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Delitzsch Im Unteren Leinetal wird zu viel runtergespült, was nicht in die Toilette gehört
Region Delitzsch Im Unteren Leinetal wird zu viel runtergespült, was nicht in die Toilette gehört
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00:16 07.02.2017
Am Ende kommt es auf die Papierart an. Quelle: dpa
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WÖLKAU

Wusch und weg. Essensreste, der olle Lappen, sogar Tampons, Kondome, Rasierklingen, die Wattestäbchen oder eben die Feuchttücher sind aus dem Auge und aus dem Sinn. Nein, am Ende zahlen alle. Dass zu viele ihren Müll über die Toilette entsorgen, ist ein Problem aller Abwasserzweckverbände – und eines, mit dem der AZV Unteres Leinetal jetzt ganz offen umgeht.

Kosten steigen unsinnig

Denn Aufwand und damit die Kosten durch Müll, der nicht in die Toilette gehört, steigen. Vor allem Feuchttücher würden in letzter Zeit immer wieder immense Probleme bereiten. Dabei dürfen die feuchten Reinigungstücher laut Verpackungshinweis über die Toilette entsorgt werden. Auf den Verpackungen steht aber nicht, was ganz am Ende passiert: „Problematisch ist, dass diese Fasern nicht zerreißen, sich nicht auflösen, sondern durch den Abwasserstrom treiben“, erklärt Sprecherin Sylke Hermann von der Unternehmenskommunikation der Oewa, zuständig für die Betriebsführung beim Unteren Leinetal. Endstation ist das Abwasserpumpwerk. Die Tücher wickeln sich als eine sogenannte Verzopfung um die Pumpenräder, die laufen schwerfälliger und fallen im schlimmsten Fall aus, der Verschleiß ist hoch. Die Pumpen müssen oftmals mit Spezialtechnik ausgebaut, von Hand gereinigt und wieder kompliziert eingesetzt werden. Im Gebiet des Unteren Leinetals erwischte es in der jüngeren Vergangenheit schon die Stationen in Wölkau und Hohenroda – die Kosten erreichen einige tausend Euro. Die exakten Kosten durch Feuchttücher lassen sich aber nicht entziffern, da noch einige andere Faktoren bedacht werden müssen – passiert der Ausfall nachts oder am Tage?, wie viel Personal wird zur Behebung gebraucht?, müssen Pumpen komplett erneuert werden? In Löbnitz, wo das Abwasser durch ein Vakuumsystem entsorgt wird, sorgen die Feuchttücher übrigens unmittelbar vor der eigenen Haustür für Engpässe, warnt die Oewa. Die Schächte verstopfen und das Abwasser kann nicht abfließen. Hygieneartikel, die ebenfalls nicht in die Toilette gehören, würden im Abwasserstrom weniger stören als die feuchten Tücher.

Warnung an die Bürger

Dennoch: Der AZV Unteres Leinetal will jede Möglichkeit nutzen, um über die Folgen zu informieren und auf steigende Kosten des laufenden Betriebs hinweisen. „Wir können als AZV nur auf den erhöhten Aufwand verweisen“, heißt es. Kommt es zu höheren Betriebskosten, müssten die im Rahmen von Gebührenkalkulationen berücksichtigt werden. Theoretisch gelten die Gebührensätze bis Ende 2019, voraussichtlich – sie gelten, sofern zwischenzeitlich nicht neu kalkuliert werden muss, etwa weil Abwasseranlagen durch Schäden nicht mehr kostendeckend arbeiten. „Die Konsequenzen abseits der Gebührensicht trägt letztlich die Allgemeinheit, wenn die Abwasserentsorgung unterbrochen ist“, so AZV-Vorsitzender Volker Tiefensee. Darüber hinaus nimmt jeder, der Müll wie Essensreste oder Kosmetikartikel über die Toilette entsorgt, erhöhte Kosten durch erforderliche Spülungen der Kanäle, Rattenbekämpfung im Kanalnetz und eine Erhöhung der Abfallentsorgungsmengen in Kauf. Aus Bequemlichkeit, so die Beobachtung der Techniker, werden vor allem flüssige Essensreste wie Suppen oder Soßen gerne über die Toilette runtergespült. Das lockt einerseits das Ungeziefer an, andererseits sind vor allem fettige Speisen ein Problem. Wenn sie erkalten, setzen sie sich an den Innenwänden der Rohre fest, deren Querschnitt wird kleiner und es folgen Verstopfungen oder Rückstau. Und das alles nur aus Bequemlichkeit und Gewohnheit.

Von Christine Jacob

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