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Im Seniorenhaus Krostitz finden ältere Menschen Gemeinschaft und Freiheit

Altersgerechtes Wohnen Im Seniorenhaus Krostitz finden ältere Menschen Gemeinschaft und Freiheit

Altersgerechtes Wohnen mit Betreuungsfaktor. Das hat sich die neue Betreiberin des Seniorenhauses Krostitz auf die Fahnen geschrieben. Mit den Bewohnern des Hauses trifft sie sich wöchentlich zum Kaffeeplausch, erledigt für sie Botengänge, fährt mit ihnen zum Arzt und organisiert gemeinsame Freizeit.

Altersgerechtes Wohnen im Seniorenhaus Krostitz.

Quelle: Thomas Steingen

Krostitz. Immer mittwochs um 15 Uhr treffen sich die Bewohner des Seniorenhauses Krostitz zum gemeinsamen Kaffeeplausch. Alles ist freiwillig, keiner muss und dennoch sind die Senioren, gerade jetzt in der kalten Jahreszeit, froh, dass Andrea-Maria Thiermann diese Nachmittage für sie organisiert.

Andrea-Marie Thiermann ist die neue Betreiberin des Hauses, verwaltet es und vermietet die zehn Ein- und Zweiraumwohnungen im Namen von Eigentümer Jürgen Amft. Sie kümmert sich um die Bedürfnisse und Wünsche der Bewohner, um ihnen ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Sie trifft sich mit den Senioren zu Gesellschaftsspielen organisiert kleine Ausflüge und gemeinsame Veranstaltungen wie Sommerfeste oder Geburtstagsfeiern und bietet den Bewohnern vielerlei Hilfestellung im Alltag an. So fährt sie beispielsweise mit ihnen zu Fachärzten nach Delitzsch oder Leipzig. Kürzlich hat sie für unsere Mutter extra Medikamente aus Leipzig mitgebracht“, erzählen Michaela Friedrich und Silke Stiemert, die Töchter von Roswitha Stiemert.

Die 72-Jährige ist neu in der Kaffeerunde. Erst im Januar hat sie ihr Appartement in der Straße Zur Goldenen Aue 1 bezogen. Sie ist die einzige gebürtige Krostitzerin im Haus und wie ihre Töchter berichten, „ist sie hier sehr gut aufgenommen worden“. Werner Oetger (79) gehört dagegen zu den Erstmietern, die seit 2009 dort wohnen. Er genießt einerseits die Gemeinschaft und andererseits die Freiheit, denn im Sommer verbringt er viel Zeit in seinem Garten ganz in der Nähe. Dort greift ihn gern Hilde Paatz unter die Arme. „Sie ist der grüne Daumen in unserer Runde“, erzählt der ehemalige Busfahrer, denn die 82-Jährige pflegt liebvoll den Garten am Seniorenhaus.

Jahrelang hatte der denkmalgeschützte Klinkerbau samt Nebengebäude leer gestanden. 2009 ergriff Jürgen Amft, ein hiesiger Investor, die Initiative und schaffte zehn seniorenfreundliche Wohnbereiche. Pro Gebäude ein Treppenlift, barrierefreie Zugänge und ebenerdige Duschen sowie Gemeinschaftsräume und ein Garten erleichtern den Bewohnern den Alltag. Rund 500 000 Euro wurden seinerzeit verbaut. Möglich wurde der Erhalt der historischen Bausubstanz auch durch die Förderung über den europäischen Fonds Integrierte Ländliche Entwicklung (Ile), aus dem 200 000 Euro damals bewilligt wurden.

„Der Ansatz war, etwas für ältere Menschen zu schaffen, die sich noch betun können, aber nicht in ein Heim wollen“, sagt Jürgen Amft. Kurz: altersgerechtes Wohnen mit Betreuungsfaktor. Das Konzept ging zunächst auf, denn schnell waren die Wohnungen vergeben. Weil zwischenzeitlich vier Bewohner verstorben sind und einer ins Pflegeheim musste, stehen derzeit aber vier Appartements leer. Anfragen gebe es laufend, sagt die neue Betreiberin, aber „meist fühlen sich die Interessenten noch zu jung, um den Wechsel ins altersgerechte Wohnen zu vollziehen“. Bis Pflegestufe I sei die Anlage, die zentral im Ort, aber ruhig gelegen ist, bedenkenlos geeignet.

Jürgen Amft ist froh, mit Andrea-Maria Thiermann jemanden gefunden zu haben, der sich müht, frischen Wind in das Haus zu bringen. Denn um das Leben in der Gemeinschaft zu bereichern, hat sie noch viele Ideen. Damit sich die Angebote aber lohnen, wäre es schön, „wenn wir noch einige Bewohner mehr hätten, die wir einbinden könnten“, sagt sie. Aber alles brauche Zeit. Demnächst will sie das Haus bei einem Tag der offenen Tür vorstellen.

In Krostitz ist die Einrichtung bisher die einzige dieser Art. Seit Längeren arbeitet die Gemeinde an einem Projekt, das betreutes Wohnen, Sozialstation und Tagespflege in einem Komplex in der Oststraße vereinen soll. „Noch suchen wir dafür den passenden Investor“, so Bürgermeister Wolfgang Frauendorf (CDU).

Von Thomas Steingen

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