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Delitzsch Hat Delitzsch ausreichend Ärzte?
Region Delitzsch Hat Delitzsch ausreichend Ärzte?
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06:01 14.05.2018
Delitzsch ist in Sachen Medizin rein zahlenmäßig gut aufgestellt. Quelle: lenetsnikolai - stock.adobe.com
Delitzsch

Das Sitzen im Wartezimmer kann einen krank machen, sofort gibt es keinen Termin und kürzere Wege wären auch toll – so weit das subjektive Empfinden in Sachen ärztlicher Versorgung in Delitzsch. Der objektive Expertenblick zeichnet ein anderes Bild.

Nüchterne Zahlen entscheiden

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) hat die nüchternen Zahlen. Für Hausärzte gilt beispielsweise, dass ein Hausarzt grundsätzlich erstmal 1671 Einwohner zu versorgen hat. „Um regional unterschiedliche Altersstrukturen in der Bevölkerung abbilden zu können, werden die Verhältniszahlen allerdings durch einen Korrekturfaktor – den sogenannten Demografiefaktor – angepasst“, erläutert KVS-Sprecherin Simone Pflug. In der allgemeinen fachärztlichen Versorgung wie zum Beispiel bei Kinderärzten variieren die Verhältniszahlen zudem regional, um sogenannte Mitversorgungseffekte abbilden zu können. Eine Großstadt wie Leipzig versorgt ihr Umland mit.

Überversorgung überall

Der Planungsbereich Delitzsch besteht in der Hausärztlichen Versorgungsebene aus der Loberstadt selbst sowie den Gemeinden Krostitz, Löbnitz, Rackwitz, Schönwölkau und Wiedemar. Die angepasste Verhältniszahl in der Arztgruppe der Hausärzte beträgt nun 1617 Menschen. Als Verhältniszahl wird die Relation zwischen einem Arzt und der durch ihn zu versorgenden Einwohnerzahl bezeichnet, diese beschreibt dann das Soll-Versorgungsniveau. Bei einer hier zu versorgenden Bevölkerung von 43 244 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016) entspricht die aktuelle Zahl an Hausärzten in der Region Delitzsch laut KVS mit 29,5 in Vollzeitbeschäftigteneinheiten (VBE) einem Versorgungsgrad in Höhe von 110,3 Prozent. Das heißt: Der Planungsbereich ist für die Neuzulassungen von Hausärzten aktuell gesperrt, Bedarf ist nicht da – selbst wenn das subjektive Empfinden mal ein anderes sein mag.

So sieht es laut den Experten auch in anderen medizinischen Bereichen aus. Die Verhältniszahl in der Arztgruppe der Kinderärzte beträgt 2887. Bei einer betroffenen Bevölkerung von 17 395 Einwohnern unter 18 Jahren entspricht die aktuelle Zahl an Kinderärzten in der Region mit zehn VBE einem Versorgungsgrad in Höhe von sogar 166 Prozent.

Kein Bedarf bei Zahnärzten

Bei sieben Augenärzten (Bevölkerungszahl: 113 757, Verhältniszahl 20 129) ergibt sich ein Versorgungsgrad von 123,9 Prozent. Ähnlich sieht es bei Frauenärzten aus, elf kommen auf eine Verhältniszahl von 6436 und eine Bevölkerungszahl von 57 345 – das macht einen Versorgungsgrad von 123,5 Prozent. Fünf Hautärzte bei einer Bevölkerung von 113 757 und einer Verhältniszahl von 40 676 machen 178,8 Prozent. Die sieben Orthopäden sind für eine Verhältniszahl von 25 518 zuständig – macht 157 Prozent. Ergo: Bedarf gedeckt. Auch die Kassenzahnärtzliche Vereinigung sieht keinen weiteren Bedarf. Im Planungsbereich Nordsachsen waren zum Stichtag 31. Dezember 2017 124 Vertragszahnärzte niedergelassen sowie 21 angestellte Zahnärzte tätig. Versorgungsgrad: 117,9 Prozent.

Bedarf für Krostitz und Schönwölkau

Dass das Wartezimmer manchmal zu voll ist, ist nicht überall nur ein subjektives Empfinden: Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen hat zumindest „einen zusätzlich lokalen Versorgungsbedarf“ für die hausärztliche Bezugsregion Krostitz, also die Gemeinden Krostitz und Schönwölkau, ausgemacht. Hier wurde bereits die Förderung der Übernahme einer Praxis beziehungsweise eines Hausarztsitzes ausgelobt. Das beinhaltet eine Förderpauschale in Höhe von einmalig 60 000 Euro sowie die Gewährung eines Mindestumsatzes für maximal zwei Jahre.

Von Christine Jacob

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