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Delitzsch Hochwasser - Situation relativ normal bis katastrophal
Region Delitzsch Hochwasser - Situation relativ normal bis katastrophal
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16:50 19.05.2015

Ansonsten stabilisierte sich die Situation weiter. Eilenburg konnte bereits früh freigegeben werden. In den überschwemmten Ortschaften dauert der Kampf um Normalität an, dominieren nach wie vor katastrophale Zustände den Tagesablauf. Denn noch immer heißt es abwarten, dass das Wasser zurückgeht. Und auch der Blick an die Elbe und nach Bitterfeld-Wolfen ist ein sorgenvoller.

Der Schwerpunkt der Hochwasserbekämpfung im Landkreis Nordsachsen lag gestern nach wie vor auf der Mulde-Region. Die Mulde-Pegel an den für Nordsachsen relevanten Hochwassermeldestellen Golzern und Bad Düben fallen. Für die Meldestelle Golzern gilt aktuell nur noch Alarmstufe 3. Es ist gelungen, dass die Innenstädte von Bad Düben und Eilenburg bisher vom Wasser weitgehend frei gehalten werden konnten, teilt Landkreissprecher Rayk Bergner mit.

Sorgen bereitete auch gestern noch das aufgestaute Mulde-Wasser im Bereich nordwestlich von Löbnitz. Vertretern der Katastrophenschutzstäbe der Landkreise Nordsachsen und Anhalt-Bitterfeld sowie der Landestalsperrenverwaltungen stimmten sich auch mit Fachberatern über die gezielte Entlastung des Seelhausener Sees und der Goitzsche ab. Mit einer kontrollierten Sprengung des Muldedeiches in diesem Abschnitt sollte das in den Seelhausener See einströmende Wasser unterbunden werden. Dienstag um 20.55 Uhr wurde bereits nach stundenlangen Verzögerungen gesprengt. Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus. Über den Lober-Leine-Kanal sowie den gesprengten Deichabschnitt kommt es zu einer Entlastung des Seelhausener Sees. Das Wasser wird dadurch in die Mulde zurückgeführt. Es werden weitere Maßnahmen vorbereitet und ergriffen, um den Abfluss vom Seelhausener See in die Mulde zu erhöhen. Gestern Abend sollte erneut gesprengt werden.

Für die Elbe-Region ist Katastrophenalarm ausgelöst. Das Überschreiten der Hochwasseralarmstufe 4 (Richtwasserstand 7,80 Meter) an der Hochwassermeldestelle Torgau ist erreicht. Derzeit kämpfen die Städte und Gemeinden entlang der Elbe mit Unterstützung an der Hochwasserschutzfront. Darüber hinaus werden intensive Vorbereitungen für mögliche Evakuierungsmaßnahmen im Katastrophengebiet getroffen. Evakuiert sind inzwischen die Ortschaften Seydwitz (Gemeinde Belgern-Schildau) und Außig (Gemeinde Cavertitz). Der Pegel steigt stark. Der Maximalpegel wird Freitag in den Morgenstunden erwartet. Prognostiziert sind 9,10 Meter bis 9,45 Meter, ähnliche Werte wie 2002. Heißt: Auch Torgau muss zittern, hoffen und bangen. Die Bundeswehr ist mit 170 Soldaten des Fernmelde-Bataillons Frankenberg in Torgau im Einsatz. Von der Unteroffizierschule des Heeres Delitzsch helfen 50 Soldaten in Liebersee und weitere 60 Soldaten im Glaswerk in Torgau. Und auch Kamerden des THW, der Feuerwehren und Bundespolizisten sind im Einsatz.

Goitzsche meiden, hieß es gestern in der Region Bitterfeld-Wolfen. Viele zogen das schöne Wetter der ernsten Anweisung vor und sonnten sich in den Cafés entlang des Sees. Derweil sind die Gefährdungsgebiete evakuiert und die Notunterkünfte voll. Der Wasserzulauf in den Seelhausener See ist zwar auf Grund der sinkenden Pegelstände in der Mulde und der eingeleiteten Maßnahmen geringer geworden, konnte jedoch nicht vollständig gestoppt werden, informierte die Stadtverwaltung. Niemand weiß, wie lange der übervolle Seelhausener See dem Wasserdruck stand hält. Zur Goitzsche hat sich bereits ein Zufluss gebildet. Die größte Sorge ist aber, dass der Druck auf den Seelhausener See so groß wird, dass das Wasser mit Gewalt in die Goitzsche bricht. Damit droht Bitterfeld eine Überflutung.

Erleichterung in Eilenburg. Die Notunterkünfte in den Grundschulen Eilenburg-Berg und Eilenburg-Ost wurden gestern Vormittag aufgelöst. Die Innenstadt ist wieder freigegeben. Der Katastrophenalarm besteht aber weiterhin, teilte die Stadtverwaltung mit.

© Seiten 27 bis 29

@Weitere Informationen und Fotos unter www.lvz-online.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.06.2013

Frank Pfütze

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