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Handeln, bevor es wieder eng wird

Handeln, bevor es wieder eng wird

Der Worte sind genug gewechselt, nun lasst uns endlich Taten sehen. Diese Redewendung gibt auch sehr trefflich die Stimmungslage der Löbnitzer Bürger nach dem Hochwasserforum wieder.

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Dieses Foto, bei der Juniflut fotografiert von der auf 300 Meter Länge weggerissenen Staatsstraße 12 bei Löbnitz, zeigt deutlich: Das braungefärbte Wasser der Mulde sucht sich seinen Weg in den Seelhausener See. Dieser hält am Ende über 50 Millionen Kubikmeter Wasser zurück. Diesen und den Goitzsche-See möchte Andreas Berkner auch künftig als Puffer nutzen, dann jedoch reguliert durch ein Einlaufbauwerk.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Löbnitz. Denn an den fachlichen Ausführungen zum Hochwasserschutz selbst hatten die Löbnitzer nichts auszusetzen, dafür umso mehr an der bisher fehlenden Umsetzung.

Der Löbnitzer Detlef Börner brachte es so auf den Punkt: "Die Konzepte sind gut, nur hat sich bisher nichts getan. Hier herrscht Gefahr in Verzug, da kann man in der Planfeststellung doch nicht erst prüfen, ob ein Frosch furzt."

Detlef Hoffmann, CDU-Gemeinderat, der während der Flut selbst mit an der vordersten Wasserfront gekämpft hatte, lobte auf dem Forum die Einsatzbereitschaft von Jung bis Alt, die Krisen­stäbe von Gemeinde und Landratsamt, Er kritisierte aber auch, und das übrigens als Einziger an diesem Abend, die Umstände der Evakuierung von Löbnitz und Sausedlitz. Dann aber blickte er nach vorn und fragte: "Wie bekommen wir endlich Sachsen und Sachsen-Anhalt an einen Tisch? Die dürfen dort erst aufstehen, wenn es eine Lösung gibt." Er selbst sieht diese durchaus neben den Poldern in den Tagebauseen. Diese Meinung vertritt Andreas Berk­ner, Chef des Planungsverbandes Westsachsen, schon seit 2002 vehement. "Ich bin da nicht gern Prophet", führte er aus. Doch die Mulde habe sich 2013 wie schon 2002 den Weg über den Seelhausener See in die Goitzsche gesucht. Zwei Grunderkenntnisse formulierte er:

1. Die Achillessehne ist der Lober-Leine-Kanal, der dreimal die Landesgrenze wechselt und zu DDR-Braunkohlezeiten eben nicht für die Ewigkeit gebaut worden ist.

2. Die Landesgrenze verkompliziert die Situation. Hier braucht es keine Schuldzuweisungen, sondern eine gemeinsame Lösung des Problems. Denn wie viel Zeit uns die Natur gibt, wisse keiner. Fest steht für ihn, dass die Polder Löbnitz und Rösa nicht reichen.Letzterer soll im Übrigen erst bei einem 100-jährigem Hochwasser als Notbremse für Bitterfeld geöffnet werden. Berkner belegte das mit überzeugenden Zahlen: Der Seelhausener See hat im Juni 54 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten, was fast dem Stauraum der Talsperre Pöhl entspricht. Der Goitzsche-See nahm weitere 20 Millionen auf. Im Vergleich dazu: Der Polder Löbnitz wird nur 15 Millionen Kubikmeter fassen. Sein Fazit daher: "Nur mit den beiden Seen und den beiden Polder zusammen erreichen wir mit 100 Millionen Kubikmeter eine Größenordnung, die sich auch bis Dessau auswirkt." Ein Einlaufbauwerk an der Mulde bei Löbnitz, mit dem man wie über ein Ventil die Wasserzufuhr in die Seen regulieren kann, sei für ihn die Lösung. Er wusste aber auch: "Wenn wir das nicht jetzt hinkriegen, dann wird es wieder eng."

Dass selbst dies für manche nicht die erhoffte Lösung ist, wurde aber auch klar. So sagte Eberhard Böttcher vom Roitzschjoraer Kleingartenverein: "Wir werden auch künftig nicht geschützt sein, weil unsere 62 Gärten in der Polderfläche liegen. Uns stört vor allem, das wir im Überflutungsfall keine Entschädigung bekommen." Dafür müsse ebenfalls dringend eine politische Entscheidung gesucht werden, so seine Meinung.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.09.2013

Ilka Fischer

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