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Delitzsch Ines Möller schaut auf fünf Jahre Einheitsgemeinde Wiedemar
Region Delitzsch Ines Möller schaut auf fünf Jahre Einheitsgemeinde Wiedemar
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09:00 12.02.2019
Ines Möller Bürgermeisterin der Gemeinde Wiedemar. Quelle: Ditmar Wohlgemuth
Wiedemar

Wie geht es Wiedemar nach fünf Jahren Einheitsgemeinde? Welche Vorhaben hat die Kommune im Jahr 2019? Und an welchen Stellen drückt der Schuh sonst noch? Bürgermeisterin Ines Möller (parteilos) erklärt es im LVZ-Gespräch.

Frau Möller, der Zusammenschluss der Gemeinden Neukyhna, Wiedemar und Zwochau liegt nun mehr als fünf Jahre zurück. Auf einer Skala von 1 bis 10 – wobei 1 unter ihren Erwartungen bedeutet und 10 über den Erwartungen – wie zufrieden sind Sie mit dem Erreichten?

Es ist eine 8.

Warum 8?

Es ist noch nicht alles perfekt, aber wir haben schon vieles geschafft. Angefangen mit einer stabilen finanziellen Situation der Gemeinde. Viele Investitionen in den Ortsteilen konnten wir bereits tätigen. Aber es sind auch noch nicht alle Probleme gelöst oder eine Lösung immer in Sicht.

Welche wurden gelöst?

Wir haben viele Straßen gebaut wie beispielsweise den Radweg zum Schaufelrad oder den Zugang zum Zwochauer See, zudem Wohngebiete erschlossen. Wir haben neue Spielplätze geschaffen, den Anbau der Grundschule in Kyhna bewältigt und in Hort- und Schulgebäude investiert. Viele weitere Investitionen sind bereits angefangen. Dass es oftmals sehr lange dauert, ärgert mich am meisten. Von einer Idee haben, die Planung erstellen, die Fördermittel organisieren und dann noch die Umsetzung – da sind einige Jahre vergangen und man fragt sich, wo die Zeit hin ist.

Und welche Punkte fehlen zur vollen Zufriedenheit?

Ich hätte gerne noch schönere Einrichtungen für unsere Kinder und bessere Arbeitsbedingungen für unsere Erzieherinnen. Ideal wäre natürlich alles ebenerdig zu halten und schöne Übergänge in einen großen Garten zu schaffen. Als nächstes bekommt Wiedemar daher eine neue Kita. Es ist eine Herzensangelegenheit für mich.

Würde der Zusammenschluss der drei Gemeinden aus heutiger Sicht noch einmal so erfolgen?

Ja. Es gab gar keine andere Möglichkeit. Die finanzielle Situation von Zwochau war höchst prekär. In der Gemeinde konnten nach dem Zusammenschluss notwendige Investitionen durchgeführt werden, die sie allein nicht mehr hätte vornehmen können. Das sächsische Innenministerium drängte seinerzeit auch darauf, dass Gemeinden mindestens 5000 Einwohner haben sollten. Auch die Hochzeitsprämie und Gelder für einen freiwilligen Zusammenschluss würden wir heute nicht mehr in dieser Höhe bekommen. Daher war es der richtige Zeitpunkt.

Wenn Sie ein Bild von Wiedemar zeichnen müssten, für das Sie alle Mittel (Farben, Pinsel, Bleistift, Radiergummi etc.) zur Verfügung haben, wie sähe das aus?

Ganz bunt. Das ist, was wir bei der Bildung der Einheitsgemeinde immer als großen Vorteil gesehen haben. Wir haben eine große Vielfältigkeit in unserer Flächengemeinde. Es sind zwar 17 Ortsteile, aber jeder Ort bietet auch etwas anderes, spezielles, einzigartiges. Die Gemeinde Wiedemar macht aus, dass sie aus vielen Puzzleteilen besteht und es am Ende ein schönes Gesamtbild ergibt.

Das Bevölkerungswachstum in der Gemeinde hält weiter an. Profitiert Wiedemar da nur von der Nähe zu Leipzig? Welche anderen Gründe gibt es, um ins Gemeindegebiet zu ziehen?

Für viele junge Leute ist schon der Hauptgrund, dass sie günstig und schnell nach Leipzig kommen und hier bezahlbaren Baugrund finden. Andererseits schätzen sie die kurzen Wege zu den Kindereinrichtungen, die gute Verkehrsinfrastruktur, die Arbeitsplätze in der Region, das rege Vereinsleben, den Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung im Dorf und nicht zuletzt die guten Erholungsmöglichkeiten rund um die Seenlandschaft.

Stichwort Flughafen Leipzig-Halle. Was für andere Kommunen der Lärm ist, ist für Wiedemar das abfließende Regenwasser. Welche Vorhaben gibt es in 2019 mit Blick auf den Hochwasserschutz?

In diesem Jahr steht der Strengbach besonders im Fokus. Hier sollen Maßnahmen aus dem Gewässerunterhaltungs- und Hochwasserschutzkonzept umgesetzt werden, die es ermöglichen, die ankommenden Wassermengen besser aufzunehmen und schadlos für die Bewohner abzuleiten. Dabei wird es noch Abstimmungen mit den angrenzenden anhaltischen Gemeinden, dem Flughafen und dem Autobahnamt geben.

Die Gemeinde Rackwitz hat im zurückliegendem Monat ein Logo vorgestellt, das alle ihre Ortsteile miteinander verbinden soll. Auch in Wiedemar tauchen immer wieder Forderungen nach einem neuen Wappen auf – mit dem Unterschied, dass es das Hoheitszeichen betrifft. Wie sehen die Pläne dafür aus?

Es war nicht die dringendste Aufgabe in der ersten Zeit nach dem Zusammenschluss, ein neues Wappen zu schaffen. Doch der Wunsch bei den Feuerwehren und Sportvereinen nach einer gemeinsamen Identität nimmt zu. Wir haben dazu im vergangenen Jahr Angebote eingeholt. Der nächste Schritt wird sein, die Einwohner zu fragen, welche wesentlichen Teile der Gemeinde das Wappen zeigen soll. Das neue Wappen soll kein Schnellschuss werden.

Noch einmal Zufriedenheitsskala – wieder von 1 bis 10. Auf welche Zahl hoffen Sie bis Ende 2019 zu kommen?

Auf 9,5. Dann gibt es immer noch eine Steigerungsmöglichkeit. Wenn die Finanzierung der Kita in Wiedemar mit Fördermitteln unterstützt wird und das Dorfgemeinschaftshaus in Zaasch im Entstehen ist, kommen wir dem schon ziemlich nahe. Zudem lebt Politik vom miteinander Reden, jedenfalls war das immer mein Antrieb gerade in der Kommunalpolitik tätig zu werden. Leider bindet die immer weiter fortschreitende Bürokratie oft so viel Zeit, dass die Kommunikation mit den Bürgern zu kurz kommt. Das ist mir besonders beim Zusammentreffen mit den Zwochauer Bürgern in der vergangenen Woche wegen der Konsumschließung bewusst geworden. Solche Gesprächstermine möchte ich gern künftig wieder regelmäßig wahrnehmen und ermöglichen.

Von Mathias Schönknecht

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