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In Delitzsch-Nord verschwinden 100 Wohnungen

In Delitzsch-Nord verschwinden 100 Wohnungen

Der Stadtteil Delitzsch-Nord wird in diesem Jahr erneut sein Gesicht verändern. Die beiden Großvermieter vor Ort, die Wohnungsgesellschaft (WGD) und die Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau, planen weitere Abrisse.

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Hier rollen bald die Bagger an: Die Wohnblöcke Alexander-Puschkin-Straße 1 bis 11 und 2 bis 8 verschwinden.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Betroffen sind 100 Wohnungen in der Alexander-Puschkin-Straße, die seit Längerem leer stehen beziehungsweise in den nächsten Monaten frei gelenkt werden sollen.

Möglich wird der umfangreiche Rückbau durch Fördermittel. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage berichtet, liegt im Rathaus ein entsprechender Bescheid der Sächsischen Aufbaubank vor. Der Freistaat überweist bis zu 70 Euro pro abgerissenem Quadratmeter Wohnfläche. Mit dem Geld, das bis 2016 bereitsteht, soll der Stadtumbau infolge des Bevölkerungswandels unterstützt werden. Denn genau darum geht es bei den Vorhaben der Großvermieter: Wohnungen vom Markt nehmen, für die es nach deren Erfahrung keine oder kaum noch Nachfrage gibt. "Wir haben in unserem Bestand in Delitzsch-Nord derzeit elf Prozent Leerstand. Bei anderen Vermietern dürfte es noch deutlich mehr sein", erklärt WGD-Geschäftsführer André Planer. Weil verwaiste Gebäude nicht nur traurig anzusehen sind, sondern auch weiterhin Betriebskosten verursachen und teilweise noch mit Altschulden belastet sind, "müssen wir uns der Verantwortung stellen", so Planer.

Die Abriss-Entscheidung falle nicht leichtfertig. Schon gar nicht, wenn der Block noch teilweise bewohnt ist. Wie im Fall der Alexander-Puschkin-Straße 1 bis 11, die die WGD voraussichtlich ab September schleifen will. Rund ein Viertel der 60 Quartiere ist noch belegt. Laut Planer wissen alle Bescheid, die Umzüge sind im Gange. "Weil so eine Umquartierung gerade für ältere Leute ein Einschnitt ist, leisten Mitarbeiter von uns vor und nach dem Umzug Betreuung. Von denen, die aus der Puschkin-Straße bereits neu versorgt wurden, konnten etwa 90 Prozent bei der WGD bleiben", schildert der Geschäftsführer. In der Regel werde die Ersatzwohnung an den Zustand der alten angepasst, teilweise bis hin zu Einbauküchen, Gardinen, Teppichen. Türen und Bäder würden erneuert.

Auch die Genossenschaft musste einige Umzüge stemmen. Seit etwa einem halben Jahr sei das Abrisshaus Alexander-Puschkin-Straße 2 bis 8 leer, sagt Aufbau-Geschäftsführerin Anette Pittschaft. Der Abbruch soll im Frühjahr oder im Herbst dieses Jahres erfolgen. "Nicht im Sommer. Da ist die Staubentwicklung höher." Sowohl bei der Genossenschaft als auch bei der WGD verlaufen die Rückbaugrenzen durch die Gebäudefront - die höheren Hausnummern bleiben stehen. "Das ist nichts Ungewöhnliches. Die Blöcke bilden optisch eine Linie, sind aber baulich getrennt", erläutert André Planer.

Im Zuge der beiden Abrissmaßnahmen entsteht zwischen Gellert- und Puschkin-Straße eine große Freifläche. Die Kosten für die Begrünung tragen voraussichtlich die Großvermieter. "In der Regel reichen die Fördermittel maximal für den eigentlichen Rückbau, aber nicht für Begrünungen oder für Ausgaben im Zusammenhang mit den Umzügen", sagt der WGD-Chef. Dennoch sei der Abriss die effektivste Möglichkeit, dem Einwohnerschwund im Norden etwas entgegenzusetzen.

© Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.01.2015
Kay Würker

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