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Hallen-Cup - Anzeige, Krisensitzung, Stadionverbote und erdrückendes Beweismaterial

Hallen-Cup - Anzeige, Krisensitzung, Stadionverbote und erdrückendes Beweismaterial

Nach den Randalen beim Fußball-Hallenturnier im Delitzscher Kultur- und Sportzentrum wurde von Seiten des Landkreises, dem Betreiber der Sportstätte, Stafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

Delitzsch. Die Polizei nahm zuvor den Schaden in Höhe von etwa 550 Euro auf.

Derweil recherchiert der FC Eilenburg (FCE), unter dessen Flagge die zur Ultra-Szene gehörenden Fans für grenzüberschreitende Stimmung gesorgt hatten, in eigener Sache für die interne Aufklärung. Schon jetzt ist klar: Aus der Muldestadt kommen wohl nur wenige der Drahtzieher.

Fotomaterial vorhanden

Namen von polizeibekannten Störenfrieden aus Halle und Magdeburg hingegen wurden auf dem vorhandenen Fotomaterial eindeutig zugeordnet. Der Landesligist, der das traditionsreiche Turnier in Delitzsch gewann, will demnächst die ersten Stadionverbote aussprechen. Das Beweismaterial, das zahlreiche Anwesende mit Digital-Kameras und Handys aufnehmen konnten, scheint erdrückend. Schon jetzt konnte die Vereinsleitung des Landesligisten FC Eilenburg eine Handvoll Namen identifizieren. Wie bereits vermutet, kann dabei von Fans des Turniersiegers nicht die Rede sein. Vielmehr handelt es sich um der Polizei einschlägig bekannte Unruhestifter aus Halle und Magdeburg, die sich am Sonntag nach vorheriger Absprache über diverse Internet-Foren zur Unruhestiftung beim Traditionsturnier in Delitzsch verabredet hatten.

Ein Drahtzieher kommt aus Eilenburg

Zumindest ein Schlüsselmann der Eskalationen soll aus der rechten Szene der Stadt Eilenburg kommen. Womöglich wurden über ihn sowie die verschiedenen sogenannten Ultra-Fanclubs die Kontakte zum FCE hergestellt. Vor etwa zwei Monaten hat sich ein solcher in der nordsächsischen Fußballhochburg formiert, bestätigte Steffen Tänzer, Vize-Präsident des FC Eilenburg, gestern. Involviert in diese Gruppierung, die sich wie die meisten solcher Verbindungen nah an der Grenze des Extremismus bewegt, sind zahlreiche Kicker aus dem höheren Junioren-Bereich (A- bis C-Jugend) des Eilenburger Vereins. Ob sich diese Jungs aber auch an den Ausschreitungen im Kultur- und Sportzentrum beteiligten, ist fraglich und nach Aussagen von zahlreichen Anwesenden bislang nicht bestätigt. Vielmehr sollen sich einige der Jungspunde von den größtenteils vermummten Radikalen distanziert haben, als diese damit begannen, sieben Sitze aus den Halterungen zu zerren und sie anschließend auf das Spielfeld zu werfen.

Stadionverbote im Gespräch

Tänzer erwartet nun von den beteiligten Vereinsmitgliedern, die ebenfalls eindeutig auf dem Bildmaterial zugeordnet werden können, eine eindeutige Positionierung. „Wir wollen möglichst schnell die Spreu vom Weizen trennen“, sagte der Rechtsanwalt, der regelmäßig Urteile im Namen des Verbandgerichts des Leipziger Fußballverbandes fällt und sich von Amtswegen her mit derlei Problematiken bestens auskennt. Für die in Delitzsch beteiligten internen und externen Unruhestifter könnten dann schon bald die ersten Stadionverbote ausgesprochen werden. Tänzer: „In den kommenden Tagen folgt eine Krisensitzung in großem Kreis mit allen Beteiligten. Dort wollen wir zunächst intern klären, was intern zu klären ist.“ Weitere rechtliche Schritte in Kooperation mit der Polizei schließt er nicht aus.

Krawallmacher kamen mit dem Zug

Die Krawallmacher bei Hallen-Cup waren vermutlich mit dem Zug in die Loberstadt gekommen. „Der große Kern hat sich wahrscheinlich in Eilenburg zusammengeschlossen und ist dann gemeinschaftlich nach Delitzsch gekommen“, vermutete Manfred Otto, der Präsident des Delitzscher Fußballverbandes, gestern. Bereits gegen 11 Uhr hatte sich die schwarz gekleidete und größtenteils vermummte Meute am Sonntag auf dem Parkplatz vor Aldi niedergelassen und mit dem Zünden von Knallern und anderen pyrotechnischen Erzeugnissen auf sich aufmerksam gemacht. Unter dem Geleit der Polizei soll die Gruppe dann zum Kultur- und Sportzentrum gebracht worden sein. „Da sich die Jungs relativ ruhig verhalten haben, haben wir sie hereingelassen“, sagte Otto, der den Wettbewerb mit organisierte. „Ihre Flaschen und Getränke mussten sie aber draußen lassen“, erklärte er. Gegen 14 Uhr wurde das Turnier um den Ur-Krostitzer-Pokal angepfiffen. Die Ausschreitungen ereigneten sich gegen 18 Uhr.

Beuchling geschockt

Artur Beuchling, der Chef des kommunalen Eigenbetriebes Bildungsstätten und somit Leiter des Delitzscher Kultur- und Sportzentrums, zeigte sich geschockt über die Geschehnisse am Sonntag: „Ich hoffe, dass die Verantwortlichen möglichst schnell zur Rechenschaft gezogen werden.“ Der Schaden sei mit etwa 550 Euro zwar noch überschaubar, sagte Beuchling. Er machte aber auch klar: „Von Ausschreitungen dieser Art hängt die Zukunft der Nutzung der Halle ab.“ Denn wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist, müsse künftig genauer bei der Zustimmung zur Vermietung beraten werden. „Ich hoffe aber, dass wir gemeinsam Lösungen finden, um den Vereinssport in dieser Halle auch weiterhin so rege am Leben zu erhalten“, sagte Beuchling.

Daniel Kaiser

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