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In Delitzsch und Zschortau: Doppelter Schulleiter-Abschied nach 24 Jahren

Ruhestand In Delitzsch und Zschortau: Doppelter Schulleiter-Abschied nach 24 Jahren

1992, in einer Zeit, in der sich die Schullandschaft im Freistaat Sachsen grundlegend veränderte, übernahmen Rosina Menzel und Eleonore Waldau die Leitung in der Artur-Becker-Schule und in der Grundschule Zschortau. Nun werden beide in den Ruhestand verabschiedet.

Beim Schulfest diese Woche bereiteten die Kinder ihrer Schulleiterin Eleonore Waldau einen herzlichen Abschied.

Quelle: Kay Würker

Delitzsch/Zschortau. Zwei Schulen, zwei Leiterinnen, zweimal 24 Jahre: An der Grundschule Zschortau und der Artur-Becker-Oberschule in Delitzsch geht eine Ära zu Ende. Eleonore Waldau und Rosina Menzel nehmen Abschied. Die offizielle Benennung der Nachfolgerinnen durch die Bildungsagentur steht noch aus.

Rosina Menzel kann diese Woche gleich doppelt feiern. Heute Abend wird das 40-jährige Bestehen ihrer Schule zelebriert, morgen wird die langjährige Leiterin in den Ruhestand verabschiedet. Auch wenn sich dieser Schritt lange angekündigt hat, wird es für die 65-Jährige ein abrupter Wechsel, denn bis zu ihrem letzten Arbeitstag ist sie noch voll gefordert, um Schulgeburtstag und Abschluss des Unterrichtsjahres zu managen.

Aufbruch mit Einschnitten

1974 begann Rosina Menzel in Bad Frankenhausen als Lehrerin für Mathematik und Physik ihre berufliche Karriere. 1984 kam sie nach Delitzsch an die damalige Comeniusschule und wechselte 1990 als Lehrerin ans Ehrenberg-Gymnasium. Die Bewerbung als Schulleiterin für die Artur-Becker-Schule habe sie, wie sie sagt, nie bereut. „Jetzt konnte ich mein eigener Herr sein.“ Die ersten zwölf Monate mit dieser Aufgabe sind ihr als ein Jahr des „Suchens und Findens“ in Erinnerung geblieben. „Es war ein Aufbruch mit gravierenden Einschnitten“, berichtet sie. Jeder Lehrer bekam eine Beurteilung, die festlegte, an welcher Schule er künftig unterrichten darf. Das führte im ersten Jahr zu ständigen Lehrerwechseln. „Keiner kannte den anderen.“ Deshalb war das Kennenlernen für die frisch berufene Schulleiterin eine Hauptaufgabe, um Vertrauen aufbauen zu können.

Heute blickt sie mit Stolz zurück, eine „Vorkämpferin und Mitgestalterin der Entwicklung der Schule in Sachsen“ gewesen zu sein. So hat ihr Kollegium Schulversuche durchgeführt und beispielsweise für das Fach Wirtschaft/Technik/Hauswirtschaft Lehrpläne mitentwickelt und ausprobiert. „Dazu mussten die Lehrer befähigt werden, Lehrpläne zu schreiben“, erklärt die Schulleiterin. Alles war zusätzliche Arbeit für ihre Kollegen.

Zeit für neue Ideen

Weil so etwas nur funktionieren kann, wenn das Klima an der Schule stimmt, habe sie sich immer um offene Gespräche bemüht, sagt Rosina Menzel. Sie sei nicht der Typ, der sagt: „Das hast du falsch gemacht“. Besser sei zu sagen: „Gut gemacht, aber wie könnte es noch besser sein?“ Wenn auch etwas wehmütig, räumt sie nun gern ihren Stuhl, denn es sei an der Zeit, dass junge Leute neue Ideen einbringen. Dem Schulförderverein werde sie aber treu bleiben, verspricht Menzel.

Auch Eleonore Waldau hat die Zeit des Umbruchs nach der Wende mitgestaltet, war 1992 die erste Leiterin der damals gerade neu gegründeten Grundschule Zschortau. Sie hat dort den Schulalltag geprägt, vor allem mit ihrem Faible für Sprachen, Begegnung und Instrumente. Die Pädagogin brachte das Französische an die Schule – zunächst als sogenannte Begegnungssprache, später als AG. Auch Tanz und Gesang, zwischenzeitlich sogar Spanisch und Italienisch rückten ins Nachmittagsangebot. In Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule lernen inzwischen bis zu 50 Prozent der Zschortauer Grundschüler ein Instrument – das Projekt Jeki ist ein Erfolgsmodell.

Faible für Musik und Begegnung

„Das Musizieren und der Kontakt zu anderen Kulturen liegen mir sehr am Herzen“, sagt Eleonore Waldau. Da passte es gut, dass die vom Bund getragene Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit mit all ihren Studenten ganz in der Nähe residierte. „Und auch zu dem Asyl-Wohnprojekt nebenan haben wir von Anfang an einen guten Draht.“ Voll des Lobes ist die Leiterin zudem für ihr Kollegium und den Förderverein: „Eine tolle Unterstützung.“

Doch auf Begegnung folgt Trennung. Eleonore Waldau verlässt Ende Juli die Bildungsstätte – nach 24 Jahren in Zschortau und insgesamt mehr als vier Jahrzehnten im Schuldienst. Bevor sie Leiterin wurde, hatte sie in Pouch, Bitterfeld, Zschernitz und von 1977 bis 1987 auch in Rackwitz gearbeitet. Sie unterrichtete Deutsch, Musik und Russisch. Dass die Grundschule Zschortau derzeit nach langem Disput umfassend modernisiert und umgebaut wird, sieht sie als größten Erfolg in ihrer Laufbahn. Zur Neueröffnung 2017 wird sie deshalb wohl noch mal da sein.

Von Thomas Steingen und Kay Würker

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