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Immer mehr Geschäfte sterben in der Delitzscher Innenstadt

Besorgte Einzelhändler Immer mehr Geschäfte sterben in der Delitzscher Innenstadt

Leere Läden alle paar Meter: Insgesamt zehn leere Geschäfte verteilen sich in der Delitzscher Einkaufsmeile von Eilenburger und Breiter Straße. Keine schöne Quote, bedauert auch Wirtschaftsförderin Ricarda Steinbach – aber es sei eine, die wenigstens gleich blieb: „Die Zahl der leerstehenden Geschäfte hat sich dieses Jahr bislang nicht verändert, da es auch Neueröffnungen gab“, bilanziert sie. Noch.

Wo bis zum Sommer Kother-Schuhe zu haben waren, gibt es jetzt nur noch ein leeres Schaufenster in der Eilenburger Straße.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Zum Monatsende verschwindet „Glückskinder“, ein Shop für kreativ Selbstgemachtes speziell für Kinder, aus der Breiten Straße. Zum Jahresende folgt der Dekoladen Hej Lotta.

Sie allein könne sich die Miete für den großen Laden in der Breiten Straße nicht leisten, so Glückskind-Inhaberin Sindy Noeßke. Seit 2012 hatte sie einen kleinen Laden in der Breiten Straße, bot dort selbstgenähte Kreationen an. Später zog sie nur wenige Meter weiter mit den nicht minder kreativen Leuten von Hej Lotta zusammen in ein Geschäft, man fusionierte sozusagen für die Miete. Ende Oktober wird Sindy Noeßke wieder von zu Hause aus arbeiten und ihre Stücke im Internet anbieten. Das einstige Glückskinder-Lädchen steht nach wie vor leer. Im größeren Hej Lotta-Laden heißt es notgedrungen: Weil der Umsatz nicht stimmt, ist das Geschäft nicht zu halten und schließt.  

Eine Abwärtsspirale, die auch Ulrich Opitz kennt. Im Sommer hat er die 2008 eröffnete Kother-Schuhe-Filiale in der Loberstadt geschlossen. Der 60-Jährige konzentriert sich auf das Geschäft in Eilenburg. Bedingt durch die Bahnhofspromenade mit Zugpferden wie Rossmann, einst noch in der Eilenburger Straße, sei der Kundenstrom merklich zurückgegangen. Es seien zu wenig Leute, die in die Delitzscher City shoppen kommen. Opitz verweist neben eigenen Beobachtungen auf das Einzelhandelskonzept und IHK-Umfragen, die deutlich zeigen, dass es in Delitzsch einen „Überbesatz“ mit Discountern gibt. Kleine, inhabergeführte Geschäfte haben es da schwer.

Neue Geschäfte in die leeren Läden zu holen, gestaltet sich zudem schwierig, berichtet Ricarda Steinbach: „Trotz direkter Ansprache der Wirtschaftsförderung von Händlern auch in anderen Städten hängt die Neuansiedlung eines Geschäftes letztlich vom Willen des Einzelhändlers ab“, schildert sie. Während andere Städte, zum Beispiel Wurzen, die ungenutzten Schaufenster mit digitalen Infos aufwertet, bleiben die Flächen in Delitzsch leer. „Schauflächen innovativ zu gestalten wurde bisher mit besonderen Veranstaltungen wie dem verkaufsoffenen Sonntag kombiniert, um auf die Geschäfte aufmerksam zu machen.“ Ansonsten: gähnende Leere. Dafür soll spätestens Anfang nächstes Jahr ein

Einkaufsführer über die aktiven Läden erscheinen, der die Ladengeschäfte und ihre Betreiber vorstellt. „Der Einkaufsführer soll den Leuten Lust auf das Shoppen in Delitzsch machen“, hofft die Wirtschaftsförderin.

Zumindest in der Breiten Straße könnte was Neues kommen, die SPD interessiert sich für den ersten Glückskinder-Laden, um dort ein Bürger-Büro zu eröffnen. Spruchreif ist das noch nicht, heißt es von der Partei.

Christine Jacob

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