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Hier fährt der Chef noch selbst - Taxiunternehmer feiern und fürchten

Hier fährt der Chef noch selbst - Taxiunternehmer feiern und fürchten

Delitzsch. Seit einem Vierteljahrhundert sind Andreas Eberwein und Frank Schanz selbstständige Taxiunternehmer. Dieser Tage feierten sie Jubiläum. Während bei Eberwein noch vier Festangestellte im Betrieb tätig sind, schlägt sich Schanz als Ein-Mann-Unternehmen durch.

anz als Ein-Mann-Unternehmen durch. Beiden ist wichtig: Hier fährt der Chef noch selbst.

Vom aktuellen Bahnstreik profitieren die Unternehmen nicht wirklich. Klar, gebe es die eine oder andere Fahrt zusätzlich, aber die Situation sei fast mit Silvester zu vergleichen: Alle wollen zur gleichen Zeit irgendwo hin, meist zur Arbeit. "Was wir für unsere Kunden machen können, machen wir schon", sagen die Unternehmer unisono. Ein Beruf zum reich werden, sei Taxifahren allerdings nicht. Auch das Trinkgeld sitze längst nicht mehr so locker, wie früher. Dabei müssen sie sich nicht nur auf ihre Erfahrungen der vergangenen 25 Jahre beziehen, denn sie saßen bereits vor der Wende im Taxi. Frank Schanz fing 1978 beim Kraftverkehr Delitzsch an. Andreas Eberwein, einst Hochseefischer, suchte eine Beschäftigung während des Landganges. "Autofahren war schon immer meine Leidenschaft, also fuhr ich Taxi", berichtete er. Und dann sei er einfach dabei geblieben. Aus seiner Sicht machen heute 80 Prozent des Umsatzes die sogenannten Krankenkassen-Fahrten zum Beispiel zur Dialyse aus. Das seien feste Größen, planbar von der Zeit her. Zum Teil kenne man sich schon ewig. Einen speziellen Fahrgast chauffiert Ebenwein seit 18 Jahren, jeden zweiten Tag. "Natürlich wird man da auch mit Schicksalen und nicht so schönen Familiengeschichten konfrontiert", erklärte er. Die höre man sich schon an, aber die blieben auch im Auto. Diskretion sei auch eine Tugend, die in der Branche und von den Kunden geschätzt wird. Als Taxifahrer sei man immer auf Abruf und wartet auf den nächsten Fahrgast, sagten beide. Die Freizeit zu planen, sei deshalb schwierig. Natürlich sind es vor allem die längeren Strecken, die die Kasse klingeln lassen. Andreas Eberwein erinnert sich deshalb gern an die Tour mit zwei älteren Damen, die nach Genua, der Hauptstadt der italienischen Region Ligurien, wollten. "Sie mussten dort unbedingt ihr Schiff erreichen." Auch wenn Leute zur Kur müssen, nehmen sie manchmal das Taxi, an die Ostsee zum Beispiel. 27 Autos hat der Benndorfer in den 25 Jahren verschlissen, ungefähr 7,5 Millionen Kilometer zurückgelegt. Wie viel Treibstoff er verfahren hat, rechnet er noch aus. "Eine kleine Erdölquelle dürfte es schon sein", scherzte Eberwein. Ganz auf diese Zahlen kommt Frank Schanz als Alleinfahrer nicht. Bei ihm sind es jedes Jahr etwa 60 000 Kilometer, macht zusammen etwa 1,5 Millionen Kilometer im Vierteljahrhundert. "Alle vier bis fünf Jahre brauche ich deshalb einen neuen Wagen." Als Retter in der (Zeit)Not betätigen sich die Taxifahrer auch schon mal als Weckdienst. "Den Flieger verpasst, hat bei mir noch keiner", weiß Frank Schanz. Auch wenn er so manchen Fahrgast noch im Schlafanzug sah und der Abflugtermin unmittelbar bevorstand.

In Delitzsch sei es, was den Taxibetrieb betrifft, mit den Jahren ruhiger geworden. Und das nicht nur am Bahnhofsvorplatz. Von den einst über 20 Taxis gibt es jetzt nur noch sechs. Eberwein als auch Schanz befürchten zudem, dass es noch schwieriger werden wird, sich zu behaupten. Ab 1. Juni treten neue Tarife in Kraft. "Dann kostet beispielsweise eine Fahrt von Delitzsch nach Leipzig nicht mehr 40 sondern 50 Euro", erklärte Frank Schanz, Vorsitzender des Delitzscher Taxivereins. Viele werden es sich dann einmal mehr überlegen, ob sie ein Taxi ordern. "Die Stammkundschaft hoffentlich nicht", sagen beide. Der Mitteldeutsche Taxitarif habe nie die Zustimmung der Delitzscher gefunden. "Wir wollten ihn nie", so Eberwein. Kommen wird er dennoch, weil offenbar die anderen Kollegen aus Nordsachsen dem zugestimmt haben. Die beiden Taxiunternehmer Eberwein und Schanz befürchten einen Einbruch mit Blick auf die Umsatzzahlen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.05.2015
Ditmar Wohlgemuth

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