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Delitzsch Isländer zeigen jetzt in Delitzsch Flagge
Region Delitzsch Isländer zeigen jetzt in Delitzsch Flagge
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06:00 29.07.2016
Die Familie Sigmundsson mit isländischer Flagge vor ihrem Delitzscher Eigenheim (von links): Gudni, Solveig, Dagur mit Lára und Markus. Ruth Reinhardt (rechts) hat ihnen den Start erleichtert. Quelle: Kay Würker
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Delitzsch

Die Große Kreisstadt Delitzsch präsentiert sich gern als Höhepunkt im Norden. Schließlich ist die Stadt der Türme nicht nur die größte Kommune Nordsachsens, sondern auch Touristenziel mit zuletzt deutlichen Zuzugsraten. Doch was sich jetzt auf manchen Klingelschildern abspielt, kommt selbst den unerschrockensten Delitzschern zu nordisch vor. Arinbjörnsson heißt es da zum Beispiel, Hafsteinsdóttir oder Sigmundsson. Eine Reihe von Isländern hat die Stadt und die Region für sich entdeckt. Und nicht nur sie. Insbesondere Arbeitnehmer aus dem gewerblich blühenden Leipziger Norden schätzen die kurzen Wege von und nach Delitzsch.

Wie viele es genau sind, die in Leipzig einen Job fanden und deshalb in die Loberstadt zogen, lässt sich nicht seriös beziffern. Fakt ist, dass das berufliche Pendeln zum Delitzscher Lebensgefühl gehört. Von den rund 10 000 Einwohnern, die im vergangenen Jahr als sozialversicherungspflichtig beschäftigt gemeldet waren, arbeiteten etwa 6250 außerhalb. Gut 1600 haben eine Anstellung an anderer Stelle im Landkreis, der große Rest pendelt aus Nordsachsen raus, oftmals nach Leipzig. Großunternehmen wie Amazon, BMW oder Porsche sind daran nicht ganz unschuldig. „Rund 80 Mitarbeiter der Porsche Leipzig GmbH haben ihren Wohnsitz in Delitzsch“, teilt die Pressestelle des Autobauers auf Anfrage mit.

Neues Leben binnen vier Wochen

Dass allerdings mehrere Isländer in Delitzsch leben, hängt eher mit der Flughafenstadt Schkeuditz zusammen. Die Luftfahrtbranche braucht spezielles Fachpersonal und findet es nicht selten im Ausland. Gudni Sigmundsson zum Beispiel entschied sich im Frühjahr 2014, Reykjavik zu verlassen und einen neuen Job am Rande von Leipzig anzunehmen. „Ich habe zuvor in Saudi-Arabien gearbeitet, war immer wieder drei Wochen am Stück weg“, erzählt der Flugzeugtechniker. Es sollte endlich Schluss sein mit der Rastlosigkeit. In Nordsachsen fand der 40-Jährige beides: eine gut bezahlte Anstellung bei der Amtes GmbH in Schkeuditz, die Flugzeuge instand hält und repariert, und eine neue Heimat für sich und die Familie im nahen Delitzsch. Binnen vier Wochen stemmte er den Umzug ins neue Leben.

„Ohne Ruth hätte ich das allerdings kaum geschafft“, bedankt sich Gudni. Ruth Reinhardt, Versicherungsmaklerin aus Wölpern mit Büro in Leipzig, half bei den ersten Schritten in die deutsche Lebenswirklichkeit. Über eine Internetplattform hatten sie sich kennengelernt. „Wir hatten sehr viel Schriftverkehr. Das Thema Versicherungen ist ja ziemlich komplex“, sagt Ruth Reinhardt. Und nicht nur dieses: Auch viele andere deutsche Gepflogenheiten sind für Isländer eher ungewohnt. Wie funktioniert das mit dem Kindergeld, mit der Schulanmeldung, mit der Krankenkasse? Die Wölpernerin leistete Lebenshilfe, kümmerte sich auch um ein Zuhause für die Sigmundssons. Und kam dabei schnell auf Delitzsch. „Wegen der Nähe zu Schkeuditz und der guten Infrastruktur für Familien mit mehreren Kindern“, erklärt sie.

Starthilfe auch für Briten und Australier

Inzwischen hat sie auch mehreren Dutzend anderen beruflich Zugereisten den Weg geebnet – nicht nur Isländern, auch Briten, Neuseeländern, Australiern. So mancher von ihnen wollte auch nach Delitzsch. „Ich melde mich dann immer bei der Wohnungsverwaltung Zschischang und Müller, die mir etwas vermittelt“, schildert Ruth Reinhardt.

Die Sigmundssons leben nun seit fast genau zwei Jahren in einem gemieteten Eigenheim in der Laueschen Straße: Gudni, seine Frau Solveig (41), die Söhne Dagur Kári (14) und Markus Máni (8) sowie – in Eilenburg geboren – Töchterchen Lára (1). Die deutsche Sprache geht inzwischen viel leichter von den Lippen, die Jungs haben sich in Delitzscher Schulen eingewöhnt. Doch die isländische Flagge, die haben sie noch griffbereit. Schließlich haben sie auf der Insel noch viele Freunde und Verwandte. Kaum ein Monat vergeht, ohne dass jemand aus dem hohen Norden zu Besuch kommt. Und seit der Fußball-EM, die sie gebannt verfolgten, sind die Isländer noch stolzer auf ihre Heimat.

Von Kay Würker

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