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Ingeborg und Rudi Esche halten sich seit 70 Jahren die Treue

Gnadenhochzeit Ingeborg und Rudi Esche halten sich seit 70 Jahren die Treue

Ingeborg und Rudi Esche aus Zschortau sind seit 70 Jahren verheiratet. Gab es 1977 noch 44.000 frischvermählte Paare, sank die Zahl in den Wendejahren rapide ab. 1992 gaben sich laut Statistik lediglich 13.400 Paare in Sachsen das Ja-Wort. Während sich die Zahl der Ehen wieder erhöht, bleiben 70 gemeinsame Jahre für die meisten Paare unerreicht.

Seit 70 Jahren ein unzertrennliches Paar: Ingeborg (89) und Rudi Esche (94).

Quelle: Manuel Niemann

Zschortau. Rudi Esche und seine Frau Ingeborg zeigen auf alte Fotos an der Wohnzimmerwand. Sie zeigen sie selbst, oft in der Eingangstür ihres Hauses. Dieselbe Pose, nur das Fotomaterial verändert sich und natürlich die Menschen auf dem Bild – eine Zeitreise in Miniatur. Weil es mitunter schwer fällt, sich zu erinnern, wann und zu welcher Gelegenheit auf den Auslöser gedrückt wurde, hat die Familie sich angewöhnt, das irgendwie im Bild zu festzuhalten. Die 70 Jahre, die heute das gemeinsame Foto überschreiben, sind eine lange Zeit, die mancher in seiner Lebensspanne nicht erreicht. Rudi Esche und seine Frau Ingeborg haben dieses Alter längst. Er ist 1924 in Biesen geboren, sie im März 1927 in Zwochau. Ende des Monats feiert sie ihren 90. Geburtstag. Sie kennen sich vom Sehen seit der gemeinsamen Schulzeit in Zschortau. Erst als Jugendliche beim Tanzen beachteten sie einander. Der Tag, den sie heute gemeinsam feiern, ist der 1. März 1947, der Tag ihrer Hochzeit.

Die Lebenswege sind verschieden, manchmal verlaufen sie eine Zeit lang zusammen, 70 Jahre jedoch fast nie parallel. Wann die letzte Gnadenhochzeit gefeiert wurde, wisse man nicht mehr, heißt es aus dem Delitzscher Standesamt. Immerhin gleich drei stehen für dieses Jahr an. Laut dem Landesamt für Statistik wurden 2015 im Freistaat 18 500 Paare getraut, während sich rund 7000 scheiden ließen. 934 Vermählungen davon im Landkreis, wo 350 Paare ihre Ehe lösten.

Hochzeit am 1. März 1947 – ein unfreundlicher Tag

Der Tag, an dem Rudi und Ingeborg Esche ihre Ehe eingingen, war ein Samstag. Nachkriegsjahre, Nachkriegsstimmung. „Es war ein unfreundlicher Tag 1947 mit Schneeschauern. Wir haben gefroren, ein alter F8 hat uns in die Kirche und zum Standesamt gebracht“, sagt Ingeborg Esche. Die Verwandtschaft half, dass genug Kuchen und Getränke aufgetischt werden konnten. Die jungen Leute wohnten dann in Biesen in der Mägdekammer des Ritterguts. Zwei Zimmer, die Anfangsjahre mühsam: Ingeborg Esche, selbst keine Bäuerin, hatte in eine Bauernfamilie eingeheiratet. Hochschwanger musste sie mit auf die Felder. Irgendwann gesteht sie der Tochter Ilona: „Ich habe mich gewundert, dass du nicht zwischen den Furchen geboren wurdest.“ Im Juni 1947 wurde die Tochter geboren, ihr Bruder Rudolf im August des Folgejahres.

Die Zeiten wurden besser: Ein kleines Häuschen in Biesen, eine Neubauernstelle, schließlich eine für Rudi als Produktionsleiter beim Volkseigenem Gut (VEG) in Zschortau, während seine Frau als Beiköchin in der Kindergrippe aushalf. Dann der Juni 1956: Rudi Esche war bereits aus dem Krieg verletzt gekommen, der linke Arm blieb gelähmt. Ein Antriebsriemen verselbstständigte sich auf dem Feld, sprang von einem Futterhäcksler ab und traf den unversehrten Arm. Er musste amputiert werden. Die Prothesen von damals waren noch unausgereifter als heute. „Seitdem pflegt sie ihn. Mein Vater ist sehr fixiert auf meine Mutter, sie brauchen sich so sehr“, sagt Tochter Ilona Essig. Sie ist inzwischen selbst fast 70 Jahre und half dem Vater, wenn die Mutter einmal nicht da war.

Heute wird zuhause in Zschortau gefeiert

Bis zur Rente arbeitete Rudi Esche . Es gab einen gemeinsamen Tagesrhythmus, wo man sich kurz zwischendurch zuhause traf. Ein Leben, zwar mit Rückschlägen und Entbehrungen, aber auch schönen Momenten.

„Trotzdem machten meine Eltern für uns Kinder alles möglich. Ich hatte eine sehr schöne Kindheit“, sagt Ilona Essig. So erinnert sie sich an die Familienurlaube mit einem der ersten Trabis, der durch Zschortau fuhr. Am Steuer ihre Mutter. Ihre Eltern sind auch danach oft zur Kur gefahren. „Jetzt freuen sie sich, wenn die Enkel und Urenkel kommen.“ Die Jubilare haben vier Enkel und fünf Urenkel. Mit ihnen, Freunden, Verwandten und Bekannten wird heute gefeiert. Zuhause in Zschortau. „Es wird ein Ein und Aus den ganzen Tag“, ist sich Tochter Ilona Essig sicher. Seit 1979 wohnt die Tochter gleich nebenan.

Von Manuel Niemann

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