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Internationaler Pferdesport soll an den Werbeliner See – Delitzsch verkauft Uferfläche

Stadtrat Internationaler Pferdesport soll an den Werbeliner See – Delitzsch verkauft Uferfläche

Hoffnungsschimmer überm Nordufer des Werbeliner Sees: Nach zwei Fehlanläufen ist ein offenbar viel versprechender Investor gefunden, der der Stadt Delitzsch das Areal abkauft. Entwickelt werden soll ein international gefragtes Zentrum für Pferdesport. Der Stadtrat befürwortete den Verkauf am Donnerstagabend mehrheitlich mit zwei Stimmenthaltungen.

Am Nordufer des Werbeliner Sees soll ein hochklassiges Pferdesportzentrum entstehen.

Quelle: Wolfgang Sens LVZ

Delitzsch. Hoffnungsschimmer überm Nordufer des Werbeliner Sees: Nach zwei Fehlanläufen ist ein offenbar viel versprechender Investor gefunden, der der Stadt Delitzsch das Areal abkauft. Entwickelt werden soll ein international gefragtes Zentrum für Pferdesport. Der Stadtrat befürwortete den Verkauf am Donnerstagabend mehrheitlich mit zwei Stimmenthaltungen.

Die neuen Macher sind auf die komplexe Gemengelage vor Ort scheinbar vorbereitet. Zur Ratssitzung präsentierte sich ein Fünf-Personen-Team mit breiter Fachkompetenz: ein Architekt, eine Landschaftsplanerin, eine Fachfrau für Naturschutzfragen, ein Experte für Pferdesport und – als derzeitige Speerspitze der Gruppe – Rechtsanwalt Roland Lange, unter anderem auf Baurecht spezialisiert. Das Quintett kommt aus Leipzig, habe sich für das See-Projekt eigens zusammengefunden, berichtet Lange gegenüber der LVZ. Die Geldgeber allerdings bleiben im Hintergrund. Lange & Co. handeln im Auftrag von Investoren, die später als stille Teilhaber am Unternehmen partizipieren sollen.

„Wir wissen, mit welchen ökologischen Rahmenbedingungen wir es hier zu tun haben“, versichert der Rechtsanwalt. Die Bedingungen, das sind bekanntermaßen Naturschutzbelange. Das Projektgelände liegt am Rande eines Europäischen Vogelschutzgebietes, wo weitreichende Vorkehrungen zum Schutz seltener Brut- und Zugvögel getroffen wurden. Zwar bewegen sich die Gefiederten ein Stück abseits, dennoch dürfen vom Nordufer keine Störungen, insbesondere Lärmemissionen, ausgehen. Frühere Projektentwickler, die vor Ort einen Keltendorf-Freizeitpark beziehungsweise ein Erlebnisareal mit Landwirtschaft errichten wollten, sind an den Umweltauflagen gescheitert. Allerdings hatten sie Rückgabeoptionen. Die aktuellen Käufer tragen das Risiko allein.

„Wir gehen fest davon aus, dass unser Projekt umsetzbar ist“, betonte Roland Lange auf Nachfrage von Stadtratsmitglied Theodor Arnold (SPD), ob womöglich im Falle des Scheiterns mit Schadenersatzforderungen zu rechnen ist. „Wir interessieren uns ja vor allem deshalb für dieses Grundstück, weil hier garantiert Ruhe ist, denn Ruhe ist für Pferde sehr wichtig“, so Lange. 88 Hektar am Nordufer haben die Pferdesport-Initiatoren übernommen. Ein Flurstücksstreifen, gelegen zwischen dem südlichen Ende der Rudolf-Diesel-Straße im Gewerbegebiet Delitzsch-Südwest und dem Brodauer Zinken, bestehend aus teils naturbelassenem Boden, Forst- und Agrarflächen sowie rund zwei Hektar Biotop. Die Stadt hat das Areal 2010 vom Bergbausanierer LMBV erworben, schrieb es im November zum Verkauf aus (wir berichteten). Die Leipziger meldeten als einzige Interesse an. Sie zahlen die Mindestsumme von 860 000 Euro, in der sämtliche bisherige Ausgaben der Stadt im Zusammenhang mit diesem Gebiet eingerechnet sind.

Der nächste Schritt: Roland Lange gründet eine Betreibergesellschaft, die das Areal entwickelt. Im späteren laufenden Betrieb soll dann Michael Stanuschewski den Hut aufhaben. Der 49-Jährige ist bekannt als früherer Betreiber des Gehöfts Schlobachshof im westlichen Leipziger Auenwald. Bevor der Reiterhof nach mehreren Überflutung im Wortsinn unterging, war er die Hausadresse für sächsische Pferdeakrobaten schlechthin. 2005 und 2010 fanden dort die Deutschen Meisterschaften mit jeweils über 5000 Zuschauern statt.

Meisterschaften im Pferdesport, die soll es künftig bei Delitzsch geben. „Der Standort ist ideal, nicht nur wegen der naturnahen Gegebenheiten, sondern auch wegen der zentralen Lage in Deutschland und der Nähe zur Stadt Leipzig. Und nicht zuletzt wegen des Flughafens, der über ein Animal Center verfügt, wo alle Bedingungen für den Lufttransport von Pferden erfüllt sind“, schildert Stanuschewski. Diese Kopplung günstiger Faktoren sei es gewesen, die die auswärtigen Investoren überzeugt habe. „Die Nachfrage nach einer neuen hochklassigen, zentral gelegenen Reitsportanlage ist jedenfalls gegeben. Nicht direkt hier in der Region, sondern im größeren Radius in Deutschland und Europa, wo namhafte Teams gut erreichbare Trainingsstätten benötigen.“

Vorgesehen ist am Werbeliner See ein Sportzentrum mit gestalteten Außenanlagen, Reithalle sowie Unterbringungsmöglichkeiten für Pferde, das optimale Bedingungen für die Facetten des Reitsports bietet. Die Gebäude sollen sich optisch in die Umgebung einpassen. Die Parkplätze am Nordufer bleiben weiterhin öffentlich – sie sind nicht Teil der verkauften Fläche. Das gilt auch für den Uferrandbereich. „Allerdings werden wir einen öffentlichen Badestrand in unsere Planungen zunächst einbeziehen und prüfen lassen, was möglich ist“, kündigt Roland Lange an. „Gelingt es, wäre das eine willkommene Ergänzung für unser Projekt. Aber es funktioniert auch ohne Badebetrieb.“

Was die Untere Naturschutzbehörde im Detail dazu sagt, ist noch offen. „Wir haben uns dort vorgestellt, aber der Kontakt war noch nicht vertiefend“, so Lange. Das dürfte sich in den nächsten Monaten ändern. Das Leipziger Quintett hat sich auf umfangreiche Gespräche und Gutachten eingestellt. Mit einer Realisierung ihres Vorhabens rechnen die Fünf frühestens 2017.

Von Kay Würker

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