstige Möbelmarkt an der Ecke von Johannes-R.-Becher und Beerendorfer Straße abgerissen werden. Ein Investor will dort einen viergeschossigen, barrierefreien Wohnkomplex errichten. Angedacht ist zudem, dass im Erdgeschoss ärztliche Versorgung, eventuell eine Physiotherapie und ein Begegnungscafé vergleichbar dem Amselnest im Delitzscher Norden einziehen. Das könnte wieder Leben in die Johannes-R.-Becher-Straße bringen, auch Geschäftsleben.

Von Christine Jacob

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