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Ingenieure simulieren, wohin in Rackwitz das Regenwasser rauscht

Ingenieure simulieren, wohin in Rackwitz das Regenwasser rauscht

Die Gemeinde Rackwitz macht in Sachen Hochwasserschutz Nägel mit Köpfen. Zwei Monate nach dem Starkregen, der Teile von Rackwitz und Podelwitz überflutete, erhält ein Leipziger Büro den Auftrag, der Sache auf den Grund zu gehen.

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Rudi Seidel zeigt den Gully an der abschüssigen Neuen Straße, aus dem das Wasser sprudelte.

Quelle: Kay Würker

Rackwitz. Billig ist das nicht: Rund 13 600 Euro werden im kommunalen Haushalt reserviert, um die Kubens Ingenieurgesellschaft zu bezahlen. Der Gemeinderat gab seine Zustimmung.

Die Leipziger wollen einiges auf den Tisch legen. In Aussicht gestellt wird ein "Maßnahmenkonzept zur Verbesserung des Wasserrückhaltevermögens des Lobers" sowie eine Vorschlagsliste, wie sich "wild abfließendes Wasser sowie Sedimente von landwirtschaftlichen Flächen" bändigen lassen. Als Grundlage soll ein sogenanntes Niederschlags-Abfluss-Modell erarbeitet werden. Darin fließen Starkregendaten des Deutschen Wetterdienstes ein. Simuliert wird der Wasserabfluss bei bestimmten Niederschlagsdauern - das Ingenieurbüro ermittelt die potenziell anfallenden Wassermengen in vier abgegrenzten Teilgebieten und berät die Gemeinde, wie sich Schäden durch einen regulierten Abfluss verringern oder vermeiden lassen. Im Gespräch sind Auffangmulden und Ableitungsgräben, aber auch ein Retentionsraum, eine Überflutungsfläche zwischen Zschölkau und Güntheritz.

Wie berichtet, rauschten Anfang September gewaltige Wassermassen von umliegenden Feldern auf Straßen und Grundstücke in Podelwitz. Der Keller der Grundschule Rackwitz stand ebenfalls unter Wasser, darüber hinaus die Bahnunterführung in der Leipziger Straße, weil der Lober überlief. Ende Oktober waren Kubens-Mitarbeiter vor Ort, machten sich ein Bild von den Gegebenheiten. Ebenso Vertreter des Landratsamtes und die Gemeindeverwaltung. "Wir haben uns einen Überblick verschafft", sagte Bausachgebietsleiter Sieghart Handke vor Gemeinderäten. Auf dem Tisch liegen nun auch historische Flurkarten, die den Lober in seinem ursprünglichen, deutlich geschwungeneren Lauf zeigen. Rund vier Wochen Arbeitszeit hat das Ingenieurbüro für das Hochwasserschutzkonzept angesetzt.

Allerdings gibt es auch in Zschortau Zoff wegen Überschwemmungen. Aus ganz anderem Grund: Die Kanalisation fasse bei Starkregen die Niederschlagsmengen nicht, moniert Anwohner Rudi Seidel. Das Übel sei das Wasser aus dem Karree von Rudolf-Breitscheid-, Karl-Liebknecht- und Rathenaustraße - unter Zschortauern Siedlung genannt. Per Abwasserrohr werde es zur Neuen Straße und dort dann weiter zur Lindenstraße geführt. "Hier kann der Sammler die Massen nicht mehr fassen und aus dem Gully wird ein Springbrunnen", sagt Rudi Seidel, der direkt daneben wohnt und von Überschwemmungen betroffen war. "Die Probleme haben wir, seit die Neue Straße 2013 samt Kanal saniert wurde. Als das Wasser aus der Siedlung noch zur Mühlenstraße floss, war das anders", ärgert sich der 82-Jährige. Sein Grundstück liege etwas tiefer als der Straßeneinlauf - im Vorjahr habe sein Keller unter Wasser gestanden.

Wolfgang Rühl vom Abwasserzweckverband Oberer Lober beteuert, an der Ableitung des Niederschlagswassers habe sich im Zuge der Sanierungsarbeiten nichts Wesentliches geändert. "Das Regenwasser wird zur Mühlenstraße geleitet, erst ab einer bestimmten Überlaufhöhe wird auch in Richtung Lindenstraße eingespeist", erklärte er auf LVZ-Nachfrage. Außerdem, fügte er hinzu, seien laut Satzung Grundstücke unterhalb der Straßenoberkante von den Eigentümern selbst zu sichern.

Rudi Seidel fordert trotzdem, dass der Gemeinderat beim Hochwasserschutz nicht nur auf Rackwitz und Podelwitz schaut. Zumal auch durch den Zschortauer Quermorgen immer wieder Wasser von den Feldern ströme. Im Rathaus findet das Gehör: Wolfgang Rühl ist für die nächste Ratssitzung am 27. November eingeladen, um Fragen zu beantworten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.11.2014
Kay Würker

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