Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Hobbyfilmer Eckhard Bussian aus Löbnitz räumt viele Preise ab

Kurzfilme Hobbyfilmer Eckhard Bussian aus Löbnitz räumt viele Preise ab

„Casting“, „Zecken und Zebus“ oder „Mein Camino“ – so heißen die Kurzfilme, die Eckhard Bussian dreht – und für die der 78-Jährige aus Löbnitz schon viele Preise gewonnen hat. Das Filmen ist bereits seit den 1960er-Jahren sein Hobby.

Eckhard Bussian mit seiner Kamera.

Quelle: Wolfgang Sens

Löbnitz. Eckhard Bussian ist ein Mann, der mit besonders offenen und wachen Augen seine Umwelt wahrnimmt – und dabei Dinge entdeckt, die andere womöglich gar nicht als so interessant empfinden. Der Löbnitzer Tierarzt ist Hobbyfilmer mit Leidenschaft und kann jetzt, nachdem er über Jahrzehnte hinweg an der Kamera stand, natürlich auch mit jeder Menge Erfahrungen aufwarten. Er ist zudem einer, der mit seinen aussagekräftigen Kurzfilmen schon mit Preisen auf Landes-, Bundes- und internationaler Ebene geehrt wurde. Seine Urkunden füllen bereits einen ganzen Ordner. Doch für ihn ist es der Prozess des Filmens selbst, der ihn immer wieder antreibt. Ideen scheinen ihm nicht auszugehen. Es sind vor allem die Situationen, die ihm das Leben selbst bietet, die er aufgreift, mit der Kamera festhält oder eben als Inspiration versteht.

Ein Drehbuch gibt es nicht

„Die Filme entstehen intuitiv, sie haben aber von Beginn an immer einen roten Faden, dem ich folge.“ Ein Drehbuch, in dem schwarz auf weiß geschrieben steht, wann welche Szene wie aussehen soll, gibt es in aller Regel bei ihm nicht. „Ich habe aber ganz genau im Kopf, wie der Film am Ende aussehen soll und mit diesen Ideen entsteht der Streifen.“ Dass er zumeist viel zu viel Material sammelt, weiß der Hobbyfilmer längst. Er wollte und will sich dabei trotzdem nicht bremsen, hält fest, was er für wichtig empfindet. Getreu dem Motto „Irgendwann braucht man es (vielleicht)“ wird vieles von dem, was die Kamera aufnimmt, archiviert. Vor allem jetzt, in Zeiten der Digitalfilmerei, geht das Materialsammeln noch schneller, weil es eben viel einfacher geworden ist und kaum mehr Kosten verursacht.

Auch mit der Super-8-Kamera kann Eckhard Bussian noch umgehen

Auch mit der Super-8-Kamera kann Eckhard Bussian noch umgehen.

Quelle: Wolfgang Sens

Früher, als Eckhard Bussian noch mit der Super-8-Kamera filmte, war die Motivsuche deutlich aufwendiger, um möglichst wenig teures Filmmaterial zu vergeuden. Das Handwerk des Schneidens der Filme mit Nass- oder Trockenklebepressen ist ihm bis heute noch geläufig. Die Technik dazu besitz

t er auch noch. Sie ist mittlerweile museumsreif. Nur, wenn er mal einen der älteren Filme in den Projektor einspannt und das Material tatsächlich aus Altersgründen reißt, muss er zur altbewährten Handarbeit übergehen. Problematisch ist das nicht für ihn. Und so oft muss er auch nicht auf seine alten Filme zurückgreifen, auch wenn er es gerne täte. Schließlich spiegeln sie Vergangenheit wider, die mitunter zu schnell in Vergessenheit gerät. Zumeist sind es dann aber Vorführungen im ganz privaten Kreis. So wie erst kürzlich, als er einen Film für seine Tochter zum 50. Geburtstag produzierte und dabei auf viele Aufnahmen zurückgriff, an die sie sich nur noch schwach erinnern konnte. „Sie ist ein Kind, das auf dem Land aufgewachsen ist. Wir hatten damals viele Haustiere. Wie sie damit umging, zeigt genau dieser Film“, erklärte Eckhard Bussian und machte damit seiner Tochter eine große Freude.

Kirche wird zum Kinosaal

In Löbnitz wird aber auch schon mal die Kirche zum Kinosaal. So zum Beispiel 2002, als Bussian seinen Streifen „Zecken und Zebus“ präsentierte. Es war einer der ersten Filme, die er mit einer Digitalkamera drehte und gleichzeitig der Wiedereinstieg in ein zeitaufwendiges Hobby. Bis dahin hatte Eckhard Bussian etwa 15 Jahre ausgesetzt, die Kamera selten bis gar nicht in die Hand genommen. „Ich war damals beruflich sehr eingespannt, hatte wenig Zeit für mein Hobby, das mir immer viele glückliche Momente und Entspannung verschafft hat“, so der heute 78-jährige Tierarzt.

Für ein halbes Jahr war er über den Senior Experten Service – SES, eine Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit – ehrenamtlich in Tansania in Afrika eingesetzt. Seine Aufgabe war es, Tauchbäder für Rinder, sogenannte Cattle-Dips, wieder zu reaktivieren. Zebu-Rinder werden von den Massai gezüchtet. Sie leiden unter Zecken, die tödliche Krankheiten wie das Ostküstenfieber übertragen.

Ein Tauchbad kann die Tiere davon befreien. Zunächst wurden die Bäder von der Regierung finanziert, doch ab 1997 gab es dafür kein Geld mehr. Die Tierbestände brachen ein und die Massai hatten große Kälberverluste“, berichtete Eckhard Bussian. Am Ende des Aufenthaltes bedankte sich der Clan-Chef der Massai: Euch hat Mungo (Gott) geschickt! „Wir waren glücklich, dass wir helfen konnten. Seitdem schätzen meine Frau und ich viele Dinge ganz anders und versuchen, sorgsam mit Wasser und Lebensmitteln umzugehen“, betonte der immer noch aktive Veterinärmediziner. Was er in Afrika erlebte, wollte er unbedingt mitteilen. Ein zehnminütiger Film entstand und bekam prompt einen internationalen Preis.

Goldmedaille auf Filmfestival

Nicht minder erfolgreich war auch der Film „Mein Camino“ (Mein Weg). Beim sächsischen Filmfestival erhielt er die Goldmedaille. „Er war eine echte Familienproduktion. Meine Frau führte erstmals Regie, ich habe nur gefilmt“, erzählte der Löbnitzer. Beschrieben wird eine 200 Kilometer lange Pilgerfahrt mit dem Rad nach Santiago de Compostella. Entstanden ist ein 20-minütiger Streifen.

Ohnehin ist die Ehefrau von Eckhard Bussian, Ingeborg Bussian, eine große Hilfe beim Zusammenstellen der Filme. Oft dränge sie darauf, die Szenen kürzer zu halten, auch mehr Dynamik reinzubringen. In aller Regel dürften Kurzfilme nicht länger als 20 Minuten dauern. Länger könne man die Aufmerksamkeit der Betrachter zumeist nicht hochhalten ohne sie zu langweilen. „Meine Frau ist schon sehr kritisch, sie ist schließlich auch meine erste Zuschauerin“, betonte Bussian. Und er findet es gut, denn sie geht mit seiner Sache mit. Oft habe sie auch Recht mit ihren kritischen Anmerkungen, räumte der Ehemann ein.

Lutherfilm zum Jubiläum

Für den in diesem Jahr entstandenen Lutherfilm, der den Reformator auf einigen seiner Stationen einschließlich Löbnitz zeigt, sammelte Eckhard Bussian mehrere Jahre Material. Das allein war schon eine Fleißarbeit. Das Material zu komprimieren und auf die gewünschte Länge zu bringen, mit Ton zu unterlegen, hat Monate gedauert und jede Menge Ausdauer gebraucht.

Dass jeder Film in der Herstellung seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit hat, braucht Eckhard Bussian nicht zu betonen. Die Ergebnisse zeigen es einfach. Der Umgang mit den jetzt digitalen Schnittprogrammen hat er sich autodidaktisch beigebracht und lernt immer noch Neues dazu.

Dass manchmal das Filmmaterial eher da ist, als die wirkliche Geschichte dazu, zeigte sich bei beim Streifen „Casting“, mit dem Bussian bei einem Wettbewerb auftrat, bei dem nur Einminutenfilme zugelassen sind. Bei einem Spaziergang im Dorf hatte er einen Stier auf einer Wiese beobachtet. Später, als das Material auf dem Bildschirm gesichtet wurde, stellte er mit einem Lachen fest, dass sich der Vierbeiner genauso verhält wie bei einem echten Casting im Fernsehen. „Er hat sich ständig in Position gestellt, mit der Kamera fast gespielt. Daraus entstand dann der Streifen.“

Muldehochwasser festgehalten

Eckhard Bussian hat auch die dramatischen Wochen der beiden Muldehochwasser in Löbnitz und in der Region festgehalten und damit etwas für die Nachwelt bewahrt, was in dieser Form hoffentlich nicht wieder auftreten wird. Für diesen Film gab es beim Eilenburger Filmfestival den Preis des Oberbürgermeisters.

Das neueste Projekt in Sachen Film wird noch nicht verraten. Nur soviel sei gesagt: vor einem Jahr hat er eine Langzeit-Dokumentation im Kindergarten Löbnitz begonnen. Dieser Film soll noch in diesem Jahr fertig werden. Ein Drehbuch gibt es auch in diesem Fall nicht. Ist eigentlich auch egal, solange der Regisseur weiß, wo es hingehen soll.

Von Ditmar Wohlgemuth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Delitzsch
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Geld für Vereine der Region
    Mikrologo Angestust

    Mit der Aktion „Angestupst“ unterstützen LVZ und Sparkasse Leipzig die Vereine der Region. Die nächste Runde läuft - jetzt mitmachen und bewerben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

Blättern Sie in der prall gefüllten Veranstaltungsbeilage und entdecken Sie die Termine aus den Städten und Gemeinden. mehr

19.08.2017 - 05:12 Uhr

Hochspannung beim Auftakt der Nordsachsenliga / Mügeln peilt in Beilrode die ersten Punkte an

mehr
  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr