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Delitzsch Haus Biesener Bogen startet – mit Therapien und Förderung für Kinder
Region Delitzsch Haus Biesener Bogen startet – mit Therapien und Förderung für Kinder
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15:24 30.09.2016
Einrichtungsleiterin Sandra Neuhaus (links) führt die Gäste durch den Gemeinschaftsraum mit Koch- und Essbereich. Quelle: Wolfgang Sens
Biesen

Im kleinen Rackwitzer Ortsteil Biesen startet an diesem Samstag etwas Großes: eine Wohnanlage für Kinder in schwierigen Lebenslagen, das landesweit ihres gleichen sucht. Rund zwei Millionen Euro investierte der Kreisverband der Volkssolidarität – mehr als in jedes andere seiner Vorhaben bisher. Doch der immense Bedarf an solch einer Einrichtung gab den Ausschlag. Die Anfragen kommen sogar aus benachbarten Bundesländern.

Haus Biesener Bogen heißt das Objekt, nüchtern benannt nach seiner Adresse im expandierenden Biesener Eigenheimgebiet. Der Flachbau, eingebettet in ein 5700 Quadratmeter großes Gelände, zeichnet sich durch große Fenster und eine Mischung an Privatsphäre und Gemeinschaftsräumen aus. Der Grundriss entfaltet sich wie ein Schmetterling, die Einzelzimmer der Kinder umsäumen die zentralen Aufenthaltsbereiche wie Flügel. Eine architektonische Metapher – sollen die Kinder doch hier beflügelt werden, ihren Weg in ein geordnetes Leben zu finden. Dass die Volkssolidarität mit dieser Hilfe bereits bei 6- bis 14-Jährigen ansetzt und nicht erst, wie anderswo üblich, im fortgeschrittenen Jugendalter, macht dieses Angebot so außergewöhnlich.

Vor-Eröffnung mit geladenen Gästen

Am Donnerstag war Vor-Eröffnung mit geladenen Gästen. Politiker und Bauleute machten sich ein Bild vor Ort. Sektlaune, Feierstimmung. Ein Durchatmen, bevor an diesem Wochenende der Alltag beginnt. Am Samstag ziehen die ersten Kinder ein. Zunächst in die heilpädagogische Wohngruppe, die den rechten Flügel des Hauses bildet. Mädchen und Jungen mit Lernschwächen oder geistigen Behinderungen erhalten hier Förderung. Ein Bereich mit acht Plätzen. Jedes Zimmer hat Bett, Schränke und Regale und viel Platz für Individualität. „Im Detail kann sich jedes Kind seinen Raum selbst gestalten“, sagt Einrichtungsleiterin Sandra Neuhaus. Schließlich bleibt mancher kleine Gast über mehrere Jahre. „Wir haben hier auch ein behindertengerechtes Zimmer. Dadurch können wir auch ein Kind im Rollstuhl aufnehmen.“

Blick in eines der Zimmer. Quelle: Wolfgang Sens

Voraussichtlich ab Dezember soll der zweite Flügel, die therapeutische Wohngruppe, belebt werden. Dort kommen bis zu sieben Kinder mit sozial-emotionalen Beeinträchtigungen unter. Es gibt dort auch ein Elternzimmer, für Besuche am Wochenende. Und einen Raum für den Psychologen, der künftig regelmäßig vor Ort sein soll – ein Fachmann von der Uni Leipzig, mit der die Volkssolidarität kooperiert. Auch an Platz für Sport ist gedacht. Sowie an eine Hängematte in einem Zimmer, wo die Kinder zur Ruhe kommen können.

Ergänzung zum bestehenden Kinderheim

Die Einrichtung am Biesener Bogen ergänzt das bereits seit Jahrzehnten bestehende Kinderheim an der Eilenburger Chaussee, rund 200 Meter Luftlinie entfernt. Im „Guthaus Biesen“ werden, ebenfalls in Trägerschaft der Volkssolidarität, Sprösslinge aus krisengeschüttelten Familien betreut. „Im Gutshaus geht es vordergründig um ein sicheres Zuhause“, erklärt Andrea Schnelle, die das Haus lange Zeit leitete und nun beim Träger den übergeordneten Bereich Stationäre Hilfen übernommen hat. Für Kinder, die wegen geistiger oder emotionaler Defizite eine besondere Begleitung brauchen, fehlt es im Kinderheim an Raum und Personal.

„Es war deshalb dringend notwendig, in ein zusätzliches Angebot zu investieren“, betont Volkssolidaritäts-Geschäftsführerin Anke Thiedmann. Zwei Millionen Euro zusammenzubekommen, beschreibt sie als Marathonlauf. Neben Eigenmitteln und einem Bankdarlehen stecken auch Bundeskreditmittel und das Geld zweier Stiftungen in der Summe. Auch der Bau selbst war ein Kraftakt – „den die Vollack GmbH allerdings hervorragend bewältigt hat“, lobt Thiedmann. Noch rund zwei, drei Wochen, dann soll auch das Außengelände des Hauses Biesener Bogen fertig sein.

Was noch fehlt, ist weiteres Personal. Bis zur Eröffnung der zweiten Wohngruppe werden zusätzliche Fachkräfte mit sozialpädagogischer Grundausbildung benötigt. Bewerbungen sind willkommen. Voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres, kündigt Andrea Schnelle an, soll es dann einen Tag der offenen Tür geben. Dann sin auch die Nachbarn eingeladen.

Von Kay Würker

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