Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Hartz-IV-Regelung erregt Gemüter
Region Delitzsch Hartz-IV-Regelung erregt Gemüter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:05 27.09.2010
Anzeige

. Auch aus dem Sozialverband VdK im Landkreis wird im Gespräch mit der Kreiszeitung Unverständnis laut. Die Chefin des Vereins Delitzscher Tafel, Jutta Faak rückt hingegen nicht das Geld, sondern die Bildung in den Vordergrund.

Das Statistische Bundesamt hatte analysiert, was Menschen mit kleinem Einkommen monatlich ausgeben können. Die Berechnungen sollen zeigen, wo das Existenzminimum liegt. Für den Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft aus Landkreis Nordsachsen und Agentur, Frank Germer, ging es dabei von vornherein nicht um die Erhöhung der Regelleistungen. Vielmehr sei eine nachvollziehbare Aufschlüsselung der Leistungen erfolgt. „Der Betrag konnte für meine Begriffe nicht viel höher ausfallen, um keine weiteren sozialen Ungerechtigkeiten zwischen Arbeitslosen und Arbeitnehmern zu provozieren", so Germer. Der Arge-Chef sprach damit das nächste Problem an. Denn im sogenannten Niedriglohnbereich (beispielsweise Handel und Dienstleistungen) sind die monatlichen Bezüge oft geringer als die Leistungen, welche Hartz-IV-Betroffene beziehen. Dadurch sind Versicherungspflichtige, die Arbeit haben, auf aufstockende Sozialleistungen angewiesen.

Für Anja Emmrich ist die Neuberechnung ein Witz. „Dann können sie das doch auch gleich lassen", sagte die 33-jährige Eilenburgerin. Für zwei ihrer fünf Kinder bekomme sie keine Regelleistungen, nur Kindergeld. „Dabei sagt der Staat immer, dass mehr Kinder geboren werden sollen." Zudem heiße es, dass Hartz-IV-Empfänger arbeiten gehen sollen. Es sei aber schwer vorstellbar, dass für alle auch Arbeit da sei.

Andreas Tüpke aus Bad Düben, der als Künstler nicht von seiner Arbeit leben kann und Hartz IV bezieht, hält die Regierungspläne „für einen Aprilscherz". Fünf Euro mehr sei „das Allerletzte", erklärt er. „Ich habe eine Tochter und würde gern mal mit ihr ins Kino gehen. Selbst mit fünf Euro mehr könnte ich mir das nicht leisten. Das ist eine Frechheit für alle, die arbeiten wollen. Warum geht die Politik nicht mal an die Banker ran, die viele Menschen in den Ruin getrieben haben?"

Auch Jürgen Weise, der Kreisverbandsvorsitzende des Sozialverbandes VdK, bezeichnet die Regelsatz-Erhöhung als „Tropfen auf den heißen Stein für alle die, die das Geld dringend brauchen". Die Schere zwischen Arm und Reich werde immer größer, es sei deshalb Zeit für eine gerechtere Lastenverteilung. Der VdK habe auf Bundesebene gegen die Regierungspläne protestiert.

Die Chefin der Delitzscher Tafel, Jutta Faak, sieht Investitionen in die Bildung als vordringlich an. „Die Kinder von Hartz-IV-Betroffenen dürfen nicht abseits stehen. Wer etwas kann, findet in Zeiten des Fachkräftemangels auch einen Arbeitsplatz." Und damit einen Platz in der Gesellschaft.

pfü/ka/nf/KW

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Delitzsch. Die Überraschung ist gelungen. Am Sonnabend und damit passend zur zu Ende gehenden Woche des bürgerschaftlichen Engagements kann es der Leiter des Katastrophenschutzzuges des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Lothar Beckmeier, kaum fassen.

26.09.2010

Delitzsch. Die Kinder wollen alle mitmachen, ein Loch ins Brett bohren, Puppenwäsche waschen oder Schlagsahne zu Butter machen. Das Besondere daran: Sie verzichten dafür auf den Strom.

24.09.2010

Auch die Stadt Delitzsch bewirbt sich um die Landesgartenschau 2015. Wie Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) am Freitag mitteilte, stimmte der Delitzscher Stadtrat einstimmig für die Abgabe einer Bewerbung.

24.09.2010
Anzeige