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Invest-Rätsel Stadtmühle

Invest-Rätsel Stadtmühle

Bekommt Delitzsch wieder eine Stadtmühle oder ist die Vision doch vom Tisch? Die Meinungen über einen Wiederaufbau des 1983 abgerissenen Gebäudes gehen stark auseinander – nicht nur unter Politikern.

Delitzsch. Fakt ist: Es wird Gespräche geben zwischen der Stadtverwaltung und dem einzigen potenziellen Investor, der im Rathaus ein Angebot abgegeben hat.

Die Stadtverwaltung hatte das Grundstück Rosental 2, im Februar zum Verkauf ausgeschrieben – verbunden mit umfangreichen Bedingungen (wir berichteten). So ist der Erwerber verpflichtet, innerhalb von drei Jahren die ehemalige Stadtmühle in der ursprünglichen äußerlichen Gestaltung wieder zu errichten, für gewerbliche oder für Wohnzwecke. Hinzu kommt ein halbes Dutzend weiterer Vorgaben. Neben der Übernahme aller Vermessungs- und Erschließungskosten durch den Käufer ist die Errichtung eines Wasserrades festgeschrieben, das vom Ablauf des Wallgrabens angetrieben wird und Energie für die Versorgung des Gebäudes liefert. Die Ausschreibung endete mangels fristgerechtem Gebot ergebnislos. Erst drei Tage später traf im Rathaus ein Schreiben eines Interessenten ein.

„Wir haben dem Interessenten mitgeteilt, dass er nicht fristgerecht eingereicht hat und ihm nun offen steht, von sich aus einen Antrag zu stellen“, sagte Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) auf Anfrage der Kreiszeitung. „Bis dahin werden die Stadtverwaltung und der Stadtrat nicht tätig werden.“

Da die Ausschreibung kein Ergebnis brachte, könnten die Karten nun neu gemischt werden. Das vom Stadtrat beschlossene enge Korsett von Vorgaben, das an den Grundstücksverkauf geknüpft war, ist nun gegenstandslos. Sollte die Stadtmühle doch errichtet werden, dann vermutlich unter anderen Bedingungen.

Der potenzielle Investor, der seinen Namen zunächst nicht veröffentlicht wissen möchte, äußerte gestern gegenüber dieser Zeitung den Wunsch nach konstruktiven Gesprächen mit der Verwaltungsspitze. „Ich bin Delitzscher und sähe es als Bereicherung für die Stadt, wenn die Mühle wieder errichtet werden könnte“, betonte er. „Sie war stadtbildprägend, und man sollte schauen, wie man aus der Wiederaufbau-Idee etwas Funktionierendes machen kann.“

Fest steht für den Interessenten allerdings, dass es ohne eine städtische Beteiligung nicht geht. Die Rentabilität des Objektes müsse gesichert sein, und dazu sei finanzielle Unterstützung aus dem Rathaus oder aber eine Fördermittelquelle notwendig. „Einen wirtschaftlichen Grund, die Mühle wieder aufzubauen, gibt es nicht. Nur einen ideellen. Die Stadt muss sich also positionieren.“

Wie schwierig die Sicherung von Rentabilität bei diesem Vorhaben ist, zeigen Berechnungen von Aufbau-Kritikern, die der Kreiszeitung vorliegen. Veranschlagt werden geschätzte zwei Millionen Euro Investitionskosten, da die Konstruktion des Neubaus besondere Herausforderungen berge – vom Einbau des Wasserrades und historischen Vorgaben bis hin zur Umsetzung der Energiegewinnung. Einschließlich Kreditzinsen ergebe sich aus dieser Investitionssumme über 15 Jahre ein monatlicher Finanzbedarf in Höhe von knapp 16 000 Euro, um das Engagement zu refinanzieren.

Die wahrscheinlichste Nutzung der Stadtmühle, ein Gaststättenbetrieb, wird vor diesem Hintergrund in seiner Rentabilität angezweifelt. Da das Grundstück nur rund 200 Quadratmeter misst, stünden selbst bei einer Unterbringung der Küche im Untergeschoss nur rund 150 Quadratmeter Gastraum auf Erdgeschoss-Ebene zur Verfügung, heißt es. Das entspreche rund 40 Plätzen. Zur Deckung der monatlichen Finanzierungs- und Betriebskosten sei ein Mindestumsatz von 40 000 Euro pro Monat nötig. Bei im Schnitt 20 Euro pro Rechnung müssten 2000 Gäste bewirtet werden, was einer allabendlichen Vollauslastung entspreche.

Ebenfalls ausgeschlossen wird in der Berechnung eine Nutzung als Hotel, da maximal fünf Zimmer mit je 30 Quadratmetern integriert werden könnten. Für ein Tagungszentrum fehle es an Bettenkapazitäten, lediglich Büros seien räumlich denkbar. Finanziell jedoch eher nicht, da die zu erwartenden Mieteinnahmen die Finanzierungskosten nicht kompensieren würden. Schließlich noch die energetische Betrachtung: Mit dem per Pumpe in den Wallgraben geleiteten Wasser ließen sich – bei einem Raddurchmesser von zwei Metern – voraussichtlich 257 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen. Das ist weniger, als ein Singlehaushalt verbraucht. Noch weniger wird es, wenn der Wallgraben im Winter vereist und die Anlage still steht.

Insofern herrscht Einigkeit zwischen den Wiederaufbau-Kritikern und dem Interessenten, der sich für die Stadtmühle einsetzt: Ohne öffentliche Zuschüsse wird es nicht funktionieren.

Kay Wuerker

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