Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Haube schwebt über Sprödaer Kirche – Turm des Gotteshauses wird saniert
Region Delitzsch Haube schwebt über Sprödaer Kirche – Turm des Gotteshauses wird saniert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 27.04.2017
Geschafft. Vorsichtig setzt der Autodrehkran die Haube des Sprödaer Kirchturmes auf dem Friedhofsgelände neben dem Gotteshaus ab. Quelle: Wolfgang Sens
Anzeige
Spröda

Es geschieht nicht alle Tage, dass vom Turm einer Kirche die Haube abgenommen wird. In einem kleinen Ort wie Spröda kommt dies einer kleinen Sensation gleich. Dass der Kirchturm jetzt saniert werden kann, ist nicht zuletzt dem aktiven Wirken des 2015 gegründeten Fördervereins zu danken, mit dem viel Bewegung in das Bestreben gekommen ist, die von 1733 bis 1736 im Barockstil erbaute Kirche mit einer Sanierung der Nachwelt zu erhalten.

Oktogon wird abgetragen

Das soll in mehreren Schritten erfolgen. „In diesem Jahr ist der zirka 35 Meter hohe Turm von oben bis unten dran“, erklärt Pfarrer Matthias Taatz. Im oberen Bereich des Turmes ist die Fachwerkkonstruktion instabil geworden. Vor rund 15 Jahren ist deshalb eine Notsicherung mit einer Hilfskonstruktion vorgenommen worden. Nun hat die Kirchgemeinde die Mittel zusammenbekommen, um die konstruktiven Mängel beseitigen lassen zu können „Teile des tragenden Fachwerkes sind bereits nicht mehr vorhanden, der Turm steht nur noch wegen der Hilfskonstruktion, die aber auch an ihre Grenzen gekommen ist, sodass eine Reparatur nicht mehr sinnvoll erscheint“, sagt der betreuende Architekt Andreas Rüdiger . Deshalb wird das in Oktogonform (achteckig) errichtete Teilstück des Turmes zirka fünf bis sechs Meter bis auf Höhe des Dachfirstes des Kirchenschiffes abgetragen. Dazu sei es erforderlich, die Turmhabe abzunehmen, so Rüdiger weiter. Anschließend soll der Turm neu aufgemauert werden. „Er ist in den vergangenen 100 Jahren nie richtig angefasst worden. Die letzte Renovierungswelle hatten wir vor dem Ersten Weltkrieg“, berichtet der Pfarrer. Nun sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Und dazu gehört auch, dass die Haube eine neue Eindeckung aus Schiefer erhält, die jetzt noch aus Zinkblech besteht, wie es in der DDR-Zeit aufgrund mangelnder Ressourcen gang und gäbe war.

Balanceakt

Das Herunterheben der Haube gestletet sich am Montag nicht ganz einfach. Uwe Michael musste sein ganzes Können aufbieten, um den 80 Tonnen schweren Kran auf dem sehr weichen Untergrund zu stabilisieren. Gegen 12.30 Uhr hing die sechs Tonnen schwere Haube dann endlich am 45 Meter weit ausgefahrenen Ausleger des Kranes und schwebte sicher hinab.

140 000 bis 150 000 Euro sind für die Turmsanierung veranschlagt. Rund 45 000 Euro bringt die Kirchgemeinde davon als Eigenmittel ein. Fördergelder kommen vom Denkmalschutz, aus dem europäischen Leaderprogramm, aus der Baulastförderung und von der Stiftung Preußisches Kulturerbe. „Letztere Gelder können wir als Eigenmittel einsetzen, was die Kirchgemeinde natürlich sehr entlastet“, so Pfarrer Taatz.

Bezüglich der kalkulierten Kosten ist der Geistliche skeptisch, denn „es könnte dennoch eng werden“. Am Glockenstuhl sind nämlich auch Schäden festgestellt worden. „Der müsste jetzt gleich mit erneuert werden. Schön wäre es, wenn wir das mit unserem Budget hinbekommen würden.“

In einem späteren Bauabschnitt soll dann das Dach des Kirchenschiffes neu gedeckt werden. Derzeit ist es mit Betondachsteinen aus den 1980er-Jahren gedeckt.

Geld aus des Königs Schatulle

Das Besondere an Spröda ist, dass es bis 1816 zum Kloster/Amt Petersberg bei Halle/Saale gehörte. 1697 verkaufte der sächsische Kurfürst August der Starke wegen Geldmangels das Amt an das Kurfürstentum Brandenburg, das spätere Königreich Preußen. Somit wurde Spröda eine preußische Exklave in Sachsen. Die heutige Kirche wurde auf einer kleineren baufälligen errichtet. 1742 wurde der Turm fertiggestellt. Überliefert ist, dass König Friedrich Wilhelm I. von Preußen mit 730 Reichstalern aus seiner Privatschatulle wesentlich zum Bau der Kirche beigetragen haben soll. Deshalb stellt die Wetterfahne des Kirchturmes den brandenburgisch-preußischen Adler dar. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch die finanzielle Unterstützung seitens der Preußenstiftung.

Von Thomas Steingen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Unfall mit Gefahrgutstoffen kann jederzeit passieren. Das sind die Einsatzkräfte der Feuerwehren gefordert. Am Wochenende erprobten die Gefahrengutzüge Delitzsch und Oschatz auf dem Gelände des Schullandheimes Reibitz diverse ABC-Einsätze.

23.04.2017

Eigentlich sind sie schon vergangenes Jahr 25 geworden. Aber die Mädchen und Jungen der Delitzscher Jugendfeuerwehr werden erst in diesem Jahr feiern. Das hat gute Gründe. Mit einem Tag der offenen Tür sollen 25 Jahre Jugendwehr gesondert gewürdigt werden.

23.04.2017

Ein ansprechendes Plakat, ein informativer und doch nicht überfrachtet gestalteter Flyer, ein überzeugendes Logo, ein aufgeräumt wirkender Briefbogen. Man kann das sehen in Delitzsch. Doch wer steckt eigentlich dahinter? Wer hat das gemacht?

22.04.2017
Anzeige